Fantasy Filmfest 2018

Zombie-Splatter am Trashfilmset

Ein verzweifelter Regisseur, grausam schlechte Schauspieler und dann schauen auch noch Zombies am Set vorbei. In "One Cut of the Dead" gerät ein Filmdreh außer Kontrolle.
One Cut of the Dead
Lächeln nicht vergessen

Lange Zeit hat man sich gefragt, wann es denn beim diesjährigen Fantasy Filmfest - Jahrgang endlich mal einen waschechten Trashfilm zu sehen gibt. Immerhin gehört der gute alte Trash zu diesem Festival wie das Kunstblut zum Zombiefilm. Die Suche hat ein Ende! One Cut of the Dead ist pures Trashkino aus Japan und das katapultiert das Publikum an ein Filmset, blickt also hinter die Kulissen. Hier ist der Regisseur gerade der Verzweiflung nahe, denn das Budget hat offenbar nicht mehr ganz für passable Schauspielerinnen und Schauspieler gereicht. Nach unzähligen Takes ist die Szene immer noch nicht im Kasten und sorgt für dicke Luft beim Dreh. In den Drehpausen erzählt man sich währenddessen düstere Legenden, die sich jedoch schon bald als wahr herausstellen werden, denn auf einmal stehen echte Zombies vor der Tür. Der Regisseur ist begeistert. Kamera an und los geht´s!

Ein One Take über einen One Take

Wie der Titel schon unschwer erahnen lässt, arbeitet One Cut Of The Dead mit sehr langen Kameraeinstellungen. Solch ein inszenatorischer Aufwand kann dem Publikum durchaus imponieren. In diesem Zombie-Trashfilm von Regisseur Shinichiro Ueda gibt es jedoch nichts, was einem irgendwie die Kinnlade zu Boden klappen lassen würde. Dieses technische Gimmick erzielt nämlich kaum Wirkung, wenn am Filmset ohnehin kaum spektakuläre Dinge passieren. Noch dazu ist hier vieles einfach zu dilettantisch in Szene gesetzt. Es ist natürlich schwierig, einem Film solche Vorwürfe zu machen, der bewusst auf seinen Trashfaktor setzt, aber man wird den Eindruck nicht los, dass One Cut Of The Dead dann doch etwas mehr will als puren Party-Trash auf das Publikum loszulassen.

Wenn hier der Abspann einsetzt, ist der Film keinesfalls vorbei. Nein, man hat gerade die Hälfte überstanden. Welche Richtung der Zombie-Trash danach einschlägt, soll hier nicht verraten werden, aber so viel sei gesagt: die angepeilte Mediensatire funktioniert nur bedingt. Mehr als eine nette Wendung hat der Film nämlich nicht auf Lager und selbst mit der weiß er im Anschluss nicht viel anzufangen. Auch Splatterfans werden hier nur bedingt auf ihre Kosten kommen, denn all die Gewaltspitzen sind wie der Rest des Films eher billig und versprühen trotz der handgemachten Effekte wenig Charme. Für Lacher sorgen nur einzelne Szenen in dieser Meta-Erzählung, in denen man hinter die Kulissen der inszenierten Plansequenzen blickt. Denn hier wird recht schnell deutlich, dass alle Beteiligten offenbar mit ihrem eigenen Drehbuch überfordert sind und, wenn es hektisch zugeht, auch mal über ihre eigenen Füße stolpern.

Fazit

Einige unterhaltsame Ideen und lustig-trashige Einzelmomente in One Cut Of The Dead können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Mediensatire zu gewollt und zu wenig gekonnt ausgefallen ist. Potential verschenkt!

 

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One Cut Of The Dead feiert seine Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 und wird in fünf deutschen Städten gezeigt.

Screening-Termine

BERLIN – 12 Sep / 22.15 Uhr
MÜNCHEN – 13 Sep / 20.15 Uhr
HAMBURG – 19 Sep / 22.15 Uhr
KÖLN – 16 Sep / 13.00 Uhr
KÖLN – 19 Sep / 22.15 Uhr (WH)
FRANKFURT – 25 Sep / 18.00 Uhr