#Leipzig2030

Wohnheim der Zukunft?

Bars, alternative Geschäfte, Altbauten – so kennt man die Karli. Und dann gibt’s Gebäude, die da irgendwie rausfallen. Das moderne Appartmenthaus neben der HTWK zum Beispiel. Dahinter verbirgt sich ein neues Konzept für studentisches Wohnen.
Die Staytoo Appartments gibt es auf der Karli seit Herbst 2017.

mephisto 97.6 Reporterin Angela Fischer hat sich das mal aus der Nähe angesehen:

Ein Beitrag von Angela Fischer.
 

Wenn man in das Staytoo Gebäude reinkommt, dröhnt einem sofort hippe Musik entgegen. Der Eingangsbereich erinnert an eine moderne Hotellobby. Große Lampen, kahle Wände, rote und beige Farbtöne - das Design schreit förmlich nach Innovation. Und das passt auch zum Konzept.

Rundum-sorglos-Paket

Die Mieter*in zahlt eine Summe X und bekommt dafür eine All-In-Flat, wo neben der Miete auch Gas, Wasser, Strom und Internet beinhaltet sind. 

Das heißt, er hat gefühlt das Rundum-sorglos-Paket, wo er dann einfach nur kommt und mit seinem Köfferchen einziehen kann. Die Zimmer sind voll möbliert und man muss sich um nichts Weiteres kümmern.

Tim Sperrling, Objektverwalter 

Diese All-In-Miete soll alles umfassen, was man zum Wohnen braucht. Das soll vor allem für Studierende attraktiv sein. Denn an die richtet sich das Angebot von Staytoo. Auf der Website heißt es: Staytoo will auf die Wohnungsnot reagieren und für Studierende Wohnraum schaffen, der attraktiv und erschwinglich ist. Doch welcher Studierender kann sich eine Miete von 629 Euro für eine 26-Quadratmeter-Wohnung leisten? Objektverwalter Tim Sperrling zufolge ist das gar nicht so leicht zu beurteilen. 

Wir haben auch Leute, die nicht unbedingt auf den ersten Blick wohlkonstituiert sind. Und dementsprechend haben wir einen absoluten Querschnitt der Gesellschaft - von den Kindern, die vielleicht aus einer Arzt- und Anwaltsfamilie oder Pilotenfamilie kommen, bis hin zu normalen Arbeitnehmerverhältnissen. Wir sind letzten Endes offen für alle. 

Tim Sperrling, Objektverwalter 

Eines von 111 Zimmern

Tim Sperrling und die Unternehmensgruppe MPC Capital haben Staytoo mittlerweile in vier deutsche Städte gebracht. Nürnberg, Kaiserslautern, Bonn und seit Herbst 2017 auch Leipzig. 111 Zimmer vermieten sie an der Karli, knapp die Hälfte davon ist belegt. In einem dieser Zimmer wohnt Johannes Müller. Der 19-Jährige ist Informatikstudent und zahlt 450 Euro für 20 Quadratmeter. In diesem Preis ist aber mehr inbegriffen als nur das eigene Zimmer. Es gibt auch einen Gemeinschaftsbereich, wo sich die Mietende zum gemeinsamen lernen oder abhängen treffen können. Johannes gefällt das, er fühlt sich wohl bei Staytoo.   

Das Einzige, was bisschen schwierig ist, aber dafür können sie hier nichts, das ist diese extreme linke Gewalt gegen dieses Gebäude, weil die immer noch denken, dass Connewitz angeblich dreckig bleiben muss.

 

Johannes, Student

"Gentrix fickt euch!"

Gewalt gegen das Staytoo-Gebäude gab es zuletzt kurz vor Neujahr. Damals haben Unbekannte versucht, die Fensterscheiben einzuschlagen. 

Das Appartmenthaus ist immer wieder Zielscheibe von Gewalt.
 

Der Schaden ist immer noch für jeden sichtbar. Genauso wie die beschmierte Häuserfassade. "Gentrix fickt euch" steht da in roter Schrift geschrieben. Das Staytoo-Gebäude ist für viele ein Symptom für die voranschreitende Gentrifizierung in Connewitz. In einem Bekennerschreiben heißt es, Staytoo führe zur "Wohnraumverknappung für einkommensschwache Schichten". Tim Sperrling war sich der Gefahr solcher Kritik von Anfang an bewusst.

Wir wollen gerne Teil des Kiezes sein. Wir wollen den Kiez nicht verändern. Es ist aber so: Alles, was neu ist, wirft natürlich Fragen auf. Und das ist in der menschlichen Natur oftmals damit verbunden, dass man erstmal eine gesunde Abneigung dem Neuen gegenüber entwickelt.

Tim Sperrling, Objektverwalter

Deshalb sei es wichtig Aufklärungsarbeit zu leisten. So wolle sich Staytoo mit verschiedenen Vereinen in Connewitz austauschen. Ob das reicht, um die Connewitzer Szene zu überzeugen, wird sich zeigen müssen.

 

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