Album-Rezension

Wo ist bloß ihr Verstand?

Schon zum zweiten Mal seit ihrer lang ersehnten Reunion versuchen sich die Pixies an einem neuen Album. Gelingt es ihnen diesmal an ihre alten Meisterwerke anzuknüpfen?
Die vier Pixies
Die Pixies samt neuer Bassistin

Ihren Platz im Rock-Olymp müssen sich die Pixies nicht mehr verdienen. Nur wenige andere Bands waren so bedeutend für den modernen Indie Rock. Man kann sie durchaus auf eine Stufe mit Sonic Youth oder Nirvana stellen. Dabei entwickelten sie sich eigentlich erst über die Jahre zur Kultband.

Ihr Debutalbum Surfer Rosa begeisterte schon 1988 die Kritiker. Der breiten Masse blieben sie damit aber verborgen. Dabei befanden sich auf dem Album schon einige ihrer später bekanntesten Stücke, so wie Where Is My Mind oder Gigantic.

Vom Underground ins Stadion

Ihren Szene-Ruhm bauten sie mit den darauffolgenden Alben Doolittle und Bossanova weiter aus. Berühmt wurden sie aber erst 1991, als Kurt Cobain sie als seine Lieblingsband und maßgeblichen Einfluss bezeichnete.

Trotzdem löste sich die Band 1993 nach einem Interview spontan auf, was aber nur weiter zu ihrer Legendenbildung beitrug. Als 1999 dann Where is My Mind im Finale des Films Fight Club spielte, waren die Pixies endgültig im Mainstream angekommen.

2004 kam es dann zu einer Reunion, die sich aber zunächst auf weltweite Konzert-Touren beschränkte. Erst 2014 erschien mit Indie Cindy das erste Pixies-Album seit 23 Jahren. Zuvor hatte Bassistin und Zweitstimme Kim Deal die Band verlassen. Auch deshalb unterschied sich die Platte sehr von den alten Alben und kam bei Fans und Kritikern eher schlecht an. Das neue Album Head Carrier soll nun alles besser machen.

Große Erwartungen

Tatsächlich klingt das Album in vielerlei Hinsicht nach den Pixies von früher. Deren Musik lebte schon immer von Kontrasten. Schwere Gitarrenriffs wechseln sich ab mit eingängigen, fast schon lieblichen Melodien. Die schroffe Stimme von Leadsänger Black Francis wechselt mit dem zuckersüßen Gesang von Paz Lenchantin. Diese ersetzt Kim Deal als Zweitstimme und auch am Bass. Dabei macht sie durchaus eine gute Figur, auch weil ihre Stimme der Deals stark ähnelt. Songs wie Classic Masher und Tenement Song profitieren von ihrer Präsenz.

Dennoch unterscheidet sich Head Carrier von den alten Pixies-Werken. Häufig klingt das neue Album leichter und eingängiger als man es bisher von den Pixies gewohnt war. Das liegt auch daran, dass der Gesang von Francis diesmal konventioneller ausfällt als sonst. Wo dieser früher schrie, jaulte und dabei häufig seine Stimme überschlug, bleibt es auf dem neuen Album meist bei klarem Gesang. Eine Ausnahme stellt in dieser Hinsicht nur das knallige Baal‘s Back dar.

Ungewohnte Stimmung

Laut Gitarrist Joey Santiago hat sich mit der neuen Bassistin eine gewisse Leichtigkeit in der Band eingestellt, die sich auch im Sound niederschlägt. Für die Pixies ist das jedoch eher ungewohnt. Zwar waren sie nie wirklich eine düstere Band, aber ihre bisherigen Songs waren meist zu vertrackt, um leicht zu wirken. Im Gegensatz dazu plätschern Songs wie Plaster of Paris harmonisch vor sich hin, ohne wirklich Aufmerksamkeit zu erregen.

Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass Paz Lenchantin mit ihrem Bassspiel einen weniger prominenten Platz einnimmt, als damals Kim Deal. Deren Bass war auf vielen alten Pixies Songs sogar das dominante Instrument. Dafür gewinnt auf Head Carrier das Gitarrenspiel Joey Santiagos an Bedeutung. Der darf auf Songs wie Talent auch mal ein richtiges Solo spielen.

Fazit

Insgesamt hinterlässt das neue Album einen zwiespältigen Eindruck. Den Pixies fehlt der Mut zum Experiment und zu ungewöhnlichen Songstrukturen, der ihre früheren Platten auszeichnete. Da die Pixies eine Vielzahl späterer Gruppen beeinflussten, fällt es ihnen heute außerdem schwerer aus der Masse herauszustechen. Dass die Band noch immer tolle Songs schreiben kann, steht dennoch außer Frage. Viele Pixies-Fans, die vom Vorgänger abgeschreckt wurden, dürfte das neue Album somit versöhnlich stimmen. Auch wer die Pixies hauptsächlich durch Where is my Mind kennt, wird die eingängigen neuen Songs mögen. An Klassiker wie Surfer Rosa oder Dolittle reicht die Platte jedoch nicht heran.

 

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Martin Pfingstl
13.10.2016 - 15:52
  Kultur

Pixies: Head Carrier

Tracklist:

1.            Head Carrier     

2.            Classic Masher *

3.            Baals Back*

4.            Might As Well Be Gone

5.            Oona    

6.            Talent* 

7.            Tenement Song*

8.            Bel Esprit            

9.            All I Think About Now   

10.          Um Chagga Lagga           

11.          Plaster Of Paris

12.          All The Saints

Erscheinungsdatum: 30.09.2016
Pixiesmusic/Play It Again Sam