Auktionen in den USA

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten...

Teils als Freizeitbeschäftigung, teils als wirtschaftliche Notwendigkeit: Auktionen sind in den USA sehr beliebt. Für Nichtmuttersprachler ist der schnelle Singsang der Auktionatoren kaum zu verstehen. Der Spaß kommt aber beim ersten Schnäppchen.
Beim Stöbern findet sich so manches Schnäppchen.
Der Hausstand des Ehepaares wird versteigert.

mephisto 97.6 Redakteurin Lauren Ramoser war für uns bei einer Auktion dabei:

Ein Beitrag von Lauren Ramoser.
Ein Beitrag von Lauren Ramoser.

Die Stimme der Auktionatorin hallt über das Privatgelände in der Nähe von Coolville, Ohio. Rund 300 Interessierte schlendern zwischen den Kisten, Möbeln und Traktoren umher. Auktionen wie diese boomen in den ländlichen Gegenden der USA, denn sie vereinen die Dorfgemeinschaften. Viele Häuser liegen abgelegen und fußläufig ist kaum etwas zu erreichen.

Die Auktionen sind daher eine gute Freizeitbeschäftigung. Im Fokus steht natürlich dennoch die Jagd nach einem Schnäppchen. Alle Angebote gehen an die Höchstbietenden, zuvor gibt es aber um die meisten präsentierten Gegenstände einen hitzigen Bieterkampf.

... Verkauft!

Alle Interessierten erhalten zu Beginn eine Nummer von Wanda Sheridan, Leiterin der Auktion. Mit dieser Nummer kann geboten und später auch bezahlt werden. Viele der Bieterinnen und Bieter kennt Sheridan schon seit Jahrzehnten.

„Wir haben unsere VIPs, das sind ungefähr 140 Leute, die ihre festen Nummern haben. Und viele davon sehen wir seit 40 Jahren auf unseren Auktionen“, erzählt die Auktionsleiterin. Das Familienunternehmen finanziert sich durch einen Prozentsatz, den die Auftraggebenden vom Umsatz bezahlen müssen. Dafür stellt Sheridan die Infrastruktur und die Arbeitskräfte zur Verfügung.

Wir erstellen eine Inventurliste und stellen die Bilder auf unsere Website. Zwei Tage vor der Auktion hatten wir schon mehr als 15.000 Klicks. Das ist also sehr beliebt!

Wanda Sheridan, Shamrock Auction Services

Das Konzept der fahrenden Auktionen funktioniert in der schwach besiedelten Region besonders gut und ist wirtschaftlich wichtig. „Die Werkzeige hier unten kosten im Laden 400$ und ich bekomme sie heute vielleicht für 50$,“ erzählt Sam, ein Handwerker aus einem Nachbarort.

So wie der 50-Jährige sind viele auf der Suche nach Besonderheiten oder besonders günstigen Alltagsgegenständen. An diesem Samstag sind vor allem die Werkzeuge und die beiden alten Traktoren beliebt.

Ein Leben wird versteigert

Über das Gelände schlendert auch Orley Vori. Auf seinen Krückstock gestützt hält er hin und wieder auf einen Plausch an und winkt seiner Frau, die auf einem Klappstuhl in der ersten Reihe vor der Auktionatorin sitzt. „Ich komme seit etlichen Jahren zu den Auktionen. Das ist das große Hobby von mir und meiner Frau“, erzählt Vori.

Für die Familie, der dieses Grundstück gehört, ist es nicht leicht der Versteigerung zuzusehen. Viele Gegenstände sind schon seit Jahrzehnten im Familienbesitz, doch die Elterngeneration muss in ein betreutes Wohnen umziehen und sich daher verkleinern. Auch Orley Vori kennt das Gefühl, wenn Fremde auf die eigenen Dinge versteigern.

Im September hatte ich eine Auktion bei mir. Ich bin krank geworden und musste mich von vielen meiner Sachen trennen. Daher kann ich gut nachvollziehen, wie es der Familie hier ergeht.

Orley Vori, Bieter

Am Ende dieses Tages werden alle ausgestellten Gegenstände versteigert sein, das sei immer so, sagt Wanda Sheridan. In Südost Ohio werden aber nicht nur Privatbesitze versteigert, sondern auch Obst und Gemüse oder ganze Häuser und Grundstücke. Mit den ersten warmen Tagen Ende April und Anfang Mai beginnt die Auktionssaison und reicht dann bis Ende Oktober.

 

 

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