Rezension

Zum letzten Geleit?

Der Kanadier Leonard Cohen hat gerade sein 14. Album herausgebracht und schaut dem Tod mit einem Lächeln ins Auge.
Leonard Cohen
Leonard Cohen lässt sich vom Alter nicht unterkriegen

Schwarzer Hut, schwarzer Anzug, Stoppel-Bart und Zigarette in der Hand, aus einem Rahmen ins Weite schauend. So sieht man Leonard Cohen auf dem Cover seines 14. Studioalbums „You want it darker“. Er ist in die Jahre gekommen und dieses Album könnte sein letztes sein. Trotzdem, oder gerade deshalb, schaffen die 36 Minuten es, einen kraftvollen Eindruck zu hinterlassen.

Bewegtes Leben

Cohen blickt nicht nur musikalisch auf ein bewegtes Leben zurück. Aus einer jüdischen Familie stammend kommt er in Montreal zur Welt und widmet sich zunächst den geschriebenen Worten. Mit dem Wechsel von der Lyrik zur Folk-Musik schafft er in den 70er Jahren den Durchbruch. Vor allem Songs wie das oft gecoverte "Hallelujah" oder "Suzanne" machen den Mann mit der Reibeisenstimme und den religiösen, tiefgründigen Texten berühmt. Das von seinem Sohn produzierte neue Album „You Want It Darker“ wirkt wie ein musikalisches Testament.

Kirchenpredigt in neun Songs

Zeilen wie "I’m ready my lord I’m leaving the table“ machen beim ersten Hören deutlich, dass die Vergänglichkeit allgegenwärtig ist. Wie aus einem kürzlich erschienenen Artikel in der Zeitung The New Yorker hervorgeht, verschlechtere sich Cohens Gesundheit zunehmend. Eine Tour wird es nicht mehr geben. Und so wundert es nicht, dass nicht nur die Texte sehr düster klingen. Auch seine Stimme, die an die letzten Werke Johnny Cashs erinnert, wird in seiner ganzen Tiefe präsentiert. Im Gegensatz zu früheren Alben steht diese ohne allzu viel Hintergrundmusik als Sprechgesang im Raum. Begleitet wird sie diesmal lediglich durch Streicher, Klavier, Orgel oder einen männlichen Chor. Insgesamt wirkt das Album wie eine Kirchenpredigt in neun Songs. Der Kanadier spricht von seiner Kanzel über Abschied und Religion und lässt den Hörer nach dem wortkargen letzten Stück zurück mit den Worten:

I wish there was a treaty we could sign

It’s over now, the water and the wine

String Reprise/ Treaty

Einer für ein Hallelujah

Ist es nur ein Abschied aus der Musik oder auch aus dem Leben? Die Antwort auf die Frage kennt nur Cohen. Der zeichnet sich nicht nur durch schwarze Kleidung aus, sondern auch durch einen ebenso schwarzen Humor. Vor kurzem sagte er in einem Interview, er wolle mindestens 120 werden, und doch schrieb er seiner verstorbenen Freundin und Muse Marianne Ihlen im Juli, dass er ihr bald folgen werde. Egal wann der alte Mann mit der tiefen Stimme geht, sein musikalisches Vermächtnis ist mindestens ein ‚Hallelujah‘ wert.

 

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Leonard Cohen: You Want it Darker

Tracklist:

01 You Want It Darker*
02 Treaty
03 On the Level
04 Leaving the Table*
05 If I Didn’t Have Your Love
06 Traveling Light
07 It Seemed the Better Way
08 Steer Your Way
09 String Reprise/ Treaty