Das lange Interview mit Paul Maar

Zum Geburtstag gibt es Erdbeertorte

Fast alle kennen das kleine Wesen im Taucheranzug mit feuerrotem Haar und Wunschpunkten: das Sams. Im langen Interview sprechen wir mit seinem Erfinder Paul Maar und machen mit ihm eine Zeitreise zurück in seine eigene Kindheit.
Moderator Paul Materne mit Paul Maar auf der Buchmesse

Im vergangenen Jahr ist der Kinderbuchautor 80 Jahre alt geworden. 1968 erschien sein erstes Kinderbuch "Der tätowierte Hund". 50 Jahre später ist er immer noch als freier Autor und Illustrator tätig. Seine Kinderbücher haben mehrere Generationen durch ihre Kindheit begleitet.

Zweigeteilte Kindheit

Paul Maar wuchs während der Kriegs- und Nachkriegszeit auf. Da sein Geburtsort Schweinfurt bombardiert wurde, zog seine Stiefmutter mit ihm in ein kleines Dorf in Unterfranken zu den Stiefgroßeltern. Maar sagt, dort habe er den schönsten Teil seiner Kindheit verbracht. Von seinem Stiefgroßvater habe er viel über das Geschichtenerzählen gelernt. Nachdem der Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, zog die Familie wieder nach Schweinfurt. Die Beziehung zu seinem Vater war nicht leicht, denn dieser hielt nicht viel von der Lieblingsbeschäftigung seines Sohnes: dem Lesen.

Mein Vater hatte immer gute Argumente, die sich gegen das Lesen richteten.

Paul Maar

Zu Hause bei den Maars gab es kaum Kinderbücher. Deshalb lieh er sich welche im Amerikahaus aus und deponierte sie bei einem Freund, um dort heimlich zu lesen. Außerdem fand der junge Maar in der örtlichen Schule schlecht Anschluss. Schuld daran war unter anderem sein breiter fränkischer Dialekt.

In Franken spricht man alles weich. Den ersten Lacherfolg in der Klasse hatte ich, als ich sagte: Heute wird Geburtstag gefeiert und da gibt es bei uns Erbeerdorde.

Paul Maar

Das Sams

Die wohl bekannteste Figur von Paul Maar ist das Produkt von Experimenten mit Stift und Papier. Mehrere Entwürfe hat Maar gezeichnet, bis das Endergebnis stand. Dabei hat er Hilfe von seinen Kindern erhalten, die mit den meisten Entwürfen nicht zufrieden waren.

Ich wollte ein Wesen zeigen, was etwas Kindliches hat, was aber leicht verfremdet ist.

Paul Maar

Trotz seiner frechen Art und seines absurden Aussehens hat das Sams auch Gemeinsamkeiten mit seinem Erfinder: In den Reimen des Sams zeigt sich die dichterische und experimentierfreudige Ader des Schriftstellers. Allerdings nerve Maar die Tatsache, dass er vor allem auf diese eine Figur reduziert werde. 

Wo auch immer ich hinkomme, in die Schule, in die Buchhandlung, zu einer Lesung, ich werde vorgestellt: Hier kommt der Sams-Autor!

Paul Maar

Er habe auch noch andere Bücher geschrieben und die seien ihm genauso wichtig wie das Sams. Andererseits sei er auch dankbar für den Erfolg der Sams-Bücher, denn der beschere ihm einen guten Lebensunterhalt. Vergangenes Jahr ist das neunte Sams Buch "Das Sams feiert Weihnachten" erschienen. Dieses Buch solle endgültig das letzte der Sams-Reihe sein.

Humor ist international

Durch seinen Beruf steht Paul Maar im ständigen Kontakt mit Kindern. Er beantwortet jeden Brief, den er von Kindern erhält, selber. Auch im Ausland sind seine Kinderbücher beliebt. So gibt es unter anderem russische, japanische und arabische Übersetzungen seiner Bücher. Bei Lesungen fällt Maar folgendes auf:

Auch chinesische Kinder, auch russische Kinder lachen erstaunlicherweise an den gleichen Stellen. Humor scheint international zu sein.

Paul Maar

Alle Kinder und auch Erwachsene, die begeistert seine Bücher lesen, können sich freuen: In Rente gehen möchte Paul Maar noch lange nicht. Kinderbücher zu schreiben mache ihm zu viel Spaß.

Das ganze Interview mit Paul Maar können Sie hier nachhören:

mephisto 97.6 Moderator Paul Materne im gespräch mit Kinderbuch-Autor Paul Maar

Redaktion: Annika Sparenborg, Helena Engelbert

2003 M19 mit Paul Maar

 

 

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Helena Engelbert
21.03.2018 - 19:44
  Kultur