Filmkritik

Tal der Skorpione: Die Action-Resterampe

Als ein "kurioses Filmhighlight mit Kultpotenzial" wird dieser Film im Presseheft angekündigt. Das deutsche Trashfest "Tal der Skorpione" beendet am Ende lediglich die Suche nach dem bisher schlechtesten Film des Jahres.
Tal der Skorpione
Die deutschen "Expendables"...oder?

Warum denn nicht immer so? Das deutsche bzw. deutschsprachige Genrekino ist zwischen all den historischen Unterrichtsfilmen, klischeehaften Familienkomödien und Politdramen zwar rar gesäht, hat in den vergangenen Jahren aber durchaus einige Perlen zu bieten gehabt. Baran bo Odars Hacker-Thriller Who Am I mit Elyas M`Barek zum Beispiel, AKIZ mit seinem Technotrip Der Nachtmahr, Lukas Feiglfelds Mittelalterhorror Hagazussa oder auch jüngst Tilman Singer mit seiner fiebrigen Giallo-Hommage LUZ. Tal der Skorpione gehört definitiv nicht zu diesen Perlen. Will man mal so einen richtigen Actionkracher aus deutschen Landen sehen, konnte man in den letzten Jahren höchstens auf Til Schweigers Kino-Gehversuche mit seinen Tatort-Spin-Offs setzen. Da kann er noch so oft todesmutig durch eine Backsteinmauer springen, obwohl sich einen Meter weiter die Tür befindet: Am Ende ist´s meistens nur peinlich. Tal der Skorpione ist nun ein weiterer krampfhafter Versuch, so etwas wie einen Kultfilm im Actiongenre auf die Beine zu stellen. Anstatt einer deutschen Version des Actionhelden-Gipfeltreffens The Expendables, versammelt Tal der Skorpione lediglich eine Schar deutscher C-Prominenz.

Handlung implodiert

Es ist schon eine Leistung, wenn ein Film seit bereits über einer Stunde läuft, aber immer noch schleierhaft erscheint, worum es überhaupt gehen soll. Tal der Skorpione wirkt wie ein überlanges Machwerk, aus dem einfach der Mittelteil ohne Anfang und Ende herausgeschnitten wurde, der sich nun in seinem eigenen Schwachsinn über das Publikum ergießt.

Szene aus Tal der Skorpione
Bert Wollersheim ballert los

Im Kern sehen wir eine Gruppe Krimineller, die sich in einem Waldstück (vielleicht in Brandenburg?) gegenseitig die Schädel einschlägt. Am Ende soll einer überleben und zu einer Art Superwaffe umgezüchtet werden.

Exposition? Fehlanzeige. Wir steigen direkt ein mit einer endlos langen Schießerei, die vermutlich irgendwo heimlich in einer Sandgrube gefilmt wurde. Gut, ein paar Explosionen und jede Menge unter weißen Hemden aufplatzende Blutbeutel gibt´s noch obendrauf. Mittendrin ist Ex-Rotlichtstar Bert Wollersheim mit seiner Flinte. Die Lederjacke bleibt zu, seine frisch wegtätowierte Ex-Frau Sophia auf dem Rücken soll man nicht sehen. Wer hier indes auf wen schießt, ist nicht so ganz ersichtlich, spielt aber auch keine Rolle, denn in dem stümperhaften Schnittgewitter ist die Action sowieso kaum überschaubar.

Waldhaus der Stars

Interessanter ist vielmehr, welche Stars und Sternchen hier ihre Gesichter noch einmal in die Kamera halten. Da ist Wollersheim erst der Anfang, viele weitere folgen ihm.Ralf Richter! Claude-Oliver Rudolph! Martin Semmelrogge! Na, können Sie noch? Vielleicht erinnern Sie sich zurück an die legendäre fünfte Staffel des RTL-Dschungels, als Schauspieler Mathieu Carrière sich vor Model Sarah Knappik in den Staub warf, um sie mit erhobenen Händen anzuflehen, sie möge doch bitte das Camp verlassen. Jetzt sitzt Mathieu in diesem Actionfilm und spielt seine zwielichtige Figur mit einer solch übertriebenen Ernsthaftigkeit, dass es einem eiskalt den Rücken hinabläuft.

