Interview mit Björn Meine

Wenn sich das Sommerloch ausbreitet

Die meisten fahren im Sommer in den Urlaub, die Stadt wird spürbar leerer. Dann herrscht bei den lokalen Medien Themenflaute – das sogenannte Sommerloch. Was das für eine Redaktion bedeutet, darüber sprachen wir mit Björn Meine von der LVZ.
Sonne
Sommer, Sonne, Sonnenschein – viele fahren in den Urlaub und in der Stadt ist nichts los.

Björn Meine leitet seit 2012 das Ressort Lokales bei der Leipziger Volkszeitung. Dementsprechend hat er beruflich schon einige Sommer erlebt – und ebenso viele Sommerlöcher. Wir sprachen mit ihm deshalb darüber, wie dieses Themenloch entsteht und wie man es am besten füllt. Das Interview führte Nico van Capelle.

Björn Meine
Björn Meine, Ressortleiter Lokales bei der LVZ. Foto: Isabell Bergner

mephisto 97.6: Was sind die Ursachen des Sommerlochs? Auf der nationalen Ebene pausiert die Bundespolitik und regional...

Björn Meine: Es gibt natürlich erst einmal weniger Veranstaltungen und Feste, die finden normalerweise nicht während der Sommerferien statt. Es ist auf der politischen Bühne weniger los. Der Stadtrat tagt nicht, es gibt weniger Pressekonferenzen. Das wird die nächsten Wochen weniger. Das liegt daran, dass viele Leute im Urlaub sind und die Veranstalter dementsprechend sagen: „Da machen wir nichts“, weil da einfach weniger Leute kommen. Und so entsteht ein Sommerloch.

Was macht man dann dagegen? Die Zeitung hat ja immer gleich viele Seiten.

Grundsätzlich gibt es an bestimmten Tagen die Möglichkeit, dass das ein bisschen weniger wird. Aber man muss damit umgehen, klar. Insbesondere bei der Zeitung ist das ein objektives Problem. Beim Online-Kanal fällt das vielleicht nicht so auf. Aber die Zeitung muss halt gefüllt werden. Dazu kommt noch, bei uns sind natürlich auch Leute im Urlaub, gerade mit Kindern. Was wir dagegen machen: entscheidend ist, dass man sich schon vor dem Sommer Gedanken macht, wie man durch diese Zeit kommt. Man braucht schon eine Strategie. Wenn man nur in den Tag hineinlebt, dann funktioniert das nicht. In diesem Sinne ist ein Sommerloch eine Herausforderung, aber auch eine Chance mehr eigene Themen zu bringen.

Wie generieren Sie Themen?

Zum Beispiel haben wir uns im letzten Jahr Gedanken gemacht, wie wir durch den Sommer kommen, und da gab es von einem Mitarbeiter die Idee: macht doch mal eine Straßenbahn-Serie. Es gab im Hamburger Abendblatt eine S-Bahn-Serie und wir haben geguckt: Wie kann man das adaptieren? Dann haben wir gesagt, wir machen eine Straßenbahn-Serie und setzen uns jeden Tag in eine Straßenbahn, fahren alle Linien durch, steigen aus und suchen Geschichten am Rande der Strecke, unterhalten uns mit Menschen, besuchen Geschäftsinhaber. Und so ist eine ziemlich coole Serie entstanden, immer mit einem zentralen Beitrag, mehreren kleineren Elementen wie Umfragen und Geschichten am Rand. So generiert man Geschichten, indem man sich einfach in dieser Stadt bewegt, einfach mal ganz gezielt durch diese Stadt fährt.

Das ist auch mein Eindruck hier im Radio, aus der Not kann man durchaus wunderschöne Sachen machen. Nichtdestotrotz gibt es Themen, die immer gehen, Kriminalität zum Beispiel. Was gibt es noch?

Ja, Kriminalität gibt es immer, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Es kommt oder es kommt eben nicht. Was durchaus immer geht, sind Foto-Aktionen, das werden wir morgen wieder starten: Schickt uns unter dem Motto „Mein liebstes Leipzig“ eure schönsten Bilder der Stadt. Natürlich gehen auch Tierthemen immer. Dazu noch: Wir sprechen immer vom Thema Terminjournalismus und lernen in der Ausbildung, dass man das nicht machen soll. Also Termin getrieben zu arbeiten und den Terminen hinterherzulaufen. Das sollte man grundsätzlich nicht tun. Es ist nicht grundsätzlich Schlechtes, es gibt auch Termine, die Spannendes beinhalten. Aber diese Termine brauchen wir schon auch, um irgendwo mal einen Platz zu füllen, das ist einfach so. Und diese Termine fallen im Sommer eben weg.

 

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Nico van Cappelle, Isabell Bergner
10.07.2018 - 15:44
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