Konzertbericht: Xavier Rudd im Werk 2

Zwischen guter Musik und naiver Romantik

Wenn Xavier Rudd auf der Bühne steht, kommen viele Instrumente zum Einsatz. Besonders bekannt ist er aber für sein Didgeridoo-Spiel. Damit hat der australische Sänger jetzt auch im Leipziger Werk 2 Halt gemacht.
Xavier Rudd
Xavier Rudd hat auf Tour auch im Werk 2 Halt gemacht

6. Juli, ein warmer Sommerabend. Eigentlich perfekt, um an den See zu fahren oder im Park zu sitzen. Mich zieht es jedoch nach drinnen, genauer gesagt ins Werk 2. Denn dort tritt heute Xavier Rudd auf. Der australische Multiinstrumentalist lockt ein großes Publikum an. In der Konzerthalle ist es voll, stickig und dunkel. Trotzdem herrscht gute Laune. Geduldig wird dem Voract zugehört - einem jungen Singer-Songwriter - und höflich mit dem Kopf gewippt im Takt zu dessen eher poppiger Gitarrenmusik.

Kurz nach neun

Als Xavier Rudd endlich die Bühne betritt und die ersten Akkorde anspielt, beginnt der ganze Saal sofort, ausgelassen zu tanzen. Gespielt wird eine Mischung aus Reggae, Pop und Worldmusic. Unterstützt wird Rudd dabei von einem Drummer sowie einem DJ beziehungsweise Pianisten. Das Konzert beginnt mit einigen geläufigen Hits. Laut singt das Publikum den Refrain bei Liedern wie „Flag“ oder „Come Let Go“ mit. Musik, die leicht zugänglich ist. Aber natürlich hat Xavier Rudd noch mehr zu bieten.

Im Laufe des Konzerts wechselt er immer wieder die Instrumente, spielt verschiedene Gitarren, greift mal zur Mundharmonika, dann wieder zum Didgeridoo. Dabei gehört dieses traditionelle Instrument der Aborigines zu seinen Spezialitäten. Wenn Xavier Rudd damit ganz vorne an der Bühne steht, mit der einen Hand das Holzrohr dicht an seinen Mund hält und mit der anderen dem Publikum zuwinkt, liefert er eine eindrucksvolle und unglaublich energiegeladene Show ab. Wer erst jetzt zum Konzert kommt und Rudds Silhouette im schnellen Strobolicht lediglich vermuten kann, könnte meinen, mitten auf einer Art Psy-Trance-Rave gelandet zu sein, nur eben live und unplugged.

Wiederum später klingt das Konzert eher nach Heavy Metal, mit einem Schlagzeugsolo, das seines Gleichen sucht. Aber so abwechslungsreich das Konzert auch ist, der fröhliche Feel-Good-Reggaecharakter Xavier Rudds bleibt irgendwo stets erhalten und bringt das Sommergefühl von draußen mitten hinein ins Werk 2.

Musik mit (ein bisschen) Gehalt

Xavier Rudd ist nicht nur Musiker, sondern weiß auch, sich entsprechend auf der Bühne zu inszenieren. Lange, blonde Haare, Bart, Latzhose. Im hinteren Stage-Bereich hängt die Flagge der Aborigines. Dazu seine Texte, die oft von Frieden, Naturschutz und Gleichberechtigung handeln. Ein Gesamtkonzept, das in sich stimmig ist.

Gelegentlich trägt er dabei aber zu dick auf. Gerade in den Momenten zwischendurch, in denen er politische Parolen kontextlos in die Menge wirft, wirkt Xavier Rudds Programm beinahe etwas kitschig. Wenn er dann das Publikum beim Song „Breeze“ dazu auffordert, den Refrain mitzusingen („...sing for Germany, sing for Africa, for the Great Barrier Reef...“), wünscht man sich als Zuhörer doch etwas mehr Differenziertheit.

Letztlich kann man Xavier Rudd seine etwas naive Romantik aber leicht verzeihen. Schließlich geht es hier heute nicht um Politik und dergleichen, sondern um gute Musik. Und gute Musik machen kann er zweifelsohne. Vielleicht gehört es außerdem zu einem ordentlichen Reggae-Konzert dazu, einfach mal den Kopf abzuschalten und tanzend vom Weltfrieden zu träumen.

Was am Ende bleibt

Als das Konzert schließlich vorbei zu sein scheint und sich die Band verabschiedet, tobt der Saal. Freudiger Applaus erfüllt den Raum, so lange, bis Rudd sich endlich zu einer Zugabe bewegen lässt und erneut die Bühne betritt. Dieses Mal jedoch komplett alleine, nur mit seiner Gitarre gerüstet. Er setzt sich auf den Stuhl in der Mitte der Bühne, Spotlight auf ihn. Er beginnt, seinen letzten Song zu spielen: „Spirit Bird“. Wie hätte es anders sein können?

Das Publikum reagiert zunächst mit weiterem Klatschen, dann aber lauschen alle diesem so besonderen Lied. Die Gesangsbegleitung, in der Studioversion von „Spirit Bird“ eigentlich ein Kinderchor, übernimmt heute die Menge. Und so endet der Abend irgendwie gemeinsam. Als es dann endgültig vorbei ist und Xavier Rudd seine Hand zum letzten Mal seinen Fans entgegenstreckt, scheint jeder in Hochstimmung zu sein.

Die Lichter gehen an, die Leute verlassen den Saal. Auch ich gehe hinaus. Mittlerweile ist es dunkel draußen, trotzdem jedoch außergewöhnlich warm. Ich bin etwas aufgekratzt, gleichzeitig etwas müde, und ich freue mich, dass ich heute Abend eben nicht an den See gefahren bin, sondern dieses wunderbare Konzert genießen durfte, mit all den verschiedenen Eindrücken und den vielen, vielen Highlights. Es war bisher das erste Konzert, das Xavier Rudd in Leipzig gegeben hat. Man kann nur hoffen, dass viele weitere folgen werden.

 

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Jakob Vogel
23.07.2017 - 15:47
  Kultur