Weihnachten in Leipzig

Poller als Politikum?

Wer in der Woche vor Weihnachten durch Leipzigs Innenstadt ging, las auf den Sicherheitspollern um den Weihnachtsmarkt eindeutige politische Botschaften wie "Danke Merkel". Unser Redakteur Max Brose findet das unweihnachtlich und wenig kreativ.
Weihnachtsmarktpoller
So viel Heimlichkeit - was sich wohl hinter dem Schwarzgesprühten verbirgt? Vielleicht ein Pegidaklassiker.

Der gesamte Beitrag zum Nachhören:

"Poller als Politikum?" - eine Glosse von Max Brose
Poller als Politikum?

Danke Merkel.

Diesen allseits beliebten Pegida-Klassiker las man in der Woche vor Weihnachten auf den Betonpollern an Leipzigs Weihnachtsmarkt. Das Sicherheitskonzept der Weihnachtsmärkte wird so zur Kanzlerhetze verdreht und die Poller zum Politikium.

Was clever und provokativ sein soll, ist einfach nur zum Gähnen. „Danke Merkel“? Schon wieder? Wo seid ihr hin, ihr rechten Wortakrobaten? Wo ist die Lyrikerin Beatrix von Storch, die noch vor einem Jahr mit einem Tweet sämtliche Titelblätter füllte? Als die Polizei in NRW auf mehreren Sprachen, unter anderem arabisch, Neujahrsgrüße verschickte, kommentierte Storch: 

„Meinen Sie die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen“  

​Beatrix von Storch, Stellvertrende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag

Volksverhetzung in dreiteiligem Klimax verpackt in einer scharfzüngigen rhetorischen Frage. Kein Wunder, dass der Post viral ging.

Und nur ein Jahr später twitterte Storch zum Sicherheitszaun um den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz nur noch:

Dieser Zaun gehört an die Deutsche Außengrenze! Dann brauchen wir ihn nicht um unsere Weihnachtsmärkte!!!

Beatrix von Storch, Stellvertrende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag

Zwei simple Hauptsätze, drei Ausrufezeichen und keine innere Logik? Komm schon Trixie, das kannst du besser.

Auch das rechtspopulistische Compactmagazin zeigt sich wenig kreativ mit der Weihnachtsmarktpolemik.  So veröffentlichte das Magazin jüngst folgendes Gedicht:

„Hoho, genießt den Weihnachtsmarkt
Auch wenn Merkels Gast hier parkt
Vertraun wir auf die Kanzler-Poller
Denn hierzuland wird’s immer toller“

Paarreim im holprigen Metrum und dann Toller auf Poller dichten? Goethe würde sich schämen, Deutscher zu sein.
Dabei hat es Rechtspopulismus doch so einfach: Terroranschläge waren vergangenes Jahr noch größte Angst der Deutschen. Und die Poller auf den Weihnachtsmärkten erinnern an den islamistischen Terror auf dem Breitscheidplatz. Und der kommt nach rechter Weltsicht einzig und allein durch Merkels Migrationspolitik in unser Land.

Nur leider provoziert das immer gleiche Merkel-Feindbild spätestens seit Ihrem Rücktritt als CDU-Vorsitzende niemanden mehr. Deutschland scheint abgestumpft dagegen, wenn 12 Todesfälle für politische Agenda missbraucht werden. Gab es ja auch alles schon und wird nach drei Jahren einfach langweilig. Darum müssen schwerere Geschütze aufgefahren werden.

Emotionen brauchen ein Gesicht.

Das hat auch der Vorsitzende der AfD-Fraktion Thüringen Björn Höcke verstanden.

Darum postete er das Bild einer ermordeten Leipzigerin auf seiner Facebook-Seite, um ein Zeichen gegen Migration zu setzen. Der thüringische Landtag hob daraufhin Höckes Immunität als Abgeordneter auf. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

Die Eltern der Leipzigerin klagen, er hätte den Tod Ihrer Tochter für rechte Hetze instrumentalisiert. Es scheint, als hätte die rechte Medienstrategie – Verschiebung der Grenze des Sagbaren – eine juristische Grenze erreicht.

Ergo braucht es neue Ideen, das deutsche Blut zum Brodeln zu bringen, zum Beispiel mit Jugendsprache.

So prangert auf einigen Weihnachtsmarktpollern statt „Danke-Merkel “ „Multikulti läuft“.

 

Kommentieren