Umweltproblem Eisen

"Wunderschön, aber giftig"

In vielen US-Bundesstaaten spült Quellwasser Eisen aus verlassenen Kohleminen in die Flüsse. Diese sind dadurch giftig für Mensch und Tier. In Ohio wird das Problem jetzt zu seiner eigenen Lösung.
Eisenschlamm setzt sich vom Wasser ab.
Das Eisen setzt sich als Schlamm am Grund des Flusses ab.

Wenn aus einem Abfallprodukt plötzlich die Lösung für das dadurch entstandene Umweltproblem wird, bekommt Nachhaltigkeit eine ganz neue Färbung. Im Nordosten der USA kämpfen viele Menschen mit verunreinigten Flüssen.

Es sieht wunderschön aus, aber es ist giftig. Der Fluss ist tot, da hier bei dem niedrigen pH-Wert auch kaum Tiere überleben können.

Michelle Shively, Wasser-Koordinatorin bei Rural Action

Durch den rund 100 Jahre zurückliegenden Kohleboom im sogenannten "Rustbelt" sind zahlreiche Flussläufe durch im Wasser gelöstes Eisen und andere Schwermetalle verunreinigt. Das Wasser selbst ist klar, am Boden des Gewässers setzt sich allerdings das Eisen in leuchtendem Orange ab. Und der pH-Wert liegt mit 4 deutlich unter einem für Mensch und die meisten Tiere toleranten Level.

In Corning, Ohio, einer 600-Seelen-Gemeinde, sprudelt Wasser aus einer verlassenen Kohlemine in einen Ausläufer des Sunday Creek.

Kaum vorstellbar, aber dieser Ausfluss wurde vor 40 Jahren von Menschenhand gebohrt. Man wollte damals den Unterdruck in der Mine ausgleichen. Das Problem wurde gelöst, aber dafür ist jetzt das Wasser nicht mehr nutzbar.

Michelle Shively, Wasser-Koordinatorin bei Rural Action

Shively steht Mitte Dezember 2017 in ihren Gummistiefeln knietief im Sunday Creek. In nur drei Tagen sollen die Bauarbeiten für drei große Tanks beginnen, die das Wasser aus der Mine abfangen, filtern und somit reinigen, noch bevor es in den Fluss läuft. Wenn alles klappt, entsteht genau hier die Lösung für eines der weitverbreitetsten Umweltprobleme im Südosten Ohios.

2401 Eisen Wasser

Wie kam es dazu?

Jahre zuvor tüftelt der Professor für Wassertechnik an der Ohio University, Dr. Guy Riefler, an einer Idee. Das Problem, auf Englisch Acid Mine Drainage genannt, ist ihm schon lange bekannt. Er organisiert eine Expedition und lädt dazu, neben anderen Ingenieuren und Umweltaktivisten, auch den renommierten Künstler John Sabraw ein.

Als wir an dem orangenen Fluss standen, hat Guy erzählt, dass es sich dabei um Eisenoxid handelt. Und ich dachte nur: Ich benutze doch Farbe auf Eisenbasis. Kann man hieraus auch Farbe machen? Das konnte mir keiner beantworten. 

John Sabraw, Künstler

Rückblickend war das die Verbindung, die dem Projekt den Durchbruch verschafft hat, denn seitdem arbeiten Umweltaktivisten, Wissenschaftler und Künstler zusammen. 

Entwicklung braucht Zeit

Über Jahre haben Riefler und der Masterstudent John Timmons an einem Verfahren getüftelt, das Eisen vom Wasser zu trennen und es anschließend in ein festes Pigment zu verwandeln. Durch Zugabe von Sauerstoff und einer Base ist das schließlich geschafft. Ein großes Problem war dadurch aber noch nicht gelöst.

Bisher müssen wir einmal in der Woche zu der Stelle nach Corning fahren, Eimer voll Wasser abschöpfen und dann damit wieder eine Dreiviertelstunde zurück ins Labor fahren.

John Timmons, Masterstudent für Wassertechnik

Sabraw und sein Team arbeiten parallel an der Vermarktung der Idee. Zumindest für die erste Filteranalge in Corning, Ohio, brauchen sie Geld von Sponsoren. Die Sugar Bush Foundation stellt schließlich die Finanzierung für das erste Jahr. Das Ziel ist, fast 100 Prozent des Wassers zu reinigen, bevor es in den Fluss läuft und dafür sind drei große Filtertanks und die entsprechende Ausrüstung nötig. 

Ende Dezember findet dann tatsächlich der erste Spatenstich für die Tanks statt. Zeitgleich trifft bei Sabraw die erste Lieferung ein. Aus dem im Labor gewonnenen Eisen hat der Farbhersteller Gamblin Artist Colours in Portland, Oregon, Ölfarbe hergestellt.

Ich war so aufgeregt! Nach all der Arbeit und dieser verrückten Idee haben wir tatsächlich eine richtige Farbe daraus gemacht.

John Sabraw, Künstler

Diese ersten 500 Farbtuben gehen noch nicht in den Verkauf, sondern sollen der Vermarktung dienen. Sabraw plant eine Wanderausstellung, die Bilder von anderen Künstlern zeigt, die mit der neuen Eisenfarbe gemalt werden. Neben Orange und einigen Rot- und Braunschattierungen ist beim Brennen des getrockneten Schlamms sogar ein dunkles Violett entstanden. 

Farbe soll Filteranlage finanzieren

Sollte sich der Verkauf der Farbe als Erfolg erweisen, haben die Forscher eine einzigartige Lösung für ein weitverbreitetes Problem gefunden. Ein nicht unerheblicher Aspekt des Projekts ist die Wirtschaftlichkeit für die Region.

Für die Menschen hier vor Ort ist die Kohle Identifikation und Tradition. Durch unsere Idee können wir diese enge Verbindung behalten und sie gleichzeitig auf eine neue Ebene heben.

Michelle Shively, Wasser-Koordinatorin bei Rural Action

Innerhalb der nächsten Monate soll die Farbe auf den Markt kommen. Ob die Idee auch in der Praxis funktioniert, wird sich dann zeigen. 

 

 

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