Theatererzension

"Und dann gab's keines mehr" - oder?

Ein Partywochenende auf einer wunderschönen Insel vor der englischen Küste, das klingt sehr verheißungsvoll. Weniger gut ist es allerdings, wenn die Gäste sich kaum kennen, verschiedene Einladungsgründe erhalten und nacheinander alle sterben.
Und dann gabs keines mehr
Und dann gabs keines mehr

Verschiedene Mitglieder der englischen Upperclass werden von einem oder einer mysteriösen "Onym" nach Soldier Island, eine Insel vor der englischen Küste, eingeladen. Dort treffen also zwei Militärs, ein Arzt, eine Sekretärin, ein Haushälterehepaar und weitere Personen aufeinander.

Man kennt sich gegenseitig, wenn überhaupt, eher flüchtig und alle bekamen sie verschiedene Gründe genannte, warum sie erscheinen sollten. Durch die Lage und einen aufziehenden Sturm sind sie bald abgeschnitten vom Festland, ohne Boot, von Beginn an ohne Telefon und irgendwann auch ohne Strom. Und gleich nach dem Abendessen stirbt der erste Gast. Danach auf sehr makabre Weise einer nach der anderen.

Zehn kleine Zinnsoldaten...

Dieses Kinderlied zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschehnisse. Nach seinen Strophen werden die Gäste auf der Insel systematisch ermordet, am Ende des Liedes sind alle Zinnsoldaten tot. Aber es wird nicht nur nach dem Lied gemordet, es wird auch immer wieder gesungen oder zitiert. Sterben müssen die Gäste auf der Insel, weil jeder von ihnen mindestens einen Mord begangen haben soll. Sie wurden juristisch nicht verurteilt. Deshalb soll über sie jetzt doch noch Recht gesprochen werden und eben dafür dient das Lied als Inspiration.

... und dann gab's keines mehr

Die bedrückende Atmosphäre, das stärker werdende Misstrauen der Gäste untereinander und die zunehmende Unsicherheit wurden schauspielerisch gut dargestellt. Die Atmosphäre zeigte sich auch stellenweise im recht spartanisch gehaltenen Bühnenbild. Es gab ein paar Stühle, eine Bar, aber eben auch kleine Zinnfiguren. Die verschwanden nach und nach und sorgen dadurch für Panik.

Ähnlich düster aber dennoch sehr spannend waren die Szenenpausen. In diesen wurde Musik gespielt, dazu wurden durch Schwarzlicht Zinnsoldaten-Strichmännchen sichtbar. Diese hingen an den Wänden der Bühne. Während die Musik spielte, erwachten sie nach und nach zum Leben. Jeder der Soldaten war einer der Toten. Sie kämpften miteinander in einer Art seltsamen Slow-Motion-Tanz.

Fazit

Zwischenzeitlich zog sich das Stück in die Länge, was vermutlich daran liegt, dass sehr viele Gespräche im Stehen oder Sitzen stattfanden und es allgemein viele lange Dialoge gab. Das Schwarzlichttheater hingegen, sowie der ein oder andere blöde Spruch, besonders vom arroganten Captain lockerten das Stück wiederum auf.

Insgesamt war es ein interessanter Krimiabend, bei dem auch das Publikum miträtseln konnte, wer der Mörder sei und wer als nächstes sterbe. Und auch das Schwarzlicht-Theater verlieh dem Stück etwas besonderes.

 

Die Rezension zum Nachhören:

Moderator Paul Materne im Gespräch mit Redakteurin Svenja Tschirner

Moderation: Paul Materne

Rezension zu "Und dann gab's keines mehr"

 

 

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"Und dann gab's keines mehr"

Premiere: 19. Januar 2019

Spielort: Dachtheater Haus Steinstraße

Regie: Ensemble des kulturbeutelleipzig

Darstellende:

Dennis Oltmanns

Nadine Herzog

Michelle Borm

Tim Georg Ebert

Charlotte Fischer

Christian Völk

Sascha Eckhold

Christian Felgner

Mireille Martin

Lisa Osterburg

Georg Haase

Aufführungstermine:
26. Januar 2019
27.Januar 2019
16. Februar 2019
17. Februar 2019
08. März 2019
09. März 2019