Filmrezension: Wer hat eigentlich...?

Zu Deutsch, um Französisch zu sein

In "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" zieht es Charlotte ans Meer. Ihr geht es aber um mehr als nur ein bisschen Urlaub. Auf einer Insel an der Ostsee versucht sie wieder zu sich zu finden und hinterfragt ihre Lebensentscheidungen.
Wer hat eigentlcih die Liebe erfunden?
Endlich Frei - Charlotte (Corinna Harfouch).

Charlotte ist es leid. Ihre Ehe besteht nach 37 Jahren nur noch aus Routine und Missverständnissen. Sie fühlt sich nicht erfüllt, hat das Gefühl ihr Leben wäre nur an ihr vorbeigezogen. Also beschließt sie ihren Mann Paul an einer Autobahnraststätte zurückzulassen und ans Meer zu fahren. Auf dem Weg dorthin klettert plötzlich ihre Enkelin Jo aus dem Kofferraum hervor. Von nun bestreiten sie das Abenteuer gemeinsam.

Paul macht sich zusammen mit der gemeinsamen Tochter Alex auf die Suche nach seiner Frau. Auch Alex hat inzwischen gemerkt, dass ihre Tochter Jo abgehauen ist. Da Alex und ihr Vater zwangsläufig ohne Auto sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als mit einer Truckerin mitzufahren. Charlotte und Jo sind inzwischen am Meer angekommen. Dort kommen sie in der etwas heruntergekommenen „Pension Horster“ unter. Nach und nach trudeln alle Familienmitglieder am selben Ort ein. Charlotte und Raul müssen sich entscheiden: Reicht die gemeinsame Auszeit auf der Ostsee-Insel aus, um ihrer zerrütteten Ehe eine zweite Chance zu geben?

Geht das noch?

Eine Geschichte, die wahrscheinlich schon unzählige Male erzählt wurde: Eine Frau, die alles hinter sich lässt, um sich wiederzufinden. Ängste überwinden, im Leben etwas zu verpassen oder sich für den falschen Partner entschieden zu haben. Das ist nun mal ein Thema, mit dem sich viele in den Mittsechzigern identifizieren können. Durch Corinna Harfouchs schauspielerische Leistung wirkt Charlottes Charakter sehr authentisch. Sie überzeugt als unabhängige Frau, die vielleicht zum ersten Mal  an sich denkt und ihre Ehe in Frage stellt. Und sei es nur, dass sie, obwohl sie nicht schwimmen kann, sich endlich ins Meer traut. 

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht 

Wegen der agilen Kamera hat das Publikum das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Thema, Kamera und Schauspieler machen den Film sehr lebensnah. Nur die Beziehung zwischen Charlotte und Paul ist manchmal schwer nachzuvollziehen. Am Anfang ist es noch klar. Paul ist seiner Ehefrau zu zynisch und Langweilig geworden. Ihr Zerwürfnis und die anschließende Versöhnung geschehen sehr plötzlich. Als Zuschauer*in hat man Probleme, emotional da mitzugehen. 

Ein bisschen Tschick, ein bisschen Amélie

Hauptaugenmerk liegt auf der Sommerreise der Familie. Aufnahmen von Kornfeldern, Stränden - unterlegt von Wohlfühlmusik - sollen die Leichtigkeit eines Roadmovies erzeugen. Diese Szenen wirken aber häufig zu gewollt. Die Tragikomödie trägt einen Hauch von „Die fabelhafte Welt der Amelie“ in sich. Die Szenerie auf der Ostseeinsel weckt auf jeden Fall Fernweh. Zufrieden und leicht melancholisch gestimmt verlässt man den Kinosaal. „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ deckt alle Generationen ab. Trotz erzählerischer Schwächen bleibt es am Ende ein sehenswerter Familienfilm. 

 

Kommentieren

Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?

 

Regie: Kerstin Polte 

Kinostart: 03.05.2018

Laufzeit: 93 Minuten

FSK: 6

Cast: Corinna Harfouch, Karl Kranzkowski, Meret Becker und andere