Afrikanische Schweinepest

Wurstbrote als Seuchengefahr

Dänemark baut einen Zaun gegen sie, Bauern fordern ihre Jagt und die Wissenschaft entwickelt Pufferzonen. Die Rede ist von Wildschweinen, die den Erreger der Afrikanischen Schweinepest übertragen könnten. Die Seuche könnte auch Haustiere dahinraffen.
Niedlichkeit ist der Schweinepest egal -- diesem Tier im Wildpark Leipzig ist die Hitze egal.

Die Afrikanische Schweinepest hält Landwirtschaft und Forschung seit einigen Jahren in Atem. Die Tierseuche befällt vor allem Wildschweine, aber der Erreger kann auch auf Hausschweine überspringen. Das Friedrich-Löffler-Institut verzeichnet in diesem Jahr schon über 3000 Fälle in Europa und einen Impfstoff dagegen gibt es bisher nicht. Menschen können zwar nicht erkranken, könnten den Erreger aber übertragen, erklärt Hans-Hermann Thulke. Er erforscht am Leipziger Umweltzentrum, wie sich die Krankheit ausbreitet.

Das geht zum Beispiel mit der berühmten Wurstbrothypothese, wo also in einem befallenen Gebiet ein infiziertes Schwein unwissentlich zu einem Fleischprodukt verarbeitet wird, dass dann als Nahrungsmittel von einem Reisenden transportiert und irgendwo unachtsam entsorgt wird, so dass die am Zielort lebenden Schweine damit in Kontakt kommen und dass auch mit Vergnügen fressen und sich daran infizieren.

Hans-Hermann Thulke, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Mit dem Auto lege man schnell über 1000 zurück. Auch unhygienisches Arbeiten mit Schweinen oder Jagdtrophäen aus Osteuropa seien eine Übertragungsquelle. Tritt die Krankheit dann auf, muss schnell reagiert werden, erklärt Thulke.

Schnelle Reaktion ist entscheidend

Wenn die Afrikanische Schweinepest in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Gebiet aufgetreten ist, durch Zäune bauen die Bewegung von Wildschweinen ein klein wenig einschränken und damit die Weiterverbreitung unterdrücken. Und man kann natürlich auch durch die Reduktion der Bestände in unmittelbarer Nachbarschaft die Intensität der Ausbreitung und der Chancen verringern.

Hans-Hermann Thulke, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Diese Gefahrenzone sollten dann Tiere und Menschen nicht mehr passieren. Von Hausschweinen geht in der Situation keine große Gefahr aus. Sie werden meist in isolierten Ställen gehalten. Tritt die Afrikanische Schweinepest dennoch im Stall auf, müssten alle Tiere getötet werden. Im Umkreis von drei Kilometern wird außerdem ein Sperrbezirk eingerichtet. Wie es für einen Betrieb danach weitergeht, ist weniger klar, sagt Hans-Uwe Heilmann. Er ist Landwirt in Kitzen bei Leipzig. Der wirtschaftliche Schaden für den einzelnen Schweinehalter könne sogar dessen Existenz gefährden. Deswegen gibt es auch in seinem Betrieb entsprechende Sicherheitsvorkehrungen.

Die Tore sind bei uns alle verschlossen, es gibt eine ganz strikte Schwarz-Weiß Trennung. Jeder der eine Schweineanlage bei uns betreten will, muss sich ausziehen, duschen, wird hinter der Dusche von uns neu eingekleidet und darf dann erst die Anlage betreten, darf mindestens 72 Stunden vorher in keinem anderen Schweinestand gewesen sein.Hans-Uwe Heilmann, Agrarprodukte Kitzen e.G.

Gefährden Wildschweine die Schweine im Stall?

Seine größte Sorge ist aber, dass ein Wildschwein mit Afrikanischer Schweinepest in der Nähe seines Stalls gefunden wird. Hans-Uwe Heilmann befürchtet, dass dann alle Tiere innerhalb des Sperrbezirks gekeult werden müssten. Dem widerspricht Hans-Hermann Thulke vom Helmholzzentrum. Eine automatische Keulung in einem gefährdeten Gebiet ist nicht vorgeschrieben. Betroffen könnten dagegen kleinere Halter sein, deren Schweine nicht fest im Stall leben. Die könnten eben schneller in Kontakt mit Wildschweinen kommen. Thulke betont, dass jede und jeder gefragt sei, einer Ausbreitung der Erreger entgegenzuwirken.

Bei der Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest können wir alle etwas beitragen, indem wir aufmerksam gegenüber toten Wildschweinen sind. Wenn wir auf ein totes Wildschwein treffen, ist das unbedingt einer zuständigen Person zu melden, sei es ein Tierarzt, sei es die Polizei, zu melden. Die frühe Entdeckung ist unsere große Chance die Katastrophe abzuwehren. Nicht Anfassen, das wäre auch nicht ganz schlecht!

Hans-Hermann Thulke, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Die Wildschweine im Wildpark Leipzig seien übrigens nicht besonders gefährdet, sagt Hans-Hermann Thulke. Auch wenn hier Menschen und Wildschweine aufeinandertreffen, sei eher unwahrscheinlich, dass ein kontaminiertes Wurstbrot gegessen und weggeworfen würde.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Anton Walsch zur Afrikanischen Schweinepest.
2606_BmE_Afrikanische Schweinepest

 

 

 

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