Fantasy Filmfest 2018

Stadt der Engel und Freaks

Mit seinem Teenie-Schocker "It Follows" hat er einen modernen Horror-Kultfilm geschaffen, jetzt meldet sich David Robert Mitchell zurück. In "Under the Silver Lake" unterläuft er jedoch gekonnt alle Erwartungen.
Szene aus "Under the Silver Lake"
Irgendetwas ist faul in LA

Mit dem Fernglas sitzt Sam (Andrew Garfield) auf dem Balkon seines kleinen Appartments in Los Angeles. Das Objekt seiner Begierde ist die hübsche Nachbarin Sarah, die mit ihrem kleinen Hund nebenan wohnt und im Pool planscht. Gerade kommen sich die beiden näher, da passiert auch schon das Unerwartete: Sarah verschwindet spurlos, ihre Wohnung ist leergeräumt. Nur ein mysteriöses Symbol, zwei Rauten nebeneinander, wurde in roter Farbe an der Wand hinterlassen. Sam vermutet eine gewaltsame Entführung und macht sich auf die Suche nach der verschwundenen Schönheit. Dabei trifft er eine skurrile Gestalt nach der anderen, die ihn auf immer neue Fährten locken, während sich Sam in abstrusen Verschwörungstheorien verliert.

Parade der Kuriositäten

Under the Silver Lake ist eine harte Nuss, die es für das Publikum zu knacken gilt. Am Ende weiß man weder, was man da gerade gesehen hat und worum es in diesem Film eigentlich ging.

Szene aus "Under the Silver Lake"
Andrew Garfield erhält Unterstützung von allerhand kuriosen Gestalten

Wie in einem Stationendrama stolpert Andrew Garfield von einer verrückten Situation zur nächsten. Das Ensemble besteht nur aus zwielichtigen Gestalten. Da weist der König der Bettler den Weg zu unterirdischen Bunkern, ein durchgeknallter Komponist offenbart eine alternative Musikgeschichte und dann treibt noch der unheimliche Hunde-Killer in LA sein Unwesen. Garfield selbst gelingt dabei eine überraschend ambivalente Darstellung der Hauptfigur. Mal ist er liebenswert trottelig, in anderen Momenten dringen jedoch auch überraschend psychopathische Seiten ans Tageslicht. So oder so werden alle Fans von Verschwörungstheorien ihm gern in die Abgründe der Stadt der Engel folgen, auch wenn das alles mit einem großen Augenzwinkern versehen ist. 

David Lynch für die Generation Y

Vom Mulholland Drive dieser Generation, einer großen Hommage an David Lynch war nach der Weltpremiere in Cannes in einigen Kritiken die Rede. Tatsächlich ähnelt Under the Silver Lake den surrealen Trips von Lynch, immerhin verfängt sich auch hier die Hauptfigur in einem Netz aus Paranoia, erlebt groteske Dinge und das alles an einem Schauplatz, der den Geist wie auch die Schattenseiten des amerikanischen Traums spiegelt. Obwohl Under the Silver Lake sich in

Szene aus "Under the Silver Lake"
Mit dieser Band stimmt etwas nicht

ein ähnliches erzählerisches Fahrwasser begibt, fehlt es ihm jedoch zugleich an Atmosphäre und innerer Spannung. So ein konstruiertes Verwirrspiel funktioniert nur dann, wenn am Ende doch noch alle Fäden zu einem befiredigenden Ganzen zusammengeführt werden oder die Stimmung, die Emotionalität so stark in den Vordergrund tritt, dass das Publikum allein davon überwältigt wird. Beides ist in Under the Silver Lake nicht der Fall. Dazu ist der Film mit über zwei Stunden Laufzeit zu lang geraten, um Andrew Garfields befremdliche Odyssee durchweg spannend zu gestalten.

Im Grunde genommen hat man all das auch schon mal gesehen, vielmehr ist das hier ein filmisches Zitate-Raten. Zum Glück ist sich Regisseur David Robert Mitchell dessen bewusst und verpasst seinem neuen Werk eine angenehm selbstironische Note. Er versucht gar nicht erst, die Welt des Mindfuck-Kinos neu zu erfinden, sondern bedient sich unzähliger Filmzitate und kreiert mit Under the Silver Lake ein Ode an die Traumfabrik Hollywood. Nach dem Teenie-Grusel It Follows hätte der Bruch mit dieser surrealen Komödie kaum größer sein können. Relativ am Anfang begegnet Andrew Garfields Figur in einer sehr verstörenden Albtraumszene dem Hunde-Killer. Seine Vielseitigkeit als Regisseur hat Mitchell mit diesem neuen Werk unter Beweis gestellt. Gerade bei dieser Szene kommt aber der Gedanke auf, dass es beim nächsten Mal auch gern wieder ein klassischer Horrorfilm sein darf.  

Fazit

Under the Silver Lake ist herrlich versponnenes, mit liebevoller Detailarbeit inszeniertes Rätselkino, das man nur lieben oder hassen kann. Zugleich hat es David Robert Mitchells Werk schwer, das Publikum durchweg bei Laune zu halten, denn dafür ist diese etwas zu überambitionierte Hollywood-Hommage zu sperrig geraten.

 

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"Under the Silver Lake" feiert Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 und wird in sieben deutschen Städten gezeigt.

Screening-Termine

BERLIN – 08 Sep / 20.00 Uhr
MÜNCHEN – 21 Sep / 20.00 Uhr
HAMBURG – 15 Sep / 20.00 Uhr
KÖLN – 14 Sep / 20.00 Uhr
FRANKFURT – 22 Sep / 19.30 Uhr
NÜRNBERG – 29 Sep / 20.00 Uhr
STUTTGART – 29 Sep / 20.00 Uhr

 

Kinostart: 06.12.2018

Laufzeit: 139 Minuten