Die Kolumne

Wir müssen über Rassismus reden

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Raphaela Fietta erklärt, warum Rassismus zu wenig thematisiert wird.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Kolumnistin Raphaela Fietta zum Thema Rassismus.
 

Weißer Rauscher

Rauscher... wer war noch mal dieser Rauscher?

Thomas Rauscher ist Juraprofessor an der Uni Leipzig. Von sich Reden gemacht hat er vor allem durch seine Tweets. Äußerungen, die ihm den Vorwurf eingebracht haben, Rassist zu sein - oder Ethnopluralist, wie er es nennt.

Seit dem ersten Aufschrei im November gab es Proteste der Studenten: "Rauscher, rausch ab." Außerdem eine Petition, die fast 20.000 Menschen unterschrieben haben; berufliche Konsequenzen gab es aber keine.

Das sächsische Wissenschaftsministerium teilte mit, Rauscher habe als Privatperson gehandelt und habe ein Recht auf Meinungsfreiheit. Oder wie ich es nennen würde: Das Ministerium hat den Schwanz eingezogen.

Kolumnistin Raphaela Fietta schickt die Großväter in den Ruhestand.
Das wird Kolumnistin Raphaela Fietta doch wohl noch sagen dürfen!

Dankeschön!

Mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht alleine da, denn jetzt haben Mitarbeiter der Uni eine Stellungsnahme verfasst, in der sie sich gegen Rauscher und seine Äußerungen stellen und eine klare Reaktion fordern, gerade von der Universität. Danke dafür!

Endlich sagt mal jemand, was Sache ist! Ich meine, der Mann ist Juraprofessor - schon klar, dass der weiß, was er sagen kann, ohne, dass man ihn wegen Volksverhetzung drankriegen kann. Aber dieses "Füße stillhalten" der Ministerien und Direktoren geht mir auf den Sack!

Es kann doch nicht sein, dass Äußerungen wie "Es fügt sich nicht, was nicht zusammen gehört. Europa den Europäern, Afrika den Afrikanern, Arabien den Arabern!" oder "Es gibt keinen friedlichen Islam! Dschihad ist der Auftrag dieser Leute" nur "scharf kritisiert" werden oder "ausdrücklich verurteilt". Und die persönliche Konsequenz bleibt am Ende aus! Da steht ein Rassist im Hörsaal! Ein Mann, der Menschen offen in Kategorien einteilt: schwarz - weiß, intelligent - dumm, fleißig - faul. Wie kann man so jemandem denn zutrauen, Studenten fair zu bewerten? Oder sie gar anzuleiten, einen unvoreingenommenen Blick auf eine Sache zu gewinnen?

Es macht mich wirklich wütend, wie weit wir mit dem "Das wird man wohl noch sagen dürfen"-Argument gekommen sind!

Die Konsequenz fehlt

In den "sozialen" Netzwerken tobt ein Mob, der alles, was seiner Meinung nicht entspricht, mit Hass, Beleidigungen und Drohungen niedermäht. Da schreien wir nach härterem Durchgreifen, da soll Zuckerberg dafür sorgen, dass solche Kommentare gelöscht werden. Aber wenn es ein Uniprofessor auf seinem "privaten" Twitteraccount tut, dann kann man da natürlich nichts machen.

Wir müssen solchen Hasspredigern doch etwas entgegensetzen können! Egal, ob Hänschen Durchschnitt beim Online-Nazistammtisch oder Herr Professor Von-und-zu im Privaten - wer hetzt, muss mit Konsequenzen rechnen. Das hat für mich nichts mit "Mund verbieten" zu tun, es muss nur klar sein, was unserer Gesellschaft geht und was nicht. Die können gerne wählen gehen, Bürgerinitiativen gründen oder den ganzen Tag auf dem Marktplatz stehen und schreien. Aber sie dürfen niemanden bedrohen oder beleidigen, der eine andere Meinung hat. Und sie dürfen niemandem ein Leben in Frieden verweigern.

 

 

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Raphaela Fietta
29.01.2018 - 15:18