Frisch gepresst: pizzagirl

it’s ur boy, pizzagirl

Wir lieben Pizza, wir lieben Synthies und wir lieben Debütalben. pizzagirl aus Liverpool kann gleich mit allem dienen.
pizzagirl
Liam Brown hält als pizzagirl seine Emotionen (und Synthies) nicht zurück.

Liam Brown ist das wohl sympathischste Musikerklischee, das es gibt: Der freundliche Typ von nebenan, der dafür lebt sich im Komfort des eigenen Schafzimmers an allen möglichen Musikinstrumenten auszutoben. Mit seinem Alter-Ego pizzagirl verleiht er diesen Spielereien eine konkrete Richtung - klassischer 80er-Synthpop, verfeinert mit modernen Indie-Einflüssen. Auf seinem Debütalbum „first timer“ lebt er seine musikalischen Vorlieben jetzt ungehindert aus - ganz zu unserem Vergnügen.




Gefühle, Gefühle

Seine Social-Media-Präsenz lässt Brown als ewig gut gelauntes Honigkuchenpferd dastehen, in seinen Songs nimmt er die Dinge aber eher schwer: „ball’s gonna keep on rollin’“ beschreibt den beschwerlichen, tückenreichen Werdegang eines aufstrebenden Filmstars, im Überhit „dennis“ besingt er die Prämisse für einen deutlichen älteren Typen verlassen zu werden und das melancholische „thispartysux“ versetzt uns auf eine beschissene Party, wo der Grund unserer Anwesenheit uns keines Blickes würdigt. 



Ja, die meisten der Songs auf „first timer“ würden wohl problemlos in den Soundtrack einer John-Green-Romanverfilmung passen. Und da Teenager und ihre Gefühle ja bekanntlich der Erzfeind des wahren Musikfans sind, wird pizzagirl von manchen sicher schnell als Schnulzenjunge abgestempelt. Zugegeben: An manchen Stellen überspannt Brown den Bogen ein wenig, aber die sind an einer Hand abzusehen. Was dominiert, sind ausnehmend eingängige Melodien, lebhafte Synthies und Browns warme Stimme. 



Discokugel-Pop und angenehmer Kitsch



pizzagirl hätte sich wahrscheinlich keinen besseren Zeitpunkt für sein Debüt aussuchen können. In Zeiten des Retrohypes trifft „first timer“ einen Nerv und wird dadurch mit Sicherheit Einzug in einige Musiksammlungen finden. Schaut man sich pizzagirls musikalischen Werdegang an, erkennt man aber: Browns Liebe zum schwelgerischen Discokugel-Pop ist keine Modeerscheinung, sondern Herzenssache. Und so verhält es sich auch mit „first timer“ - das Album ist angenehm cheesy und nimmt sich oft selbst auf die Schippe in seiner sympathischen Überemotionalität. Wem das am Ende doch ein bisschen zu viel Gefühl ist, der kann sich auf eine ganze Reihe an Ohrwürmern freuen. So oder so, „first timer“ funktioniert - auf der Tanzfläche wie im Schlafzimmer.


 

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pizzagirl: first timer

Tracklist:

1) ball’s gonna keep on rollin‘*
2) daytrip
3) body biology
4) dennis*
5) yesterday
6) library
7) thispartysux*
8) ugly
9) cut and paste
10) goodnight

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 11.10.2019
Hit or Heist Records

Übrigens:

Uns konnte pizzagirl bereits auf dem Reeperbahn Festival überzeugen. Wer nach „first timer“ neugierig geworden ist, kann ihn in diesem Jahr noch zweimal live erleben: 

21.11.2019 - Berlin, Auster-Club
22.11.2019 - Köln, Yuca