Fantasy Filmfest 2018

Terrified: Der Mann unterm Bett

Der gruseligste Film beim diesjährigen Fantasy Filmfest. Mit derartigen Vorschusslorbeeren kam dieser argentinische Horrorfilm daher, doch wird "Terrified" seinem furchteinflößenden Ruf wirklich gerecht?
Szene aus "Terrified"
An Schlaf ist nicht mehr zu denken

Gurglend fließt das Wasser in den Abfluss des Spülbeckens. Plötzlich rumort es in den Rohren. Hausfrau Clara hat Angst, doch ihr Mann glaubt seiner verängstigen Frau zunächst nicht. Geflüsterte Todesdrohungen aus dem Abflussrohr erscheinen dem Rationalisten dann doch etwas zu verrückt. In der Nacht geht es dann direkt weiter: Jemand klopft ununterbrochen gegen die Schlafzimmerwand. Der wütende Ehemann verdächtigt den Nachbarn, stürmt aus dem Haus, klingelt nebenan. Als er zurückkehrt, ist seine Frau tot.

Episodischer Grusel

Terrified macht wahrlich keine Gefangenen und drückt direkt ordentlich aufs Gaspedal. Dabei muss man Demián Rugna Respekt zollen, dass es ihm so gut gelingt, sein Publikum ab der ersten Minute mit besagter Abflussszene Angst einzujagen, am Kragen zu packen und so konsequent durch den folgenden Spukhaustrip zu schleifen. Nur so viel sei

Szene aus "Terrified"
Mörderischer Badespaß

verraten: Der Spuk im Haus des jungen Ehepaares ist nur einer von drei Fällen, die im Film verhandelt werden müssen, denn auch die Nachbarschaft wird von Geistern terrorisiert. Ein ganzes Wohnviertel in Buenos Aires ist hier Opfer des Paranormalen. Die wichtigste Frage vorweg: Hat Terrified irgendetwas zu bieten, was man nicht schon aus unzähligen anderen Horrorfilmen und den jüngsten Conjuring- und Insidious - Franchises kennt? Nein, auf gar keinen Fall. Trotzdem ist Demián Rugna einer der besseren Gruselfilme der jüngeren Vergangenheit gelungen.

Im ersten Drittel feuert er gleich eine ganze Reihe an unheimlichen Szenen ab und packt alles aus, was das Genre zu bieten hat. Von knarzenden Türen, unheimlichen Aufnahmen auf der Überwachungskamera bis zu Geistererscheinungen im trauten Heim. Tatsächlich gelingt es ihm dabei, altbekannte Motive und Elemente teilweise in einem erfrischenden Licht erscheinen zu lassen, indem er seinen Gruselszenen einen surreal anmutenden Touch verleiht und manchmal auch auf eine übertrieben laute Tonspur verzichtet, sondern stattdessen auf die Spannung der Stille vertraut. Besonderes Highlight ist hierbei eine Sequenz rund um einen Mann, der nicht mehr schlafen kann, weil jede Nacht eine nackte, hagere Gestalt in seinem Haus umherläuft und sich gern auch mal unter sein Bett legt. Ja, Terrified ist tatsächlich streckenweise ziemlich gruselig, auch wenn es immer wieder auch schwarzhumorige Spitzen gibt, die für Auflockerung sorgen.

Schwache Story

Die episodisch anmutende Geschichte wird Terrified vor allem im Mittelteil zum Verhängnis, wenn schließlich ein Team von Geisterjägern in dem verfluchten Wohnviertel auf den Plan gerufen wird. Hier verstrickt sich der Film immer mehr in seinen eigenen, wirren Zeitlinien, wirft dem Zuschauer unzählige erzählerische Brocken hin, ohne dass sie am Ende ein stimmiges und schlüssiges Gesamtbild ergeben. Noch dazu hat Terrified zwischendurch mit so einigen Längen zu kämpfen und so dauert es eine ganze Weile, bis der Film wieder an den anfänglichen Horrorfaktor anknüpfen kann. Letztendlich verkommt leider auch dieser Film mal wieder zu einer Ansammlung von eher belanglosen Schockmomenten, die sich immer mehr abnutzen, auch wenn es Regisseur Rugna gut gelingt, seine Schreckgespenster so dezent zu inszenieren, dass man zwar weiß, wovor man sich fürchten muss, aber sie doch nicht so ausführlich sieht, dass sie an Wirkung verlieren würden.

Fazit

Terrified ist der gruseligste Film des diesjährigen Fantasy Filmfest, was aber daran liegt, dass sich die Zahl klassischer Gruselfilme in diesem Festivaljahrgang sowieso in Grenzen hält. Mal davon abgesehen ist Terrified weder innovativ noch besonders gut erzählt, schafft es aber, den Gruselfaktor in einigen Sequenzen ordentlich in die Höhe zu treiben.

 

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"Terrified" wird demnächst beim Streaminganbieter Shudder veröffentlicht und feiert Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 in sieben deutschen Städten.

Screening-Termine

BERLIN – 14 Sep / 18.15 Uhr
MÜNCHEN – 18 Sep / 20.30 Uhr
HAMBURG – 22 Sep / 17.30 Uhr
KÖLN – 21 Sep / 18.00 Uhr
FRANKFURT – 22 Sep / 17.30 Uhr
NÜRNBERG – 29 Sep / 18.00 Uhr
STUTTGART – 30 Sep / 19.15 Uhr