CD der Woche

Zukunftsmusik aus Baltimore

Nachdem "Future Islands" im letzten Jahr ihr zehnjähriges Bandjubiläum feiern konnten, steht nun ihr neues Album in den gut sortieren Plattenläden. Kann dieses an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen?
Die Band Future Islands liefert mit ihrem neuen Album "The Far Field" unsere CD der Woche.

In der Zeit stecken geblieben und ihrer Zeit doch ein Stück voraus – das sind Future Islands. Seit 2006 macht das US-amerikanische Trio aus Baltimore zusammen Synthie-Pop. Angefangen hat die Band um Samuel Herring aber schon etwas eher. Kennengelernt haben sich die Mitglieder nämlich schon während ihres Studiums. Weil das den Jungs doch viel Freizeit bot, haben sie 2003 ihre erste Band, damals noch fünfköpfig, gegründet. Sie nannten sich Art Lord & the Self-Portraits, hielten es aber gerade mal zwei Jahre miteinander aus.Der Rückschlag war aber schnell überstanden und Future Islands wurden aus dem Boden gestampft, die aber erst vor drei Jahren ihren Underground-Status gegen einen höheren Bekanntheitsgrad eintauschten.

Alles Dank eines Mannes

Als die Band 2014 bei David Letterman auftraten, spielten sie nicht nur einen starken Song. Sänger Samuel zog vor allem durch seine exzentrische Bühnenpräsenz die Aufmerksamkeit auf sich. Mit dem Auftritt bei einer der bekanntesten Latenight-Shows Amerikas und dem kurz darauf veröffentlichten vierten Studioalbum „Singles“ kam für Future Islands der endgültige Durchbruch und der Aufbruch in neue Mainstream-Gewässer. Gut für die Band, die nach der Produktion von „Singles“ komplett pleite war.

Es war einmal im Golden State...

Die Produktion der neuen Platte lief im Gegensatz dazu entspannt ab. Im Januar vergangenen Jahres verzog sich das Trio fast ein gesamtes Jahr, um an Songs zu arbeiten, die sie später unter falschem Namen in kleinen Clubs zum Besten gaben. Im November ging es dann in das berühmt berüchtigte Sunset Sound Recorders Studio in Los Angeles, in dem auch schon Prince zum Aufnehmen stand. Herausgekommen ist dabei „The Far Field“ – Future Islands fünftes Album und ihr stärkstes, wenn man der Band Glauben schenkt.

12 neue Songs

Dabei knüpfen sie zwar an den Vorgänger "Singles" an, wagen sich aber auch an ein paar Veränderungen. Beispielsweise wurden die Drums zum ersten Mal live eingespielt. Dem Schlagzeug kommt eine wichtige Bedeutung zu. Schnelle Songs wie „Time On Her Side“, „Ran“ oder „Day Glow Fire“ sind rhythmisch und streben nach vorn, was nicht zuletzt den Drums zu verdanken ist. Future Islands haben auch an ihrem Sound gefeilt. Der klingt in Songs wie „Aladdin“ dank Streicherarrangements beeindruckender.

Synthesizer am Start

Neben den Streichern kommen auch wieder reichlich Synthies zum Einsatz, die in Songs wie „North Star“ und der aktuellen Single „Caves“ an die Musik erinnern, zu denen meine Eltern in den 80ern die Hüfte geschwungen haben. Und wo wir einmal dabei sind, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen: Future Islands haben auf „The Far Field“ mit der Sängerin von Blondie zusammengearbeitet, die Ende der 70er ihre größten Erfolge feierten. In dem Duett „Shadows“ treffen zwei nicht alltägliche Stimmen aufeinander und vereinigen sich zu einem der ruhigsten Songs des Albums.

 

 

Future Islands setzen sich mit ihrem neuen Album vor allem mit dem Reisen und der Sehnsucht auseinander. In Songs wie "Time On Her Side“ oder „Shadows“ geht es darum, dass selbst Herzschmerz eine besondere Kraft innewohnt. Gleichermaßen thematisieren die Jungs aus Baltimore die Suche nach der Liebe und die dahinterstehende Antriebskraft. So zum Beispiel in der ersten Singleauskopplung „Ran“.

On these roads
Out of love, so it goes
How it feels when we fall, when we fold
​How we lose control, on these roads
How it sings as it goes
Flight of field, driving snow
Knows the cold
Ran round the wailing world

 

Inspiraion für ihre Songs finden Future Islands oft in ihrem Freundeskreis. Oft aber auch in ihrer Fanbase. Textlich driftet die Band an manchen Stellen in eine kitschige Richtung und auch die Melodien erinnern manchmal an die Schunkelmelodien im Musikantenstadl.
Nichtsdestotrotz haben Future Islands mit "The Far Field" eine hörenswerte Platte veröffentlicht. Wer auf Zeilen à la “Was würde ich nur ohne dich tun?” hinwegsehen kann und gern mal den Romantiker in sich rauslässt, wird mit einer Stimme, die man nicht jeden Tag zu Ohren bekommt, und einem mehr als tanzbarem Synthie-Sound belohnt.

 

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Lucie Herrmann
10.04.2017 - 13:22
  Kultur

Future Islands: The Far Field

Tracklist:

1. Aladdin
2. Time On Her Side*
3. Ran*
4. Beauty Of The Road*
5. Cave*
6. Through The Roses
7. North Star*
8. Ancient Water*
9. Candles
10. Day Glow Fire
11. Shadows*
12. Black Rose

*Anspieltipps

 

Erscheinungsdatum: 10.04.2017
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