Frisch Gepresst: Lana del Rey

American Art

„Norman Fucking Rockwell“: Das neue Album der Melancholie-Künstlerin Lana del Rey ist da! Ihre sanfte Stimme wird von wabernden Melodien begleitet, die nicht immer perfekt sind – und das auch gar nicht sein wollen.

Drama – das kann Lana del Rey besonders gut. Wichtig ist dabei aber immer die Sanftheit, mit der das Drama zum Hingucken einlädt, doch nicht zu viel aufzuwühlen vermag. Zwischen eben diesem fast unaufgeregten Drama, Sex, Amerika und einer gewissen Portion Traurigkeit, findet sich dabei auch ihr neuestes Album „Norman Fucking Rockwell!“.

Der amerikanische Traum

Falls Sie von diesem noch nie etwas gehört haben, hier eine kurze Erklärung: Norman Rockwell (ohne den von Lana del Rey hinzugefügten Zweitnamen) war einer der bekanntesten Künstler der USA. Seine Werke waren oft bunt, im Vordergrund stand dabei Amerika (und auch der amerikanische Traum). Doch wer nun glaubt, dass er lediglich die idealisierte und geschönte Version des echten Lebens darstellte, liegt falsch. Vor allem durch seine Sozialkritik fiel der Maler immer wieder auf. Eines seiner Werke wies kritisch auf Rassentrennung, ein anderes zeigte „echte“ Frauen bei der Arbeit – inklusive Muskeln und Dreck. Doch wer den Maler seit dem letzten Freitag bei Google eingibt, wird zuerst auf Lana del Reys Album stoßen.

It was kind of an exclamation mark: so this is the American dream, right now. This is where we’re at – Norman fucking Rockwell. We’re going to go to Mars, and Trump is president, all right.

Lana del Rey im Interview mit Vanity Fair

Keine Clubmusik

So wird Amerika in Lana del Reys Vorstellung zur ewigen Party – die jedoch stetig von Melancholie durchzogen wird. So wird ihr sechstes Studioalbum viel von dem, was sie bereits kann. Doch es klimpert ein wenig mehr vor sich hin. An einigen Stellen stellt sich fast schon die Frage, ob das Konzept des jeweiligen Songs zu Ende gedacht wurde, wenn im Hintergrund die Pedale des Klaviers noch zu hören sind oder die Sanftheit der Melodie schon fast zu eindringlich wird. Doch genau so soll das Album ankommen. Es geht auf „Norman Fucking Rockwell!“ nicht darum, dass einzelne Songs zum Partymachen benutzt werden können. Vielmehr zum Träumen – ein bisschen von Amerika und seiner Idylle, aber auch, um sich von Lana del Reys Traurigkeit mitreißen zu lassen.

Der Song, der am ehesten im Gedächtnis bleibt, ist hierbei „Doin‘ Time“. Im Video sieht man die sonst so traurige und fast schon gelangweilte Lana sogar lächeln – und das so richtig überzeugend. Die gleiche Wirkung hat auch der Song. Inhaltlich geht’s um das, was sich wie so oft wie ein roter Faden durch ihre Werke zieht: Sommer.

Summertime, and the livin’s easy

 Lana del Rey im Song „Doin‘ Time“

Der Klang des Albums ist so genau das, was von der „Summertime Sadness“ Künstlerin erwartet werden konnte - zarte Stimmeinlagen und Melodien, die durch Streichinstrumente und Akustikgitarren ihre Wirkung kaum verfehlen. So erfüllt Lana del Rey vielleicht nicht die Kriterien, um in den Charts der Welt zu dominieren. Sie schafft es aber, Hörer und Hörerinnen in den gewohnten Bann zu ziehen.

All in All

Alles in allem ist „Norman Fucking Rockwell!“ so ein gelungenes Album, welches jedoch nicht immer überzeugen kann. Das sind Momente, in denen Lana die Aufmerksamkeit ihres Publikums verliert und in die Belanglosigkeit abdriftet. Dass all das die Platte zu einem runden Kunstwerk macht, ist nicht abzustreiten. Denn was ist heutzutage schon gänzlich perfekt? Lana del Reys Songs mögen es vielleicht nicht sein. Größtenteils können sie aber überzeugen und bieten deutlich mehr Tiefe und durchdachte Zeilen als manch anderer Song, der grade in den Charts gespielt wird. So beweist die Sängerin, dass sie auch all die Jahre nach ihrem Durchbruch weiß, wie sie ihr Markenzeichen, die Schönheit der Melancholie, gut vermarkten kann.

 

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Lana del Rey : Norman Fucking Rockwell!

Tracklist:

1. Norman Fucking Rockwell

2. Mariners Apartment Complex

3. Venice Bitch

4. Fuck It, I Love You

5. Doin' Time

6. Love Song

7. Cinnamon Girl

8. How to Disappear

9. California

10. The Next Best American Record

11. The Greatest

12. Bartender

13. Happiness Is a Butterfly

14. Hope Is A Dangerous Thing For A Woman Like Me To Have – But I Have It

Erscheinungsdatum: 30.08.2019
Interscope Records, Polydor