Sorbische Kultur

Zu wenig Sorbisch-Lehrer in Sachsen

Sorbischsprachige Lehrer sind Mangelware, vor allem an den Schulen in Sachsen und Brandenburg. Die Wissenschaftsministerinnen der beiden Länder sind sich einig: Es muss etwas getan werden, um die sorbische Sprache und Schulbildung zu sichern.
Eduard Werner, Eva-Maria Stange, Martina Manch und ein Mitarbeiter bei der Besichtigung des Instituts für Sorabistik
Eduard Werner, Eva-Maria Stange, Martina Münch und ein Mitarbeiter bei der Besichtigung des Instituts für Sorabistik

In Deutschland leben circa 60.000 Sorben, deshalb erhalten etwa 20.000 bis 40.000 Kinder in deutschen Schulen Unterricht auf sorbisch und lernen Ober- und Niedersorbisch als Fremdsprache. Allerdings gehen den Schulen die Lehrer langsam aus: Sie werden älter, scheiden aus dem Dienst aus und immer weniger Sorbischlehrer rücken nach. Bis 2030 werden circa 100 Lehrstellen frei, aktuell studieren aber nur 30 Menschen Sorbisch auf Lehramt. Das könnte vor allem für Sachsen und Brandenburg zum Problem werden, denn hier gibt es sehr viele sorbisch sprechende Schüler. Die Wissenschaftsministerinnen dieser zwei Bundesländer, Eva-Maria Stange und Martina Münch, haben heute das deutschlandweit einzige Institut für Sorabistik in Leipzig besucht und sich über den Stand der Lehramtsausbildung für sorbischsprachige Lehrer und die Möglichkeiten des Erhalts der sorbischen Sprache informiert.

Was ist das Institut für Sorabistik eigentlich?

Das Sorabistik Institut in Leipzig ist das Einzige deutschlandweit. Obwohl das Fach sehr selten ist, werden die Absolventen des Sorabistik-Lehramt-Studiums sehr dringend gebraucht, vor allem in Sachsen und Brandenburg. Im Institut für Sorabistik werden Studierende vor allem in den Sprachen Ober- und Niedersorbisch ausgebildet, um in Grund- und Mittelschulen oder Gymnasien das Fach lehren zu können. Außerdem können sich die Absolventen des Studiengangs  der wissenschaftlichen Forschung in den Bereichen Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft der Sorabistik widmen.

Was muss in Zukunft passieren?

Die Wissenschaftsministerinnen einigten sich darauf, dass die beiden Brandenburg und Sachsen besser zusammenarbeiten müssen, um den Bedarf an sorbischsprachigen Lehrern abzudecken und den Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur gewährleisten zu können. Der Studiengang soll bekannter werden – nicht nur in Brandenburg und Sachsen, sondern auch außerhalb Deutschlands.

Wir müssen auch enger mit Schulen in Tschechien und Polen zusammenarbeiten und junge Leute von dort zu uns holen.

Eva-Maria Stange, sächsische Wisssenschaftsministerin

Um mehr Lehrkräfte zu generieren, werden zusätzlich Maßnahmen für Quereinsteiger geplant.

mephisto 97.6 Reporter David Straub war im Institut für Sorabistik und hat mehr Informationen zum Treffen der Wissenschaftsministerinnen: 

David Straub über die Vorhaben des Instituts für Sorabistik in Leipzig.
 

David Straub über die Vorhaben des Instituts für Sorabistik in Leipzig. 

 

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Die Sorben sind als nationale Minderheit anerkannt und haben kein autonomes Gebiet. Sie kamen während der Völkerwanderung im sechsten Jahrhundert ins heutige Deutschland und ließen sich im Gebiet zwischen Saale und Neiße nieder. Die Sorben leben in der Lausitz, in Sachsen leben die Obersorben, in Brandenburg die Niedersorben. Das Volk hat eine eigene Sprache und Kultur, die bis heute gepflegt wird. Ein Beispiel dafür ist der Roman Krabat, der auf einer sorbischen Sage basiert. Es gibt zwei geschriebene Sprachen, Ober- und Niedersorbisch, die sich leicht voneinander unterscheiden. 

Mehr Informationen über die Sorben in Sachsen gibt es hier.