Videospiele als Kulturgut

Ein feuilletonistischer Blick auf Games

Videospiele sind ein Kulturgut wie auch Literatur, Theater und Film, findet die Stiftung Digitale Spielekultur. Darum haben sie die Veranstaltungsreihe "Quartett der Spielekultur" ins Leben gerufen, dessen zweite Folge in Leipzig stattfand.
Die Gäste des "Quartett der Spielekultur" in Leipzig
Das "Quartett der Spielekultur": v.l.n.r. Marcus Richter, Rae Grimm, Markus Heitz und Melek Balgüm

Nach dem Vorbild des "Literarischen Quartetts" zeigt die Stiftung Digitale Spielekultur Videospiele aus einer feuilletonistischen Perspektive. Ähnlich wie beim "Literarischen Quartett" erzählt erst eine Person ausführlich von einem Spiel, zu dem auch immer kurz ein Trailer gezeigt wurde. Darauf steigen dann auch die anderen Teilnehmenden ein und können von ihren Eindrücken erzählen und darüber diskutieren. Zum Schluss haben sie die Spiele auch miteinander verglichen.

Ein buntes Quartett

Wie beim "Literarischen Quartett" gibt es auch beim "Quartett der Spielekultur" einen festen Kern. Der besteht aus den Moderierenden Marcus Richter, der unter anderem bei Deutschlandfunk Kultur die Netzsendung "Breitband" moderiert und Melek Balgün, die aus dem eSport kommt. Dazu kommen noch zwei Gäste. In Leipzig waren das der Bestseller-Autor Markus Heitz, dessen Roman "Die Zwerge" als Videospiel umgesetzt wurde, und die Videospieljournalistin Rae Grimm, die die Online-Redaktion von GamePro leitet.

"Games als Spiegel der Gesellschaft"

Die bunte Mischung hat die Veranstaltung sehr spannend gemacht. Denn die Spielenden hatten damit ihren ganz persönlichen Bezug zu den Spielen, die für diese Folge nach dem Motto "Games als Spiegel der Gesellschaft" ausgewählt wurden. Was nach sehr soziologischen Diskussionen klingt, war leider nur ein Gespräch über Games, die bestimmte Aspekte einer Gesellschaft widerspiegeln. 

Ein Auszug von "Tech Support: Error Unknwon"

Die Spiele, um die es in Leipzig ging, waren alle Simulatoren von unabhänigigen Spieleentwickelnden mit kritischen gesellschaftlichen Aspekten. In diesen Spielen muss man moralische Entscheidungen treffen. Darüber und wie das umgesetzt wurde, ging es in den Diskussionen. Der persönliche Bezug kam durch den Hintergrund der jeweiligen Spielenden raus. So war es der eSportlerin Melek Balgün sehr wichtig, Ziele zu erfüllen, auch wenn sich das ethisch schwer vereinbaren lässt. Und Rae Grimm als Journalistin sieht ihr Spiel "The Westport Independent", bei dem man unter einem faschistischen Regime Artikel veröffentlichen muss, auch nochmal anders.

Kulturgut Videospiele

Ziel der Veranstaltung war es zu zeigen, dass Games ein Kulturgut sind und relevant für unsere Gesellschaft. Deshalb ging es in dieser Folge des "Quartett der Spielekultur" nicht darum, vier Spiele zu rezensieren, für die sich nur Nerds interessieren, sondern Spiele zu zeigen mit realen Situationen, in die man sich hineinversetzen kann.

Es gibt nur ganz wenige hochgradige Spielejournalistinnen und -journalisten, die vielleicht mal aus einer anderen Perspektive auf Spiele schauen. Das ist uns ein richtig großes Anliegen. Und auch immer noch weiter dazu beizutragen, dass Vorurteile ausgeräumt werden.

Christiane Gehrke, Projektmanagerin "Quartett der Spielekultur"

Deshalb ist die Wahl der Spiele auch nicht schlecht, auch wenn das nicht unbedingt die bekanntesten Titel sind. Die Veranstaltung geht damit auf jeden Fall in eine richtige Richtung, um die gesellschaftliche Akzeptanz von Videospielen zu erreichen. Auch wenn der Titel der Veranstaltung erstmal etwas anderes hat vermuten lassen, war sie gut gelungen. Sie zeigt eben die Besonderheiten von Videospielen, die im Gegensatz zu Filmen und Büchern die Konsumierenden handeln lassen. Das bringt gesellschaftliche Themen auf eine ganz andere Ebene.

Die Nachberichterstattung zum Nachhören:

Moderator Paul Materne im Gespräch mit Laura Kreuzhage über das "Quartett der Spielekultur"
SG Quartett der Spielekultur
 

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Bei der zweiten Folge vom 21.05.19 des "Quartett der Spielekultur" in Leipzig wurden folgende Spiele besprochen:

"Papers, Please" von Lucas Pope

"The Westport Independent" von Double Zero One Zero

"We. The Revolution" von Polyslash

"Tech Support: Error Unknown" von Dragon Slumber