Protest für Bewegungsfreiheit

Zirkus ohne Grenzen

Jonglieren, Einrad fahren, Tanzen – politischer Protest kann vielfältig sein, das zeigt der „Marsch für Bewegungsfreiheit.“ Seit einer Woche ist das Bündnis „Libereco de Movado“ jetzt unterwegs und demonstriert für Bewegungsfreiheit.
Das Bündnis „Libereco de Movado“ will mit verschiedenen Protestaktionen auf die aktuelle Grenzpolitik aufmerksam machen.

Egal ob nun der Civil March for Aleppo oder der Women's March on Washington – es gibt viele aktuelle Beispiele dafür, dass der Marsch als Protestform immer beliebter wird. Auch hier bei uns ist das zu spüren: Der Marsch für Bewegungsfreiheit war in Leipzig unterwegs.

mephisto 97.6 Redakteurin Angela Fischer war dabei:

Ein Beitrag von Angela Fischer.
Ein Beitrag von Angela Fischer.

Von Dresden bis nach Tunis

Das ist der Plan. Die Gruppe will über mehrere Monate bis nach Tunesien laufen. Am Wochenende sind sie in Dresden gestartet. Jetzt geht es erst einmal zwei Wochen durch Sachsen. Weitere Stationen sind Frankreich, Portugal und Marokko. So will die Gruppe ein Zeichen für offene Grenzen und Bewegungsfreiheit setzen.

Man hat sich ja nicht ausgesucht, wo man geboren wurde. Ob man weiß oder schwarz ist, ob man ein Mann oder eine Frau ist, ob man diese oder jene Nationalität hat und die Grenzen, die verschieben sich ja sowieso die ganze Zeit.

Kristina Reed, Initiatorin des Marsches

Dem Marsch schließen sich auf der Reise immer wieder neue Menschen an, viele laufen auch nur für eine kurze Zeit mit. Den festen Kern bilden acht Leute. Mit ihnen hat sich Kristina schon im Dezember getroffen, um ihre Idee anzugehen. Sie fordern freie Visa für alle. Außerdem wollen sie, dass Bewegungsfreiheit ein Menschenrecht wird. Die Bewegungsfreiheit bedeutet für sie:

Diese Botschaft soll möglichst viele Menschen erreichen. Deshalb auch der Marsch, erklärt Kristina.

Eine Demo, ein Tag erreicht halt nur eine gewisse Menge an Menschen in einem Ort, und indem wir einen Marsch machen, können sich Leute zu jeder Zeit anknüpfen. Das heißt, wenn jemand erst in zwei Wochen Ferien hat, kann er dann mitlaufen oder in einem Monat.

Kristina Reed

Marsch auf dem Vormarsch

Genau das macht den Marsch als Protestform so attraktiv. Protestforscher sprechen sogar von einer Konjunktur des Marsches. Er funktioniere oft besser als eine klassische Demo. Das sagt auch Leslie Gauditz vom Bremer Institut für Protest- und Bewegungsforschung.

Das ist eine Gegentaktik im Prinzip gegen so klassische politische Märsche, die vielleicht sogar bedrohlich wirken können. Also es geht eigentlich darum zu zeigen, man ist friedliebend, man ist freundlich. Was sich als Taktik abzeichnet, ist der Versuch einer Umdeutung.

Leslie Gauditz, Uni Bremen & Institut für Protest- und Bewegungsforschung

Diese Umdeutung lässt sich auch beim Marsch für Bewegungsfreiheit beobachten. Die Gruppe versteht sich nicht als Protestbewegung, sondern als eine Art Zirkus ohne Grenzen.

 

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