Museumsnacht in Leipzig

Zwischen moderner Kunst und Gartenlaube

Zeig Dich! - so lautete das Motto der Museumsnacht 2017. Auch der Kultstatus hat es sich zu Herzen genommen und sich bei diversen Vernissagen und Ausstellungen blicken lassen. Dabei ist eine museale Rundreise durch das nächtliche Leipzig entstanden.
Museumsnacht
Am 6. Mai öffneten die Leipziger Museen ihre Türen für die lange Nacht der Museen.

Am 6. Mai fand zum neunten Mal die Museumsnacht in Halle und Leipzig statt. 80 Museen haben diesmal wieder von 18 bis 24 Uhr ihre Türen geöffnet und mit einer Vielzahl an Veranstaltungen gelockt. Von der Kunstgalerie bis hin zum Kleingartenmuseum war alles vertreten und die Besucher konnten interaktiv die Ausstellung erleben.

Das komplette Feature zur Leipziger Museumsnacht 2017 können Sie hier nachhören:

mephisto 97.6 Moderator Nico van Capelle war mit Redakteurin Nadja Baschek zur Museumsnacht unterwegs.

Mit Beiträgen von:

Yves bellinghausen, Lisa Albrecht

Redaktion:

Nico van Capelle, nadja Baschek, Sophie Rauch

Feature Museumsnacht

Der Beginn einer musealen Reise

Der Ablaufplan für die nächsten sechs Stunden Museumsnacht

Kurz bevor die Museumsnacht beginnt, treffen wir uns. Zeit für die letzte Lagebesprechung und eine kleine Stärkung bevor die nächsten acht Stunden im Zeichen der Künste, Geschichte und Museen stehen. Punkt 18 Uhr beginnt unsere Tour durch die Leipziger Museen am Grassi Museum mit der Ausstellung zu Tattoos und Piercings. Zu sehen sind in einem kleinen Raum verschiedene Hautpartien mit unterschiedlichen Motiven. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass sie von den Besuchern lebt, denn jeder hat die Möglichkeit auf eine vorgedruckte Karte seine Meinung zum Thema Tattoos und Piercings zu schreiben sowie seine persönlichen Erfahrungen mitzuteilen. Wer tätowiert ist, bekommt auch die Möglichkeit sein individuelles Kunstwerk ablichten zu lassen und somit Teil der Ausstellungen zu werden. 

Nach gesammelten Eindrücken geht es ein Stockwerk tiefer. Dort wartet die deutsch-syrische Band "Yalla Deluxe", die mit arabischen Klängen auf das museale Event einstimmen. Wir halten ein paar Minuten inne und lauschen der Musik. Doch lange dauert es nicht, bis wir weiter müssen. Es stehen noch viele weitere Museen auf unserer Liste und die Zeit rennt. Also machen wir uns auf zum nächsten Museum und begeben uns in Richtung Goerdelerring.

Ein kleiner Ausschnitt aus der Perfomance von "Yalla Deluxe":

Die lebendige Geschichte der DDR

Am Goerdelerring angekommen laufen wir weiter in Richtung Thomaskirche. Die Straßen sind voller Menschen, die den lauen Frühlingsabend genießen oder wie wir wegen der Museumsnacht unterwegs sind. Unser nächster Halt ist das Museum in der Runden Ecke, wo sich unter anderem das Stasi-Museum befindet. Dort befand sich die ehemalige Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig.

ehemalige Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig
Nächster Halt: die ehemalige Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig im Museum in der Runden Ecke.

Heute können wir dort Überbleibsel aus jener Zeit betrachten, zu der Leute in ihren eigenen vier Wänden beobachtet und überwacht wurden. Zum Beispiel zeigt eine Power-Point-Präsentation die Kreativität der Stasi beim Formulieren ihrer Akteneinträge. Sogenannte Stasi-Stilblüten gewähren einen Einblick in das Beamtendeutsch der DDR.

