Oper: Herzog Blaubarts Burg / Pagliacci

Zwei Geschichten, ein Schicksal

Was zu machen ist, um viele Besucher für das Theater zu werben? Einfach zwei komplett unterschiedlich inszenierte Stücke an einem Abend aufführen! Genau das macht die Oper Leipzig mit dem Doppelabend von "Herzog Blaubarts Burg" und "Pagliacci".
"Pagliacci" in der Oper Leipzig
"Pagliacci": Endszene

Letzten Samstag konnte man in der Oper Leipzig an einem Doppelabend gleich zwei Stücke besuchen. In der ersten Oper „Herzog Blaubarts Burg“ geht es um den gleichnamigen Protagonisten Blaubart, welcher mit seinem Innersten zu kämpfen hat. Die schöne Judith soll seine düstere Burg erhellen, indem sie dort sieben Türen öffnet. Hinter diesen verbergen sich Blaubarts schreckliche Geheimnisse. Es entsteht ein Konflikt zwischen Blaubarts sehnlichstem Wunsch nach Liebe und dem Abscheulichen in ihm.  

Etwas für die Ohren

Philipp J. Neumann inszeniert minimalistisch und abstrakt. Die Burg ist ein grüner Hügel und jede von Judith geöffnete Tür wird durch einen herabhängenden Ventilator dargestellt. Dem Zuschauer wird dadurch viel Spielraum für eigene Interpretation gelassen, was aber nicht wirklich gut funktioniert. Lichttechnisch bringen die Ventilatoren jedoch eine gewisse Dynamik in das Stück. Das durchdringende Licht wird durch sie gebrochen und sorgt für interessante Schatteneffekte.
Was die visuelle Inszenierung darüber hinaus nicht schafft, wird durch die Musik wieder rausgeholt. Béla Bartóks Kompositionen sind zwar düster, aber auch wahnsinnig mitreißend. 

Sowohl der Darsteller Blaubarts, gespielt von Tuomas Pursio, als auch die Musik überzeugen. Um der Handlung von "Herzog Blaubarts Burg" besser folgen zu können, sollte man sich vorher allerdings mit dem Inhalt vertraut machen.

Ehebruch mit Folgen

Nach einer Pause beginnt das zweite Stück „Pagliacci“. In dem Drama geht es um ein umherziehendes Theaterensemble. Im Mittelpunkt steht der Ehebruch von Nedda, der Frau des Theaterdirektors Canio. Als er davon erfährt, ist er tief bestürzt. Am Abend führt das Theaterensemble ebenfalls eine Ehebruchszene auf. In der Ähnlichkeit zu den vorherigen Ereignissen, gerät Canio in eine Art Wahn und kann nicht mehr unterscheiden zwischen Realität und Theater.
Auch in "Pagliacci" ist das Bühnenbild einfach gehalten. Im Gegensatz zu „Herzog Blaubarts Burg“ aber weniger abstrakt. Das Publikum muss sich so nicht alles selbst erschließen und kann sich auf das Bühnengeschehen konzentrieren. Bei den Kostümen bemerkt man das Auge fürs Detail. Alles wirkt sehr harmonisch und farblich perfekt abgestimmt.

Trotz der dramatischen Handlung, herrscht eine stets fröhliche Stimmung auf der Bühne. Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast, der gekonnt umgesetzt wird.

Im Schicksal vereint

"Pagliacci" und "Herzog Blaubarts Burg" sind sehr unterschiedlich. Beide verbindet jedoch das Schicksal der Protagonisten. Sowohl Blaubart als auch Canio müssen erkennen, dass der bloße Wunsch nach Liebe ihre Probleme nicht lösen kann. Wegen dieser Verbindung entsteht ein einheitlicher Rahmen um den Abend. 

Durch das insgesamt sehr gelungene Drama „Pagliacci“ an zweiter Stelle bleibt ein mitreißender Abend in Erinnerung, ohne bitteren Nachgeschmack.

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Die Rezension von Nina Knopp über den Doppelabend der Oper Leipzig
Herzog Blaubarts Burg/ Pagliacci

 

 

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Nina Knopp
16.04.2018 - 10:21
  Kultur

Herzog Blaubarts Burg

von Béla Bartók

Premiere am 07.04.2018

Inszenierung, Bühne: ​Philipp J. Neumann

Dramaturgie: ​Elisabeth Kühne

Musikalische Leitung: ​Christoph Gedschold

Besetzung: Máté Gál, Tuomas Pursio, Karin Lovelius

Spieldauer: ​ca. 55 Minute

 

Pagliacci

von Ruggero Leoncavallo

Inszenierung: Anthony Pilavachi   

Dramaturgie: Johanna Mangold

Bühne, Kostüme: Tatjana Ivschina 

Musikalische Leitung: Christoph Gedschold

Besetzung: Eun Yee You, Alik Abdukayumov, Zoran Todorovich, Luca Grassi, Dan Karlström

Spieldauer: ca. 1 Stunde 45 Minuten

 

nächste Aufführungstermine: 21.04.2018, 09.06.2018