Themensendung: Prokrastination

Ach... das mach ich morgen

Prokrastination. Das Aufschieben wichtiger Aufgaben durch weniger wichtige Aufgaben. Eine Serie schauen, statt zu lernen, zum Beispiel. Dieser Artikel ist für alle, die eigentlich was Besseres zu tun hätten.
"Verschiebe nicht auf morgen, was genauso gut auf übermorgen verschoben werden kann." - Mark Twain

Eine Lebensweisheit, die man schon allzu oft gehört hat: 

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen

Und eigentlich wissen wir ja auch: Wenn wir unsere Aufgaben direkt erledigen würden, hätten wir mehr Zeit dafür, weniger Stress und kein schlechtes Gewissen. Aber trotzdem erwischt man sich selbst zu oft dabei, dass man eine Serie schaut, anstatt zu lernen, durch die Weiten des Internets surft, anstatt die Mails zu beantworten oder in der Küche Karaoke singt, anstatt endlich den Geschirrberg abzuspülen.

Die Kunst der Prokrastination

Es ist Sonntagabend um fünf, eigentlich eine ideale Zeit, um zu relaxen, aber etwas, das man glaubt noch tun zu müssen, nagt am Gewissen. Es zu tun, würde die wohlverdiente Entspannung nehmen, es nicht zu tun, würde die wohlverdiente Entspannung versauern – es schwirrt ja noch im Kopf. Der Leistungsdruck der heutigen Gesellschaft verlangt von uns ständig produktiv zu sein. Aber das war nicht immer so. Der Mensch war mal besser darin, schlichtweg zu sein.

Milan Procyk war auf den Spuren der Prokrastination in der Menschheitsgeschichte unterwegs:

Ein Beitrag von Milan Procyk über die Kunst der Prokrastination
kleiner Philosoph

Was steckt eigentlich hinter der Prokrastination?

Prokrastination ist eher eine Veranlagung, als einfach nur eine schlechte Angewohnheit. Man kann also nichts dafür, dass man eher dazu neigt, Dinge aufzuschieben. Deshalb ist es auch gar nicht so einfach, sich das Prokrastinieren abzugewöhnen. Prokrastination kann, wenn sie überhandnimmt, zu Unzufiedenheit und Depression führen. Prokrastination hängt auch oft mit Ängsten und Sorgen zusammen. Wer Angst hat, eine Aufgabe nicht zu schaffen, fängt erst gar nicht an. Lieber schiebt man sie bis kurz vor der Deadline auf und danach redet man sich damit heraus, dass man alles viel besser hätte machen können, hätte man nur mehr Zeit gehabt.

Aber Prokrastination muss auch nicht immer etwas Schlechtes sein. Manche Menschen brauchen den Nervenkitzel und den Zeitdruck, um produktiv zu sein. Und Prokrastination kann die Kreativität fördern. Bei kreativen Aufgaben hilft es, wenn man nicht weiterkommt, einfach mal was anderes zu machen.

Die Psychologin Karoline Hudl erklärt genauer, was es mit der Prokrastination auf sich hat:

Ein Beitrag von Marleen Rühling über die psychologischen Hintergründe der Prokrastination
Prokrastination Psychologin

Das Studentensyndrom

Student
Studenten haben oft Probleme mit Prokrastination

Verpasste Vorlesungen, durchgemachte Nächte vor Klausuren, in letzter Sekunde getippte Hausarbeiten. Gerade unter Studierenden ist Prokrastination weit verbreitet. In Leipzig gibt es eine Einrichtung, die Studierenden hilft, wenn sie Schwierigkeiten mit dem Zeitmanagement haben: Das Academic Lab. Dort gibt es Workshops und Seminare zum Hausarbeiten schreiben. Und auch individuelle Beratungsangebote.

Unsere Redakteurin Wiebke Stedler hat Robert Feustel vom Academic Lab getroffen:

Ein Beitrag von Wiebke Stedler
Academic Lab

 

Zigarette
Raucherpause

Die Kippenpause

Die Raucherpause ist für viele auch eine kurze Flucht aus dem Arbeitsalltag. Sie schieben ihre Arbeit auf, um stattdessen zu rauchen. Also auch eine Art der Prokrastination. Aber die Raucherpause ist noch mehr als nur das Aufschieben der Arbeit und das Ausleben der Nikotinsucht. Denn im dichten Dunst des Zigarettenrauchs entwickelt sich durch die regelmäßigen 3 Minuten Smalltalk ein Gruppengefühl.

Caroline Büscher hat sich die Sozialstruktur der Kippenpause mal eine Zigarette lang angeschaut:

 

Ein Beitrag von Caro Büscher
Kippenpause
 

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Judith Schneider
23.05.2019 - 16:34

Die ganze Sendung zum Nachhören gibt es auf Mixcloud.