Filmkritik

Traumfabrik: Kitschfest am Filmset

Eine Liebesgeschichte im geteilten Deutschland und der Traum nach dem ganz großen Kino. Diesen Traum vom Kino sollte man selbst besser nicht träumen, denn dann stößt man in dem Kitschfest "Traumfabrik" an seine Grenzen.
Szene aus "Traumfabrik"
Die deutsche Antwort auf "Titanic"?

Ja, auch in der DDR wurden große Filmproduktionen verwirklicht. Wer das noch nicht wusste, der ist besser beraten, sich einschlägige Literatur zum Kino der DDR zu besorgen, denn Traumfabrik ist definitiv kein Film über die DEFA geworden. Das Babelsberger Filmstudio bildet lediglich die zugegeben recht opulent ausgestattete Kulisse für eine Romanze, bei deren Kitschfaktor sich wohl selbst die Rosamunde Pilcher - Verfilmungen am Sonntagabend noch Inspiration holen können. Da stolpert der junge Emil, frisch aus der NVA entlassen, auf das DEFA - Gelände und verguckt sich dort in die hübsche Tänzerin Milou. Nach dem ersten Date trennen sich jedoch die Wege der beiden, denn Ostdeutschland wird mit dem Mauerbau abgeriegelt. Liebesfilm und frivole Lausbubgeschichte gehen hier Hand und Hand, denn Emil wechselt kurzerhand seine Identität und will als Regisseur seinen eigenen Cleopatra - Monumentalfilm drehen, ein sozialistisches Prestigeprojekt. Ziel davon? Seine Geliebte wieder nach Ostdeutschland ans Filmset holen. 

Politik bleibt draußen

Jegliche politischen Untertöne über die Zensur des Kinos, die völlige politische Durchdringung der Filmbranche, die Karriere als Künstlerin oder Künstler in der DDR, all das wird in Traumfabrik im Keim erstickt und spielt quasi gar keine Rolle. Stattdessen wirkt dieser Schmachtfetzen selbst wie eine Heimatfilmproduktion aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, der es nur um vorgegaukelte Emotionen geht, bei der das Hirn vorher besser an der Kinokasse abgegeben werden muss. 

Szene aus "Traumfabrik"
Kitsch im Rosenregen

Alles überhöht, unendlich sehnsuchtsvoll. keine Pointe zu flach. Eigentlich gibt es solche Filme gar nicht mehr. Diese Remineszenz an das alte Gefühlskino ist aber auch das einzige, das filmhistorisch interessant zu betrachten wäre.

Wenn die Taschentücher gezückt werden sollen, spielen die Streicher groß auf, wirbeln Schwärme von Glühwürmchen in die Höhe und die Rosenblätter regnen vom Himmel. Das ist in seinen zwei Stunden doch überraschend kurzweilig und hat durchaus seine Schauwerte, etwa direkt zu Beginn, wenn Emil in einer stark gefilmten Plansequenz über das Gelände der DEFA stolpert und wir mit ihm in diese verträumte Welt eintauchen. Traumfabrik verwechselt nachher aber immer häufiger Kinomagie mit lachhaftem Kitsch. In der durch und durch sterilen, hochglanzpolierten Werbeclipästhetik könnte man teilweise sogar vergessen, dass der Film überhaupt in der Vergangenheit spielt, die Historisierung und Einbettung in den zeitgeschichtlichen Kontext ist völlig misslungen. 

Rest-Charme bleibt

Ist Traumfabrik also ein guter Film? Auf gar keinen Fall! Und doch handelt es sich ebenso wenig um eine Vollkatastrophe, denn einen gewissen Charme kann man der Riesen-Produktion nicht absprechen. Es ist erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit Dennis Mojen und Emilia Schüle ihre grausigen Dialoge vortragen. Ihre Romanze ist so dermaßen überspielt, so konsequent in Kitsch getränkt, obendrein mit Zuckerguss überzogen und mit einer rosa Schleife verziert, dass man schon genau wissen muss, worauf man sich einlässt. Aber war nach den ersten Ausschnitten etwas anderes zu erwarten? Wer sich davon angesprochen fühlt und genau auf diese Art von glattem Genrekino Lust hat, kommt auf seine Kosten. 

Szene aus "Traumfabrik"

Darüber hinaus kann man zweifelsohne lachen über die Komik dieses Schmachtfetzens, zum Teil unfreiwillig, zum Teil beabsichtigt. Ja es drängt sich sogar der Gedanke auf, ob Traumfabrik das Unterhaltungskino der DDR, generell den romantischen Film der 50er und 60er Jahre parodieren möchte, nur bleibt es eben bei einer gut gemeinten Vermutung. In manchen Szenen glaubt man ,es würde gleich noch zur Krönung gesungen werden und Ilja Richter kommt mit seiner Schlager-Karavane um die Ecke gefahren. Ein ernst zu nehmendes Musical hinter den Kulissen eines Filmsets wäre für deutsche Kinoverhältnisse wohl noch erfrischend gewesen. Stattdessen gibt´s den Gesang erst im Abspann, wenn Helene Fischer die Titel-Ballade trällert, unterlegt mit Fotos, die Aufschluss geben sollen über den weiteren Werdegang der Figuren. Klar! Irgendwie muss der Durchschnitts - Kinogänger ja im Kinosessel festgehalten werden, damit er nicht mit Einsetzen des Abspanns aufsteht, sondern bestenfalls gleich danach zu Hause noch den neuen Helene - Song kauft. 

Fazit

Traumfabrik ist filmhistorisch erschreckend wertlos und lässt jegliches interessantes Material über seinen Schauplatz links liegen. Das Kitschfest ist jedoch so konsequent naiv und übertrieben, dass man ihm seinen Unterhaltungswert nicht absprechen kann. Wahrscheinlich will der Film ja auch gar nicht mehr. 

 

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Janick Nolting
05.07.2019 - 12:04
  Kultur

TRAUMFABRIK

Kinostart: 04. Juli 2019

Regie: Martin Schreier

FSK 0

Laufzeit: 125 Minuten 

Cast: Dennis Mojen, Emilia Schüle, Ken Duken, Heiner Lauterbach, Michael Gwisdek und weitere