Theaterrezension

Operette, Zirkus und viel Humor

Letzten Samstag hieß es für die Leipziger Opernfans wieder einmal: auf in die musikalische Komödie! Dort feierte nämlich Paul Burkhards erfolgreichstes Stück „Das Feuerwerk“ Premiere.
Das Ensemble
Das Ensemble

„Das Feuerwerk“ ist eine musikalische Komödie in 3 Akten. Burkhard erregte bereits Ende der 1930er Jahre Aufsehen mit dem Schweizer Mundartstück „Der schwarze Hecht“. Die bearbeitete Version von Erik Charell wurde 1950 am Münchner Gärtnerplatztheater uraufgeführt. Mit dieser gelang Paul Burkhard dann der Durchbruch - auch international, dank des Chansons „Oh, mein Papa“.

„Das Feuerwerk“ vereint biederes Familienleben mit Träumen von Freiheit und Glamour anhand der Geschichte des 60. Geburtstags des Albert Oberholzer. Bei Burkhards Stück treffen absolut konträre Lebensentwürfe aufeinander. So findet zum Geburtstag des Albert Oberholzer wieder einmal ein großes Familienfest statt. Die ganze Verwandtschaft kommt ins Haus, das heißt die 3 Brüder des Gefeierten inklusive deren Frauen. Alberts Tochter Anna hat sogar ein Lied komponiert, verschiedenste Gänge werden aufgefahren und das Ganze könnte spießbürgerlicher nicht sein. Annas Freund, der Gärtner Robert, ist zur Geburtstagsfeier allerdings nicht eingeladen. Er passt der Familie nicht in den Kram - erste Brüche im Familienleben offenbaren sich. Als dann noch unerwarteterweise der „Ausreißer“ Alex samt seiner faszinierenden Frau Iduna auftaucht, ist das Chaos perfekt. Alexander Obolski ist nämlich vor 30 Jahren verschwunden, mittlerweile Zirkusdirektor und lebt ein ganz anderes Leben als der Rest der Familie. Er imponiert vor allem Alberts Tochter Anna. Diese träumt nun auch vom Zirkusleben und überlegt, ihr beengtes bürgerliches Leben hinter sich zu lassen und sich beiden anzuschließen. Eine Idee, die nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Zirkus „light“

„Das Feuerwerk“ ist keine klassische Operette. Stattdessen lebt Burkhards Werk als musikalische Komödie von Leichtigkeit und Witz. Das Stück verfügt über einen deutlichen Musicalcharakter und hinterlässt trotz der inhaltlichen Konflikte stets ein Lächeln im Gesicht der Zuschauerinnen und Zuschauer.

"Das Feuerwerk"
"Das Feuerwerk"

Dabei bewegt sich „Das Feuerwerk“ stets an der Grenze zum Kitsch - keine sehr leichte Gratwanderung. So gibt es ein klassisches Happy End und so gut wie alle Beteiligten gehen trotz der zwischenzeitlichen Differenzen glücklich aus dem Familiendurcheinander heraus. Dies mag einem manchmal vielleicht etwas zu einfach sein, aber warum eigentlich nicht? „Das Feuerwerk“ schafft gute Laune und entführt einen in eine Welt des Zaubers und der Magie. So verbringt Hauptdarstellerin Anna – in Alex Köhlers Inszenierung dargestellt durch Nora Lentner – den kompletten 2. Akt wie im Traum. Da schleichen dann die missfälligen Tanten in Raubkatzenkostümen über die Bühne, springen leichtfüßige Akrobaten umher und treten Clowns auf.

Die Zusammenarbeit des Ensemble der musikalischen Komödie mit dem Ballett sowie dem Orchester des selbigen besticht durch seine Vielfältigkeit. So ist das Stück eine große Herausforderung für Sänger und Sängerinnen da ein ständiger Wechsel zwischen Sprechtexten, Sprechgesang und dem Operettengesang selber vorherrscht. Die Darstellerinnen und Darsteller müssen also sowohl als Schauspieler, als auch als Sänger überzeugen. Keine so leichte Aufgabe. Neben dem reinem Gesang werden zudem auch noch Akrobatik und Tanz geboten. Liebhaber verschiedenster Künste kommen also auf ihre Kosten und „Das Feuerwerk“ zeigt Zirkus einmal ohne Schmuddeligkeit und Tierquälerei.

Vom Durst nach Freiheit

„Das Feuerwerk“ spielt in Alex Köhlers Inszenierung in Leipzig. So hat Paul Burkhard selbst empfohlen, dass Stück in der Stadt spielen zu lassen in der es aufgeführt wird. Um noch mehr Kontraste zu schaffen, hat Köhler die Handlung dann auch noch von der Nachkriegszeit im Original in die Zeit kurz vor der Wende verlegt. Eine Zeit, in der sich die politische Krise der DDR zuspitzte. So gibt es unter den Verwandten einerseits immer noch treue Parteigenossen und dann eben Obolski, der nach Köhlers Idee noch vor dem Mauerbau in den Westen gegangen ist und dort sein Leben als Zirkusdirektor lebt.

Beide Welten treffen nun also aufeinander. Tabus und festgefahrene Konventionen auf der einen Seite und eine weitaus ausgeprägtere Offenheit auf der Anderen. Um dies gut darzustellen ändert Köhler auch noch weitere Details. So war im Original die Beziehung zwischen dem Zirkusdirektor Obolski und seiner Frau typisch nach altem Operettenklischee: er betrügt sie, sie leidet. In der neuen Inszenierung ist das anders: Obolski und Iduna führen eine offene Beziehung in gegenseitigem Einverständnis, sind frei in ihren Entscheidungen und doch verbunden.

Generell ist der Begriff von Freiheit in „Das Feuerwerk“ ein großes Thema. Für Anna ist der Zirkus ihr Tor zur Unabhängigkeit, Robert möchte die DDR und die eingehenden Zwänge verlassen und auch andere Charaktere entwickeln im Lauf des Stückes ein größeres Freiheitsbewusstsein. So auch Onkel Gustav. Dieser leidet unter einem psychosomatischem Husten, hauptsächlich verursacht durch das Zusammenleben mit seiner herrischen Ehefrau, Tante Paula. Auch Gustav will frei sein und beschließt am Ende des Stückes, sein Leben radikal zu ändern und Paula zu verlassen.

Fazit

„Das Feuerwerk“ ist ein gelungenes, abwechslungsreiches und fantasievolles Stück. Gerade Köhlers Inszenierung ist etwas moderner und sorgt für Abwechslung. Das Orchester der musikalischen Komödie ist ausgesprochen gut und auch die Sängerinnen und Sänger des Ensembles überzeugen mit gesanglichem sowie schauspielerischem Talent.

 

 Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Maximilian Enderling im Gespräch Nele Rebmann

Moderation: Maximilian Enderling

Rezension zu "Das Feuerwerk"
 

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Das Feuerwerk

Premiere: 13. April 2019

Spielort: Oper Leipzig (Musikalische Komödie)

Inszenierung: Axel Köhler

Musikalische Leitung: Tobias Engeli

Ausstattung: Timo Dentler

Dramaturgie: Nele Winter

Darstellende: Mirjam Neururer, Nora Lentner, Angela Mehling, Sabine Töpfer, Anne-Kathrin Fischer, Carolin Masur, Dagmar Zeromska, Hinrich Horn, Justus Seeger, Michael Raschle, Milko Milev, Björn Christian Kuhn, Radoslaw Rydlewski, Andreas Rainer

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