Stadtrat

Leipziger Stadtbad soll bleiben

Das Stadtbad soll nicht mehr verkauft werden – das fordern die Grünen im Leipziger Stadtrat. Ihre Vision für das hundertjährige Gebäude: Sanieren und wieder als Schwimmbad eröffnen. Wir haben die anderen Fraktionen dazu gefragt.
Stadtbad
Seit 2004 wird im Stadtbad nicht mehr geschwommen. Die Grünen im Stadtrat wollen das ändern.

 Den Beitrag können Sie hier nachhören oder im Folgenden nachlesen:

Der Bericht von Lisa Albrecht über die Forderungen zum Stadtbad
0406 BmE Stadtbad

Das Stadtbad hat schon mehr als 100 Jahre Geschichte hinter sich. Das Jugendstilgebäude wurde 1916 eröffnet. In den zwei Hallen schwimmt aber seit 2004 niemand mehr. Denn wegen baulicher Mängel musste das Bad schließen. Die Stadt Leipzig sucht nun schon seit mehr als 10 Jahren einen Käufer für das Bad. Der Antrag der Grünen will nun die Ausschreibung beenden.

Gemeinwohl statt Verkauf

Die SPD begrüßt die Forderung der Grünen, dass das Stadtbad nicht verkauft werden soll. Dazu SPD-Fraktionsvorsitzender Christopher Zenker:

Wir sind der Meinung, dass man beim Verkauf von kommunalem Eigentum sehr vorsichtig sein sollte.

Christopher Zenker, SPD-Fraktion im Stadtrat

Zenker will allerdings, dass die Kosten für die Sanierung gründlich geprüft werden sollten. Denn laut Leipziger Volkszeitung belaufen die sich auf rund 25 Millionen Euro. Deshalb könnte sich die SPD auch private Investoren vorstellen.

William Grosser, Fraktionsmitglied Die Linke, war an der Gründung der Förderstiftung Leipziger Stadtbad beteiligt. Zum Antrag der Grünen, das Stadtbad nicht zu verkaufen, meint er:

Wir wollten immer schon, dass die Stadt das Stadtbad selbst trägt, weil der Gemeinwohlgedanke uns hier umgetrieben hat.

William Grosser, Die Linke-Fraktion im Stadtrat

Dieser Gemeinwohlgedanke war auch Grund für die Grünen, den Antrag im Stadtrat zu stellen. Denn in den nächsten Jahren soll nördlich vom Hauptbahnhof ein neuer Stadtteil entstehen. Wohnungen für 3.000 Menschen sowie eine Grundschule, eine Oberschule und ein Kindergarten sollen gebaut werden. Aber kein Schwimmbad. In einer Pressemitteilung heißt es: "Wir sprechen uns aufgrund dieser Notwendigkeit für den Erhalt und eine Nutzung aus."

Dennoch keine einheitliche Stimmung

Der sportpolitische Sprecher der AfD-Stadtratsfraktion, Holger Hentschel, wünscht sich ebenfalls eine Nutzung des Bades:

Wir könnten uns unter Umständen auch einen Investor mit einem schlüssigen Konzept vorstellen.

Holger Hentschel, AfD-Fraktion im Stadtrat

Ute Gabelmann von den Freibeutern freut sich über den Antrag. Denn das Stadtbad sei für sie ein Kleinod: "Ich freu‘ mich darüber,  dass da jetzt auch bei den anderen Stadtratsfraktionen ein Umdenken einsetzt."

Weniger euphorisch zeigt sich CDU-Stadtrat Stefan Georgi. Seine Fraktion steht dem Antrag weder positiv noch negativ gegenüber:

Es gibt seit Langem Diskussionen über das Stadtbad. Wir sehen jetzt keinen Grund darin, das grundsätzlich abzulehnen.

Stefan Georgi, CDU-Fraktion im Stadtrat

Ob die Stadt dem Antrag der Grünen folgt und die Ausschreibung des Stadtbads zurückzieht, wird noch im Stadtrat diskutiert werden. Doch bis das Schicksal der 100-jährigen Schwimmhalle entschieden ist – bis dahin bleibt es nicht ganz still in der Eutritzscher Straße. Die Förderstiftung für das Stadtbad holt regelmäßig Dinnershows und Theater hierher.

 

Kommentieren

Lisa Albrecht, Isabell Bergner
04.06.2018 - 18:56