Da freut man sich lieber über die für ihre Verhältnisse fast schon züchtig gekleidete Micaela Schäfer! "Werner, ich gehe ein!", trägt sie schultheatermäßig klagend vor, bevor auch sie sich in die Action begibt. Wenn schon Trash, dann richtig! Die selbsterklärte TV-Nacktschnecke lässt sich wenigstens so unfreiwillig komisch auf die schwachsinnigen Dialoge ein, dass man auch mal lachen kann. Zugleich wird man jedoch das Gefühl nicht los, man würde eine FSK 18 - Fassung vom Sommerhaus der Stars anschauen.

Wer hätte es gedacht?

Nach den ersten Infos und dem Trailer war es ja nicht anders zu erwarten, dass Tal der Skorpione absurdester Trash werden würde. Nachwuchsregisseur Patrick Roy Beckert hat das Projekt quasi zunächst auf eigenen Schultern getragen und es tut natürlich immer weh, auf den Nachwuchs verbal einzuprügeln, vor allem dann, wenn er sich darum bemüht, in der deutschen Filmbranche sich auch mal an einem etwas andersartigeren Projekt zu versuchen.

Tal der Skorpione
Micaela ist auch dabei

Das ist hier jedoch in jeglicher Hinsicht gescheitert, von den Dialogen über die Darsteller bis zu den Effekten und der Kameraarbeit. Die FSK 18 - Freigabe scheint plausibel. Zwischendurch gibt´s neben der Gewalt noch ein paar derbe, politisch unkorrekte Sprüche, in denen coole Action-Oneliner mit purer Geschmacklosigkeit verwechselt werden. Was würde man wohl sagen, wenn Arnold Schwarzenegger in einem seiner Film plötzlich im Unterholz sitzend von "geilen Negerblaslippen" schwärmen würde, wie es Jean-Oliver Rudolph hier tut.

Filmisches Folterprogramm

Es ist eine Qual, den Film durchzustehen, abgesehen von ein paar unfreiwilligen Lachern. Wobei die Frage der Unfreiwilligkeit ungeklärt bleibt. Einerseits wirkt Tal der Skorpione wie ein kalkulierter Trashfilm, der die Qualität bewusst auf Sparflamme hält, andererseits ist die Ernsthaftigkeit, mit der alle Beteiligten über das Projekt sprechen, doch etwas beängstigend und hinterlässt die Befürchtung, dass das hier vielleicht doch alles ernst gemeint war. Wenn das ein neuer Trash-Kultfilm werden sollte, dann ist der mit seinen monströs aufgeblasenen 130 Minuten viel zu zäh und lang geraten, wenn es ein ernst zu nehmender Actionfilm sein soll, dann stellt sich die Frage, warum man die Beteiligten nicht aufgehalten hat. Zum Schluss kommt noch der obligatorische Cliffhanger. Teil 2 soll kommen! Dann ja vielleicht mit weiteren Stars? Jenny Elvers als Kampfamazone? Helmut Berger als intriganter Politiker? Da geht doch noch was!

Fazit

Weder gelungener Actionfilm noch so wirklich unterhaltsamer Trash. Nur für Masochisten geeignet!

 

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TAL DER SKORPIONE

Buch und Regie: Patrick Roy Beckert

Kinostart: 20.06.2019

FSK 18

Laufzeit: 130 Minuten

Cast: Bert Wollersheim, Micaela Schäfer, Martin Semmelrogge, Ralf Richter, Mathieu Carrière und weitere

Der Film erscheint am 25. Oktober auf DVD und Blu Ray.

Hier geht´s zur offiziellen Website des Films.