Filmkritik

Phantastische Tierwesen 2: Altes Spiel

Es darf wieder gezaubert werden! Für alle Harry Potter - Fans kommt mit "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" der Film des Jahres in die Kinos, doch der hat mit ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger zu kämpfen.
Szene aus "Grindelwalds Verbrechen"
Newt Scamander ist auf geheimer Mission

Die Harry Potter - Reihe ist nun schon seit sieben Jahren vorbei. Für ein riesiges Publikum ging dabei weltweit ein großer Teil der Kindheit zu Ende. Dass es eines Tages Neues aus der magischen Welt von Erfolgsautorin J.K. Rowling geben würde, war schnell klar und so erschien 2016 mit Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind der erste Teil einer neuen Filmreihe und weil die Kuh natürlich so lange wie möglich gemolken werden soll, folgte schon im Vorfeld die Ankündigung, dass gleich fünf Teile dieser neuen Geschichte in den folgenden Jahren über die Leinwände flimmern sollen. Was darin noch alles erzählt werden soll, erschließt sich auch nach Teil 2 dieser Tierwesen-Saga nicht ganz, denn der fühlt sich lediglich wie eine Fortsetzung der Exposition an. 

Nachschub fürs Kinderzimmer

In Grindelwalds Verbrechen geht es nun einmal mehr um Newt Scamander, solide gespielt von Oscar-Preisträger Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit), der sein Leben der Erforschung magischer Geschöpfe gewidmet hat. In diesem zweiten Teil wird er in den 20er Jahren von

Szene aus "Phantastische Tierwesen"
Grindelwald will einen Krieg anzetteln

Albus Dumbledore, der zu dieser Zeit in Hogwarts noch Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet, mit einer geheimen Mission betraut: Er soll den bösen Zauberer Grindelwald aufspüren, der einen Krieg gegen die nicht-magische Gesellschaft anzetteln will, um unter den Vorboten des Zweiten Weltkrieges dem reinen Zaubererblut die Weltherrschaft zu verleihen. Dabei helfen soll ihm der junge Credence, der auf der Suche nach seiner Herkunft ist und mit seinen übermächtigen Kräften als Massenvernichtungswaffe benutzt werden soll. Mit diesem grundsätzlichen Rassenkonflikt will J.K.Rowling offensichtlich auf aktuelle politische Auseinandersetzungen und weltweite populistische Tendenzen hinweisen. Das ist zwar simpel gestrickt, dürfte aber den Nerv der angepeilten Zielgruppe treffen.

Um die phantastischen Tierwesen geht es hier schon längst nicht mehr, denn die sind schon nach nur einem Teil eher zu einem lästigen Gimmick verkommen, das aufgrund des Titels irgendwie noch eingebaut werden muss, aber allenfalls dazu dient, die Kassen klingeln zu lassen, wenn die jüngsten Teile des Publikums doch gern ein Plüschtier der Niffler, Bowtruckle und Co. im Kinderzimmer haben wollen.

Kein Harry Potter

Im Grunde genommen hat man das alles schon gesehen. Mal wieder bedroht ein dunkler Zauberer die Welt, mal wieder muss sich ein junger Mann unfreiwillig gegen ihn stellen und der allwissende Dumbledore kann wieder nicht in den Kampf eingreifen. Das Schauspielensemble ist dabei zugegebenermaßen bestens aufgelegt. Jude Law glänzt als charismatischer jüngerer Dumbledore und Johnny Depp darf hier nach seiner privaten wie beruflichen Abwärtsspirale in den vergangenen Jahren seinen Grindelwald als gruseliges Schreckgespenst verkörpern. In Kombination mit der erneut liebevollen Ausstattung - unter anderem geht es zurück nach Hogwarts - und der enormen Kreativität von Autorin J.K. Rowling sind

Szene aus "Grindelwalds Verbrechen"
Albus Dumbledore in jungen Jahren

das immerhin schon mal beste Voraussetzungen, doch am Ende bleibt die Reihe weiterhin ein ganzes Stück hinter den Harry Potter - Filmen zurück. Das liegt zum einen daran, dass der Großteil der Charaktere wenig interessant geraten ist, und zum anderen an der holprigen Erzählweise, die sich einfach nicht fangen will. Jede der unzähligen Nebenfiguren will vertieft werden und dabei gerät die eigentliche Geschichte immer wieder in den Hintergrund. Das ist extrem überladen, gleichzeitig aber oftmals unnötig in die Länge gezogen, sodass einige Sequenzen und Dialoge beinahe Seifenoperncharakter besitzen.

Regisseur David Yates, der auch für die letzten vier Harry Potter - Filme verantwortlich war, hat offenbar ein großes Problem mit spannender Action, denn die verkommt hier lediglich zu schmückendem Beiwerk. Wenn Grindelwald in der Eröffnungssequenz in luftiger Höhe dem Zaubereiministerium entkommt, dann ist das noch angenehm düster und mitreißend anzusehen, spätestens im Finale verlässt sich Yates hingegen wieder auf dürftige Computereffekte und Videospieloptik, die mit magischer Atmosphäre nur noch wenig gemeinsam hat. Die glühenden Anhänger der Reihe werden mit einigen Querverweisen auf die Originalreihe und neuen Hintergrundinformationen beglückt, auch wenn nach einem Großteil davon wohl nie gefragt wurde. Zum Schluss gibt es natürlich noch einen deftigen Cliffhanger und neu gelüftete Geheimnisse in diesem Übergangsfilm, an denen sich die Fans bis 2020 die Köpfe zerbrechen können. Noch lange kein Ende in Sicht!

Fazit

Grindelwalds Verbrechen besitzt eine Fülle interessanter Ansätze und ist insgesamt symphatisch detailverliebte Fantasyunterhaltung. Im Vergleich zum durchwachsenen Vorgänger hat die Fortsetzung die Nase vorn, leidet aber unter den gleichen Problemen und der unnötig aufgeblasenen Erzählung. Phantastische Tierwesen ist auf dem besten Weg, zur reinen Fanfiction zu verkommen.

 

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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Regie: David Yates

Kinostart: 15.11.2018

Laufzeit: 135 Minuten

Cast: Eddy Redmaine, Jude Law, Johnny Depp, Katherine Waterston, Dan Fogler und viele mehr