Freimaurer

Wir sind alle raue Steine

Ein Haufen Geheimnisse, schwarze Magie und schaurige Rituale – damit werden die Freimaurer nicht selten assoziiert. Doch was verbirgt sich wirklich hinter der jahrhundertealten Tradition?
Freimaurer-Experte Günter Hempel

Die Freimaurer erinnern zunächst an längst vergangene Zeiten. Zeiten, in denen Geheimbünde des Nachts ihr Unwesen trieben, in denen Eide und Kodexe galten, die sonst keiner kannte; Zeiten, in denen die Welt noch weniger erschlossen war und die Philosophen und Alchemisten unter einer Decke steckten. Doch die Freimaurer gibt es noch immer und die vorigen Assoziationen sind staubig, sie haben mit der Jetztzeit nicht mehr viel zu tun.

"Vom Dunkel zum Licht"

Doch wer oder was sind Freimaurer?  Der Wissenschaftler Günter Hempel erklärt die grundlegenden Absichten der Mitglieder:

"Sie sind bestrebt, Wissen zu erwerben, eben von der Unwissenheit zum Wissen, sie formulieren das: Vom Dunkel zum Licht. Das ist die ganze Philosophie, wenn man’s mal bildlich ausdrücken will. Und sie sind ein ethischer Bund. Sie treffen sich in ihren Logen, das sind keine Gebäude zunächst, sondern das ist die Zusammenkunft, und arbeiten an sich selbst, das ist alles."

Unter den Freimaurern benutzt man auch die Metapher vom rauen Stein. Demnach sei der Mensch ein rauer Stein, der sich selbst schleifen müsse, um besser in seine Umwelt zu passen und mit den anderen Menschen harmonisch und auf Augenhöhe agieren zu können.

Man treffe in den Logen zusammen, um zwischenmenschliche Grenzen zu überwinden, den Geist anzuregen und auf philosophischer und spiritueller Ebene seinen Blick zu erweitern. Zu den Treffen gehörten darum nicht nur Gespräche, sondern auch traditionelle Rituale.

"Kind der Aufklärung"

Die ersten Freimaurerlogen entwickelten sich in der Zeit der Aufklärung in der Zunft der Steinmetze. Hempel bezeichnet die Freimaurer als "Kind der Aufklärung", denn aus ihr ergeben sich auch die hauptsächlichen Ideale der Logen. Toleranz und das Freie Denken seien, laut Hempel, die zwei wichtigsten Anliegen der Freimaurer. Hinzu kommt das Streben nach Freiheit, Brüderlichkeit und Humanität. Diese Grundlagen habe Lessing in seinem Stück "Nathan der Weise" und Mozart in seiner Oper "Die Zauberflöte" verwirklicht. Beide Künstler sollen ebenfalls Freimaurer gewesen sein.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Für die breite Öffentlichkeit sind die Freimaurer seit jeher undurchsichtig gewesen. Vermutlich liegt hier der Grund für diverse Vorurteile gegen die Logen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie als Ketzer und Weltverschwörer bezeichnet, gefürchtet, von den Nazis verfolgt und mit kritischen Augen betrachtet. Wo man Geheimnisse witterte, entstanden Gerüchte. Hempel beteuert: "Das Geheimnis ist, dass es kein Geheimnis gibt!" Doch wie beweist man die Nichtexistenz von etwas? Und warum schotten sich die Freimaurer wie ein elitärer Club von der Allgemeinheit ab, wenn es um Toleranz und Gleichheit zwischen den Menschen gehen soll?

Eine Vertreterin der Leipziger Loge "Neue Werkstatt" beschreibt, warum die Freimaurergesellschaft nicht offen für jeden ist:

"Man kann da nicht einfach so rein, was aber nicht daran liegt, dass wir was zu verbergen hätten, sondern daran, dass es ein sehr persönlicher Raum ist. Und was da passiert ist uns, da es eben sehr persönlich ist und spirituell und geistig, sehr heilig. Es ist auch für uns ein sehr geschützter Raum, wo wir uns so entfalten können, wie wir möchten. Da können wir eben nicht sagen, jeder kann reingucken, denn sonst ist dieser geschützte Raum nicht mehr da."