Von dort aus ging es weiter in die Südvorstadt, wo sich die ehemalige Hinrichtungsstätte der DDR befindet. Von außen wirkt das ehemalige Gefängnis eher unscheinbar und lässt nicht erahnen, was hinter den im Jugendstil gestalteten meterhohen Wänden passierte. Da die Erinnerungsstätte nur zwei Mal im Jahr (zur Museumsnacht und Tag des offenen Denkmals) ihre Tore öffnet, war der Andrang sehr groß. Zeit für uns, diesen geschichtsträchtigen Ort auf uns wirken zu lassen. Eine Hinrichtungsstätte mitten in der Stadt? Das kommt uns irreal vor und wir fragen uns, ob wirklich niemand wusste, was hinter diesen Mauern geschah. Dass es ein Gefängnis war, war stadtbekannt. Insgesamt wurden 64 Menschen hier mit der Guillotine hingerichtet. Die Verurteilten wurden in einem separaten Abteil untergebracht und bekamen ihre eigene Gefängniszelle direkt neben dem Raum mit der Guillotine. Die Räume wirken alle sehr trostlos und beklemmend. Spätestens als die Führung im Hinrichtungsraum endet, überkommt uns ein Unbehagen. Die Führung ist zu Ende und wir haben wieder einmal viel über das Leipzig der DDR gelernt. Wir machen uns auf den Weg – raus aus den kahlen Räumen rein in die Nacht, die dunkle Vergangenheit von Leipzig hinter uns lassend geht es weiter Richtung Thomaskirche.

Leipziger Schule
Die Kunstflüsterer bringen uns die Künstwerke der Leipziger Schule nähe

Vor allem Menschen, die gegen den Staat arbeiteten, wurden besonders stark überwacht. Darunter fielen auch viele Künstler, die sich in ihrem Wirken nicht beschränken lassen wollten. In der Zeit ist auch die Leipziger Schule entstanden. Ab den 80er/ 90er Jahren ist eine neue Kunstrichtichtung in Leipzig entstanden: die neue Leipziger Schule. Die Kunstgalerie G2 hat eine Ausstellung mit Werken aus dieser Schule konzipiert – unter anderem werden Künstlern wie Neo Rauch und David Schnell ausgestellt. Da Kunst aber nicht immer so einfach zu deuten ist, hat sich das G2-Team etwas ausgedacht. Sogenannte "Kunstflüsterer" sollen den Besuchern die ausgestellten Kunstwerke näher bringen und zu Gesprächen darüber anregen. Selbstverständlich haben wir auch nachgefragt und uns etwas zu der Leipziger Schule erzählen lassen.

Aus der Psychiatrie in den Schrebergarten

Hör mir zu Matten im psychiatrischen Museum
Auf den "Hör-Mir-Zu-Matten" konnte man die Geschichte der Psychiatrie hautnah erleben.

Mit der Tramlinie 14 geht es weiter bis zur Station Marschnerstraße und von dort aus sind es fünf Minuten zu Fuß, bis wir das Psychiatrie Museum erreichen. Dort angekommen unterhalten wir uns mit Thomas Müller, dem Leiter des Museums, über die Geschichte der Psychiatrie und welche Aktionen das Museum für den Abend geplant hat. Müller erzählt, dass ein lebendes Figuren-Kabinet geplant sei. Dafür haben Laienschauspieler in Zusammenarbeit mit Patienten der örtlichen Psychiatrien gemeinsam Texte verfasst und eingeübt, die sie während der Führung durch das Museum vortragen. Dazu musste man sich auf sogenannte "Hör-Mir-Zu-Matten" stellen und die sitzende Person erwachte zum Leben. Bei der nächsten Führung waren wir dabei. Die lebenden Figuren führten uns durch die Geschichte der Psychiatrie von den Anfängen bis hin zu den Methoden in der DDR. Verteilt auf fünf Räume konnten wir verschiedene Exponate anschauen und einen Einblick in die vergangenen Jahre der Psychiatrie gewinnen. Danach geht es weiter zum Kleingartenmuseum.

Das Kleingartenmuseum befindet sich nur fünf Minuten entfernt. Mit Lagerfeuer und Stockbrot bietet es den perfekten Ort für den Abschluss unserer Tour. Gemeinsam am Feuer lassen wir noch einmal Revue passieren, was wir heute alles gesehen und erlebt haben. Von unerklärlichen Kunstwerken über Stasi-Stilblüten bis hin zu lebenden Figuren war alles vertreten. Innerhalb von sechs Stunden sind wir auf die unterschiedlichsten Personen getroffen und haben ihren Geschichten gelauscht. Es wurden uns Einblicke hinter die Kulissen gewährt und wir konnten ein Stück der Leipziger Vergangenheit interaktiv erleben.

 

Kommentieren

Sophie Rauch
16.05.2017 - 19:05
  Kultur