Digitalpakt

Wohin mit den Millionen?

Jahrelang haben Bund und Länder miteinander gestritten - nun wurde der Digitalpakt abgesegnet. Die rund 40.000 Schulen in Deutschland können auf schnelles Internet und moderne Technik hoffen. Doch wofür sollte das Geld in Leipzig eingesetzt werden?
Die Digitalisierung ist bereits in vielen Schulen erkennbar
Die Digitalisierung ist bereits in vielen Schulen erkennbar

WLAN-Netze, interaktive Whiteboards und Tablets - für die meisten Schulen sind solche Anschaffungen bislang kaum bezahlbar. Doch auch Sachsen soll etwa 250 Millionen Euro vom Bund für die Digitalisierung der Schulen bekommen und das erste Geld soll noch dieses Jahr fließen. Wie der plötzliche Geldregen nun in den Schulen umgesetzt werden soll, wollten wir von Rainer Müller, dem Vize-Vorsitzenden des StadtElternRats Leipzig wissen.

Das Interview zum Nachhören findet ihr hier:

Moderatorin Sophie Rauch im Gespräch mit Rainer Müller, Vize-Vorsitzender des StadtElternRats Leipzig
 

mephisto 97.6: Wie ist denn aktuell die Situation in Leipzig und wie „smart“ sind Leipzigs Schulen?

Rainer Müller: Nicht besonders smart. Es gibt interaktive Tafeln, es gibt einzelne Schulen, die sich selbst auch Laptops zugelegt haben. Aber das war es auch eigentlich schon. Es hapert an vielen Schulen sogar am Taschenrechner und deswegen ist das mit dem Digitalpakt so eine Sache.

Wie schwer war das denn an Fördergelder zu kommen, wenn hier eigenständig Technik besorgt wurde?
Da gab es verschieden Fördertöpfe vom Land, wo man das bislang beantragen konnte und das war schon recht schwierig. Manche Schulen haben da fünf, sechs oder sieben Jahre Anträge gestellt, bis sie dann irgendwann mal ein paar interaktive Tafeln bekommen haben. Wenn die Schule laut genug war, dann gab es vielleicht auch mehr und es ging auch schneller. Aber aus Sicht der Eltern war das immer eine Einzelfallfrage, wie sehr die Schule hinterher war und wie sehr die Schule das auch wirklich wollte.

Aber prinzipiell sind wir natürlich froh, dass es jetzt diesen Digitalpakt gibt. Dass der Bund fünf Milliarden Euro für die Kinder und deren Bildung bezuschusst, das ist erstmal sehr lobenswert. Was es dann auf jeden Fall schwierig macht, ist auch hier wieder die Beantragung. Denn das wird dann ja über das Land laufen und jede Kommune muss selbst diesen Antrag stellen. Das heißt, jede Kommune muss selber erstmal schauen, wie gehen wir damit um. Es gibt also keinen Fahrplan, wo man sagt: "Pass auf, hier ist das Formular, schreib rein, was du brauchst."

Stattdessen muss jeder erstmal selbst für sich diesen Fahrplan entwickeln. Und da kommt es auch wieder drauf an, wie stark die Verwaltung ist, wie schnell die Verwaltung ist, wie sieht das hier in Leipzig auch der Stadtrat, dass die sagen: "Jawohl, wir wollen das Geld. Wie können wir es kriegen und wie wollen wir es einsetzen?" Das ist aber auf jeden Fall noch ein weiter Weg.

Das Land Sachsen hat jetzt angekündigt, das vor allem die IT-Infrastruktur verbessert wird. Sehen Sie da jetzt auch ein Defizit oder sollte man da eher woanders ansetzen?

Defizite gibt es überall und irgendwo muss man anfangen. Man kann jetzt nicht sagen, wir machen diesen Ausbau nicht, weil die Lehrer noch nicht fortgebildet sind. Da könnte man auch sagen, warum sollte man die Lehrer fortbilden, wenn die Infrastruktur noch nicht steht. Es ist gut, dass angefangen wird. Es ist ein erster Schritt, aber vor uns liegt noch ein sehr langer Weg. 

Hat der StadtElternRat denn eine Vorstellung, wo zuerst angesetzt werden sollte?

Also wenn man es schnell umsetzen will, muss es parallel laufen. Das heißt Lehrer sollten anfangs schrittweise weitergebildet werden und es bräuchte zusätzliches Personal in den Schulen, beispielsweise Techniker. Bislang ist es ja so, dass sich ein Lehrer um die ganzen technischen Belange kümmert. Wenn jetzt aber noch zusätzliche Technik hinzukommt, dann muss er sich entscheiden, ob er nun Techniker oder Lehrer sein will. Denn nebenbei sich um die Technik kümmern, das wird dann kaum noch gehen. Da muss also auch die Stadt nachsteuern und eben einen Informatiker zur Seite stellen, der sich dann drum kümmert. 

Nun soll der Digitalpakt das alles ja richten. Haben Sie denn die Hoffnung, dass sich das auch alles schnell ändern wird?

Wir hoffen, dass das schnell umgesetzt wird. Von der Stadt gibt es da schon gute Signale. Also die meisten Stadräte sind da schon auf einem guten Weg oder befürworten das. Jetzt ist nur die Frage: Wie schnell ist auch die Verwaltung dabei, das umzusetzen? Wie schnell werden die Mittel verteilt und dann kommen wir wieder zur Ausgangsfrage: Wie schnell ist die Infrastruktur ausgebaut und wie schnell sind die Lehrer weitergebildet? Wie schnell ist die Technik vor Ort und wie schnell funktioniert sie.

Und dann stellt sich natürlich auch die Frage, ob einige Schulen von der Stadt wieder bevorzugt werden, sodass andere hinten runter fallen? Das ist ja schon bei Schulbauten immer wieder vorgekommen und das befürchten wir auch beim Digitalpakt. Denn es gibt Schulen, die sind schon gut ausgestattet, die brauchen also nur noch einen kleinen Teil aus den Fördermitteln und andere müssen da von Null aus aufgebaut werden. Die brauchen natürlich wesentlich mehr und da liegt es wieder an der Stadt, genau draufzuschauen, wer nun warum, wieviel und in welchem Zeitraum bekommt.

 

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Thomas Tasler
24.02.2019 - 21:18