Asbest-Entsorung

Wohin mit dem tödlichen Baustoff?

Etwa zwei Millionen Tonnen Asbest sind auf der Zentraldeponie in Cröbern, südlich von Leipzig, seit 1995 entsorgt worden. Was auf der Deponie mit dem Baustoff passiert, hat sich unsere Redakteurin angesehen.
So werden die Asbestplatten auf der Deponie in Cröbern abgedeckt.
So werden die Asbestplatten auf der Deponie in Cröbern abgedeckt.

Inmitten von stoppeligen Feldern erstreckt sich die Zentraldeponie Cröbern, abgeschieden von den umliegenden Dörfern. Es riecht nach frischer Landluft. Der Deponieeingang erinnert an einen Grenzübergang. Die Straße teilt sich dort in 4 Spuren auf, die von Bordsteinerhöhungen und grau lackierten Stahlträgern getrennt werden. Sie tragen das flache Dach, das sich über der Einfahrt erstreckt. An jeder Einfahrt hängt eine Ampel und ein Schild mit der Aufschrift „Waage“. Zuerst werden die Abfälle, also die Asbestplatten, nämlich gewogen. Nicole Wöllner, Pressesprecherin der Deponie, erklärt warum:

Da kostet die Tonne 108,62 Euro. Eine komplette Asbest-Platte wiegt ungefähr 25 kg. Für eine Gartenlaube sind das dann circa 250 Kilogramm. Das heißt, das kostet dann etwa 25 bis 30 Euro.

Nicole Wöllner, Pressesprecherin Zentraldeponie Cröbern

Nicole Wöllner trägt eine orangene Warnweste und führt über das Gelände. Links neben den Einfahrten, wo gewogen wird, befindet sich ein kleines Bürohäuschen. Die Mitarbeitenden, die hier sitzen, kümmern sich nicht nur um das Wiegen, sondern kontrollieren auch, dass Asbestplatten ordnungsgemäß verpackt sind. Denn der Baustoff Asbest wird gefährlich, wenn er bricht. Dann liegen die einzelnen Fasern frei, welche sich in der Lunge absetzen und dort Krebs erzeugen. Um das zu verhindern, müssen die Asbestplatten in sogenannte Big-Bags gepackt werden.

Die Big Bags sind extra dafür gemacht, um Asbest zu transportieren. Das muss man sich als richtig derbes Material vorstellen. Es ist reißfest und schnittfest. Wenn eine Platte also eine spitze Kante hat, pikst sie da nicht gleich durch.

Nicole Wöllner, Pressesprecherin Zentraldeponie Cröbern

Big Bags kosten ungefähr 10 Euro und sind im Baumarkt und im Fachhandel erhältlich. Wenn die Platten verwogen und ordnungsgemäß verpackt sind, werden sie auf den Deponieberg gefahren. 

Auf halber Höhe des Berges befindet sich ein Plateau in der Größe eines Tennisfeldes. Drei Pakete in der Größe hüfthoch gestapelter Europaletten lagern in der Mitte. Es sind Asbestplatten, die mehrfach mit durchsichtiger Folie umwickelt sind.

Das ist das typische Beispiel von Kleinanlieferungen. Da werden die Asbestplatten gestapelt und richtig mit Folie zugewickelt, sodass keine offenen großen Stellen da sind.

Tobias, Mitarbeiter der Abfallkontrolle auf der Deponie Cröbern

Neben den klassischen Asbestplatten gibt es auch Dämmstoffe, die Asbest enthalten. In hellgelben, schaumstoffartigen Dämmschichten schimmern sie durch die Folie eines Pakets. Die Dämmstoffe haben die Dicke einer Matratze. Hinter den abgelagerten Paletten ist ein weiterer Hügel, der etwa doppelt so hoch ist. Er besteht aus Schlacken, also Rückständen aus Verbrennungsprozessen. Ein Gabelstapler hebt die in Folie gewickelten Asbest-Paletten an und fährt sie in die Mitte des Plateaus. Ein Bagger schiebt anschließend die Schlackestoffe auf seine Schaufel und deckt damit die Paletten ab.

Hier ist das typische Beispiel. Er legt was ab, gibt ihm ein Zeichen und er verschüttet jetzt das Paket mit dem Asbest.

Tobias, Mitarbeiter der Abfallkontrolle auf der Deponie Cröbern

Nicole Wöllner zufolge sind 20 Prozent aller Abfälle Asbestabfälle, die dann auf dem Deponieberg vergraben werden.

Also noch ist die Menge der Asbestabfälle relativ konstant, aber es wird in Zukunft so sein, dass es weniger wird. Ganz einfach weil Asbest als Baumaterial nicht mehr hergestellt wird.

Nicole Wöllner, Pressesprecherin Zentraldeponie Cröbern

Auf der Deponie Cröbern lagern etwa 2 Millionen Tonnen Asbest, die sich seit 1995 dort angehäuft haben. Nicole Wöllner zufolge gäbe es keine Alternative das Asbest anderweitig zu vernichten. Beim Verlassen der Deponie berichtet allerdings ein Mitarbeiter, dass es doch eine Alternative gibt: Man könne Asbest in sogenanntem Königswasser auflösen, einem Gemisch aus hoch konzentrierter Salpeter- und Salzsäure. Allerdings werde dieses Verfahren nicht angewendet, weil es zu teuer sei.

Der Beitrag zum Nachhören:

Eine Reportage von Charlotte Siemoneit zur Entsorgung von Asbest auf der Zentraldeponie in Cröbern.
Reportage Asbestentsorung Cröbern
 

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Charlotte Siemoneit
25.06.2019 - 14:16