Außerdem könne man bestimmte Erfahrungen (wie Rituale) nicht verbalisieren. Die Freimaurerin vergleicht die Angelegenheit mit dem Zustand der Meditation - eine Beschreibung in Worten würde dem Gefühl nicht gerecht werden. Darum behalte man es lieber für sich.

Auch ihren Namen will sie nicht nennen, während Günter Hempel auf die Frage ausweicht, ob er einer Loge angehört. Die Vertreterin der "Neuen Werkstatt" erklärt, dass die Freimaurer noch immer zu viele Gegner hätten, als dass man sich problemlos in der Öffentlichkeit dazu bekennen könnte.

Spurensuche in Leipzig

Noch immer gibt es in Leipzig vier verschiedene Logen. Drei von ihnen sind traditionell reine Männergesellschaften, eine hat männliche und weibliche Mitglieder. Sie alle folgen aber den tradierten Regeln und Idealen.

Laut Günter Hempel haben die Freimaurer der Stadt Leipzig zu einem Großteil der Innenstadtarchitektur verholfen: Große Promenaden, Denkmäler, Säle und Kirchen seien von ihnen erbaut worden. Das wohl bekannteste architektonische Werk Leipzigs soll ebenfalls von Freimaurern erbaut worden sein: das Völkerschlachtdenkmal. Abgesehen davon seien rund 120 Straßen Leipzigs nach Freimaurern benannt.

Hempel bietet seit einigen Jahren Stadtführungen durch das Leipzig der Freimaurer an und leitet seine Gäste von Werk zu Werk durch die Geschichte.

 

mephisto97.6-Reporterin Flora Kampmann berichtet über die Leipziger Freimaurer
 

 

 

Kommentare

Ach ja, da ist er wieder, der selbsternannte "Freimaurer-Experte" Günter Hempel. Leider ist weder Wissenschaftler noch Mitglied einer anerkannten Freimaurerloge. (Dies war er einst- vor mehr als 10 Jahren, bevor er sich entschloss, die Loge zu verlassen und seitdem ahnungslosen Touristen sein Geheimwissen zu präsentieren...) "Die Freimaurer" ab es übrigens nie und wird sie nie geben. Allenfalls besondere Menschen, die auch Freimaurer waren. So viel zu Aussagen, wie "die Freimaurer bauten dies und bauten das." Leider kein wirklich gelungener Radiobeitrag. Vielleicht hätte Frau Kampmann einfach mal noch bei den anderen drei Logen um ein Interview anfragen sollen...

@Leipziger Freimaurer
Sehr geehrte Frau Kampmann,
ist es nicht entzückend charmant, anonym eine Dame zu küren, um aus dem Hinterhalt die Contenance zu verlieren? Gütige Nachsicht ist erbeten, sehr geehrte Frau Kampmann, Ihnen diese hochansehnliche Rüpeliade, vulgo Sardiniade, eine anerkannte Hohe Schule der regulären Rüpellogenbruderschaft, vorenthalten zu haben. Die Ihnen zu Füßen liegende liebenswürdige Botschaft des geheimen Rüpelmeisters und Meisterrüpels bedarf der Besinnung auf Freimaurer Adolph von Knigge. Sofort erkennen Sie die erfrischende Persiflage seines Hauptwerkes „Über den Umgang mit den Menschen“. In formvollendeter Rüpellogen-Ritualistik werden die Säulen der SCHÖNHEIT, STÄRKE und WEISHEIT parodiert. Und mit dem PASSWORT Anonymus wird endlich das Geheimnis der fünf GRIFFE DER RÜPELMEISTERSCHAFT gelüftet: Arroganz, Borniertheit, Finsternis, Intoleranz und Unkultiviertheit. Wäre das nicht ein spannendes Thema für ‚mephisto‘?
Mit Dank, freundlichem Gruß, besten Wünschen und mit Knigge im Bunde -
Dr. Günter M. Hempel
Leipzig, den 04.06.6016

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Die Führungen durch die Stadt starten heute und morgen starten um 16Uhr auf dem Nikolaikirchhof.

Zudem dürfe jeder, der sich für die Logen interessiert, an den regelmäßig stattfindenden Gästeabenden teilnehmen und sich direkt informieren.