Fantasy Filmfest 2018

Heimgesucht vom Schlager-Geist

Horrorfilme aus Asien haben in der Vergangenheit viele das Fürchten gelehrt. Mit dem Spukhausfilm "Satan´s Slaves" versucht Regisseur Joko Anwar nun an diese Tradition anzuknüpfen.
Szene aus "Satan´s Slaves"
Das ist nicht meine Mama!

Wenn das Läuten des kleinen Glöckchens durch das Haus schallt, weiß man, dass gleich wieder Schlimmes passieren wird. Im Obergeschoss des heruntergekommenen Hauses liegt Mama Mawarni im Bett. Die Ex-Schlagersängerin ist sterbenskrank, kann nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen und ruft ihre Kinder per Glöckchen um Hilfe. Zur Not auch mitten in der Nacht. Eines Tages verstirbt Mawarni schließlich überraschend, doch damit beginnt der Schrecken für die hinterbliebene Familie erst, denn der Geist der Verstorbenen kehrt ins Haus zurück.

Ein Film vom Abschied

Joko Anwar gelingt ein erstaunlich stimmungsvoller Auftakt. Satan´s Slaves braucht sich anfangs noch gar nicht auf altbekanntes Gruselinventar zu stürzen, denn der Horrorfilm erzählt auf mitreißende Art und Weise von der Angst der Familie vor dem drohenden Tod der Mutter. Deren körperlicher Verfall und die Verwandlung zum Schreckgespenst bebildert hier eindringlich den schmerzhaften Verlust eines geliebten Familienmitgliedes. Und dann wird dieser allzu reale Schrecken noch intensiviert, wenn die bettlägerige Mutter verängstigt an die Decke schaut, obwohl sich dort doch gar nichts befindet, oder sie nachts plötzlich am Fenster steht. So reicht allein das Klingeln ihres Glöckchens aus, um für Angst zu sorgen, denn Joko Anwar redet nicht um den heißen Brei herum und zögert nicht lange, um das Publikum aus dem Kinosessel springen zu lassen. Leider hält der anfängliche Psychoterror nicht lange an. 

Geister, Zombies, Teufelssekten

Mit Filmen wie Ringu, The Eye oder Ju On - The Grudge erlebte der Horrorfilm aus dem asiatischen Raum Ende der 90er/ Anfang der 2000er eine Blütezeit und zog einen regelrechten Remake-Wahn in Hollywood nach sich. All diese Filme überzeugten weniger durch laute Effekthascherei, sondern in erster Linie durch ihre bedrückende Stimmung, die düsteren Bilder

Szene aus "Satan´s Slaves"
Mutters Geist lässt die Familie nicht zur Ruhe kommen

und ganz subtilen Grusel. In Zeiten von The Conjuring, Insidious und Co. wäre es erfrischend gewesen, einen solchen Film im Horrorgenre mal wieder erleben zu können, doch weit gefehlt! Joko Anwar beschwört diesen unterschwelligen Schrecken nur selten herauf. Inszenatorisch orientiert er sich stattdessen lieber an jeder Menge Hollywood-Konventionen.

Anwar verpackt in Satan´s Slaves sämtliche Klischees, die die Mottenkiste des Geisterfilm-Zubehörs zu bieten hat und schlägt spätestens mit dem Zombie-Finale gehörig über die Stränge. Die Kinder der Familie haben aus ihrem Zimmerfenster feinste Aussicht auf den Friedhof, Radios entwickeln ein Eigenleben und spielen Mutters Schlager-Hit und ach ja - im Keller befindet sich ein gruseliger Brunnen. Zwischendurch gibt es natürlich noch den obligatorischen, mit peinlichen Witzen gespickten Abstecher zu einem Experten für das Übersinnliche, der dann aber glücklicherweise recht schnell wieder aus der Geschichte verschwindet. Ansonsten steckt der Film voller lauter Schockmomente, auf der Tonspur schrillen die Geigen, bis man schließlich beinahe abgestumpft ist und diese Szenen immer öfter ihre Wirkung verfehlen.

Das soll nicht bedeuten, dass Satan´s Slave gänzlich ungruselig ausgefallen ist. Besonders dann nicht, wenn Joko Anwar kindliche Ängste inszeniert. Wenn die Jüngsten der Familie nachts zurück in ihr Zimmer schleichen und ein Bettlaken von sich werfen, das plötzlich auf einer unsichtbaren Gestalt hängen bleibt, kann es auch der abgebrühte Horrorfan kurz mit der Angst zu tun bekommen.

 

Fazit

Im Vorfeld war in vielen Rezensionen die Rede vom "gruseligsten Film des Jahres". Diesem Ruf wird Satan´s Slaves nicht gerecht, denn dafür fehlt es dem Spukhausgrusel an Gespür für Subtilität und einer interessanten Geschichte. Nichtsdestotrotz gelingt Joko Anwar mit einigen wirklich unheimlichen Einzelmomenten eine unterhaltsame Geisterbahnfahrt.

 

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"Satan´s Slaves" wird demnächst beim Streaming-Dienst Shudder veröffentlicht und feiert seine Deutschlandpremiere beim 32. Fantasy Filmfest, wo er in fünf deutschen Städten gezeigt wird.

Screening-Termine

BERLIN – 08 Sep / 22.45 Uhr
MÜNCHEN – 15 Sep / 20.30 Uhr
HAMBURG – 15 Sep / 22.45 Uhr
KÖLN – 14 Sep / 22.45 Uhr
FRANKFURT – 27 Sep / 20.15 Uhr