Filmkritik

Vom Lokführer, der die Liebe suchte...

Ein alter Lokführer, ein blauer Spitzen-BH, die Suche nach seiner Besitzerin und das Ganze, ohne ein Wort zu sprechen. Ab dem 7. März läuft die skurrile Komödie "Vom Lokführer, der die Liebe suchte..." in den deutschen Kinos.
Vom Lokführer, der die Liebe suchte
Nurlan in seiner Lok.

Frauen hängen frische Wäsche auf, Männer sitzen an Tischen und trinken Tee, ein paar Kinder spielen Ball. Plötzlichen durchschneidet der schrille Ton einer Trillerpfeife die Luft. Im hektischen Durcheinander rufen Mütter nach ihren Kindern, Tische werden weggeräumt und Tee wird verschüttet. Die Schienen sind frei und der Zug braust durchs Viertel.

Weichenstellerin, gespielt von Chulpan Khamatova.

Veit Helmer (Regie) hat sich während der Dreharbeiten zu seinem Film Absurdistan in Aserbaidschan verliebt. In der Hauptstadt Baku entdeckte er den kuriosen Schauplatz des Films: ein Viertel, durch das die Schienen mittendurch führen. Die Bahnstrecke grenzt so nah an die Häuser, dass sie als Straße genutzt wird und als Erweiterung des Hinterhofs dient, auf dem das das alltägliche Leben stattfindet. Durch diese Viertel voller Leben und Gemeinschaft fährt täglich der einsame Lokführer Nurlan. Jeden Morgen macht er seine Lok startklar, fährt durch weite Landschaften und kleine Städte. Am Abend putzt er liebevoll seine Lok, sammelt Kleidungsstücke und Fußbälle ein; alles was sich während der Fahrt am Zug verfangen hat. Manches bringt er dann den ursprünglichen Besitzern wieder. Als sich dann am letzten Tag vor der Rente ein feiner, blauer Spitzen-BH an seiner Lok verfängt, begibt sich Nurlan auf die Suche nach der Besitzerin, in der Hoffnung etwas Nähe und Zuneigung zu finden.

Ein moderner Stummfilm?

Vom Lokführer, der die Liebe suchte... hat im Kern ein ganz menschliches Thema aufgegriffen: Einsamkeit und der Wunsch nach Nähe. Veit Helmer bedient sich bei der Inszenierung dieser Themen eines ganz besonderen Kniffs, denn sein Film verzichtet komplett auf das gesprochene Wort. Allein durch Mimik und Gestik, die Umgebungsgeräusche und die Bilder schafft er es, seine Geschichte zu erzählen.

Die Wäsche wird über den Schienen zum trocknen aufgehangen.

Und das meisterhaft, denn beim Anschauen fällt dies zuerst gar nicht auf. Das muss man auch der Besetzung zugutehalten, welche es durch ihr ausdrucksstarkes Spiel fast gänzlich schafft, die Abwesenheit von Sprache zu überdecken.

Die eindrucksvolle Berglandschaft von Aserbaidschan bietet eine einmalige Kulisse, in der besonders die Einstellungen der Zugfahrten spannend und visuell ansprechend sind. Auch die liebevoll gestalteten Wohnungen der Frauen, die Nurlan auf der Suche nach der BH-Besitzerin besucht, vermitteln den Eindruck, in eine echte Welt zu blicken. Das kleine Viertel rings um die Schienen ist ein eigener kleiner Protagonist des Films, der Einsamkeit und Gemeinschaft zugleich abbildet.

Zähe Geschichte

Die tollen Kulissen und die Faszination der modernen Stummfilmtechnik lenken leider nicht genug von der Tatsache ab, dass die Geschichte mit der Zeit repetitiv wirkt und für einen 90-minütigen Spielfilm einfach zu wenig bietet. Auf der Suche nach der BH-Besitzerin besucht der titelgebende Lokführer die Frauen des Viertels, doch spätestens nach dem dritten Haus hat man das Prinzip verstanden und wartet vergeblich auf eine Wendung. Die kommt leider erst viel zu spät und entschädigt nicht für die vielen zähen Minuten zuvor.

Fazit

Vom Lokführer, der die Liebe suchte... ist ein interessantes Experiment mit märchenhafter Optik, das auch ohne gesprochene Dialoge überzeugt. Leider zieht sich der Film ab der zweiten Hälfte sehr. Wer den Gang ins Kino meiden möchte, kann sich stattdessen auch Mr. Bean macht Ferien ansehen, an den dieser Film erinnert. Mindestens genau so stumm und berührend!

 

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Vom Lokführer, der die Liebe suchte ...

Regie: Veit Helmer

Drehbuch: Leonie Geisinger, Veit Helmer

Kinostart: 7. März 2019

FSK 6

Cast: Miki Manojlović, Denis Lavant, Chulpan Khamatova, Ismail Quluzade, Maia Morgenstern, Paz Vega, Frankie Wallach, Boriana Manoilova, Sayora Safarova, Manal Issa, Irmena Chichikova, Ia Shugliashvili, Meral Perin, Kazim Abdullayev