Berlinale 2019

Weil du nur einmal lebst: Hosen on tour

Zum Abschluss der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin feiert der Dokumentarfilm „Weil du nur einmal lebst“ über die Toten Hosen seine Weltpremiere. Den Fans gefällt´s.
Weil du nur einmal lebst
Campino gibt nach über 30 Jahren immer noch Vollgas.

Es ist der letzte Festivalabend vor der großen Preisverleihung, die letzte große Gala-Premiere der 69. Berlinale. Weil du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour steht auf dem Programm und hat zahlreiche Fans zusammengebracht, die die begehrten Tickets für die Weltpremiere ergattern konnten und nun sichtlich gut gelaunt mit „Hey ho, let´s go“-Rufen den Friedrichstadtpalast betreten. Und doch steht dieser Abend zunächst im Zeichen eines Mannes: Dieter Kosslick. Der scheidende Festivalchef führt an einem seiner letzten Arbeitstage für die Berlinale die Toten Hosen in den Saal. Das Publikum bedankt sich mit einem Ständchen und trällert „For he´s a jolly good fellow“.

Ja, so langsam wird man wehmütig, wenn man bedenkt, dass der kleine überdrehte Mann mit dem großen Hut nach 18 Jahren das Zepter abgeben wird. Doch natürlich sollte es an diesem Freitagabend nicht um Kosslick gehen, sondern in erster Linie um die Band, genauer gesagt Deutschlands berühmteste Punkband überhaupt. Regisseurin Cordula Kablitz-Post hat die Toten Hosen während ihrer Tour 2018 mit einem Kamerateam begleitet.

Im Tourbus nichts Neues

Die Stimmung im Friedrichstadtpalast ist mitunter am Überkochen. Da wird gejubelt, die Fans singen bei den Konzertaufnahmen laut mit, lachen über die Stimmübungen von Sänger Campino und den trockenen Humor von Bassist Andi, applaudieren, wenn zur Bekämpfung von Rechtsextremismus aufgerufen wird.

Weil du nur einmal lebst
Kein Ende in Sicht!

Allein für diese ausgelassene Stimmung ist dieser Abend ein Erfolg, der eine gelungene Abwechslung zum größtenteils furchtbar drögen Wettbewerb des Festivals darstellt, in dem allenfalls am Ende aus Höflichkeit geklatscht wird. Kurz und knapp lässt sich also festhalten: Weil du nur einmal lebst ist ein absolut gefälliger Fanfilm geworden und doch einer, der hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Cordula Kablitz-Post verlässt sich allzu sehr auf seine Protagonisten, die genug Charisma und Humor mitbringen, um weitgehend über den inhaltlichen Leerlauf hinwegzutäuschen. Es fehlt diesem Film an Fokus und rotem Faden. Sicher, es geht in erster Linie um die Tourbegleitung, doch sieht man hier wirklich Dinge, die man noch nicht in unzähligen Fernsehreportagen über die Band gesehen hat? Es geht hinter die Kulissen, aber zum wahrhaft Privaten geht es nie. Alles wirkt wie eine sorgfältig komponierte Shownummer, echte Konflikte unter den Männern sind ohnehin nie zu sehen. In der Pressekonferenz zum Film werden die Bandmitglieder auf die Stresssituationen angesprochen und die Momente, wenn sie nach langer Zeit zu ihren Familien nach Hause zurückkehren. Von all diesen interessanten Dingen hätte man gern mehr im Film gesehen.

Vergängliche Ekstase

Cordula Kablitz-Post gelingt in ihrem Kinodebüt als Regisseurin immerhin ein vereinzelt spannender Blick auf das Älterwerden, von dem auch die Künstler betroffen sind, die seit über 30 Jahren immer noch gigantische Erfolge feiern und Stadien füllen.

Weil du nur einmal lebst
Die Erschöpfung nach dem Konzert.

Es ist einerseits die Ekstase auf der Bühne, die alle Sorgen, alle körperlichen Wehwechen vergessen lässt, bevor Campino in der nächsten Einstellung völlig verschwitzt und ausgelaugt im Backstage-Bereich sitzt. Kaplitz-Post ist mit der Kamera immer dabei in diesen Momenten der gleichzeitigen Erfüllung und inneren Leere. Von einem Mast in die Menge stürzen oder an einem Bein hoch oben über der Bühne baumeln – das würde Campino heute nicht mehr tun. Das Alter macht sich auch im Showbusiness bemerkbar.

Nur schade, dass der restliche Film so sprunghaft und zerstückelt erzählt ist. Da wird kurz in die Proben geschaut, dann geht es um Campinos Gehörsturz, den der Sänger 2018 erlitt, am Ende geht es nach Argentinien, man spricht mit Fans auf der Straße und doch bleibt die Sicht von außen erschreckend banal. Wichtige Passagen wie der Auftritt beim #wirsindmehr – Konzert in Chemnitz werden kurz abgehandelt, das politische Engagement der Band verkommt zur Nebensache. Schade! Sind die Hosen wirklich schon so von den Medien zerfleddert, dass man ihnen keine Geheimnisse mehr entlocken kann?

Fazit

Als Fanservice taugt Weil du nur einmal lebst allemal. Leider lässt der sehr durchschnittliche Dokumentarfilm eine eigene künstlerische Handschrift vermissen und lässt entgegen dem Berlinale-Motto das Politische zu oft dem Privaten weichen.

 

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"Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour" feierte seine Weltpremiere als Special Gala im Rahmen der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Deutscher Kinostart: 28. März 2019

Regie und Drehbuch: Cordula Kablitz-Post

Konzert-Regie: Paul Dugdale

Laufzeit: 106 Minuten