Schutzprojekt für Schimpansen

"Wir müssen schneller rennen"

98,4 Prozent: So groß ist der Anteil an DNA, den wir mit Schimpansen teilen. Die Menschenaffen leiden unter Entwaldung und Wilderei. Christophe Boesch lebte jahrelang mit Schimpansen – nun wurde er für ein Schutzprojekt in Guinea ausgezeichnet.
Schimpansen leiden unter Entwaldung und Wilderei

Guinea, Westafrika: Ein Land, das nicht nur reich ist an Bodenschätzen. Es ist auch für viele exotische Tierarten ein wichtiger Rückzugsraum – darunter für die Schimpansen, deren Lebensraum seit Jahren durch Wilderei und Abholzung bedroht wird. 

Von 2009 bis 2014 zählte ein Team der Wild Chimpanzee Foundation nach, wie viele Schimpansen in Guineas Hochland leben – und wurde dabei überrascht, erklärt der Primataloge Christophe Boesch

Wir haben in Guinea eine große Population von ungefähr 5.000 Schimpansen entdeckt, die noch nicht geschützt ist und die das Potenzial hat, einen großen Beitrag zum Schutz der westafrikanischen Schimpansen zu leisten.

Prof. Christophe Boesch, Leiter der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Gründer der Wild Chimpanzee Foundation

Der Lebensraum der Schimpansen ist begehrt 

Schützen möchte Boesch die größte Schimpansenpopulation Westafrikas mit einem ambitionierten Projekt. Denn ihr Lebensraum wird auch von anderen begehrt: Private Minen-Unternehmen bauen in Guineas Hochland den Rohstoff Bauxit ab, aus dem Aluminium gewonnen wird. 

Glücklicherweise seien viele der Unternehmen bereit, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, sagt Boesch. Die Wohngebiete der Schimpansen könnten zwar nicht alle unversehrt bleiben. Doch in Fällen, wo der Lebensraum der Schimpansen berührt wird, sollen die Minen-Kompanien Ausgleichszahlungen leisten. 

"Vorteilhaft für Mensch, Natur und Tiere"  

Bevor das Projekt aber fortgesetzt werden kann, erklärt Boesch, müsse eine detaillierte Karte des Gebiets gezeichnet werden, um Vegetation, Flüsse, Dörfer und Straßen festzuhalten. Für das Projekt wurde Boesch mit dem Umweltpreis der schottischen Universität St Andrews und 100.000 US-Dollar Preisgeld ausgezeichnet.

Langfristig soll ein Nationalpark für die Schimpansen entstehen. Wo genau, wird dann auch mit der lokalen Bevölkerung diskutiert. Und die will Boesch davon überzeugen, dass beide Seiten profitieren können: 

Das ist eine Priorität für uns, dass wir dieses Wassersystem wieder zum Laufen bringen: dort einheimische Bäume pflanzen, das heißt wir haben dort die große Chance, ein Umweltschutzprojekt zu entwickeln, das für beide vorteilhaft ist: für die Menschen und für die Natur und die Tiere dort.

Prof. Christophe Boesch, Leiter der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Gründer der Wild Chimpanzee Foundation

Entwaldung trocknet Wasserquellen aus 

Denn die Trockenheit in Guinea wird immer dramatischer: Von Jahr zu Jahr regnet es weniger, und die Entwaldung trocknet überlebenswichtige Wasserquellen aus. Auch die Regierung Guineas unterstützt Boeschs Projekt deshalb. 

Für die Wild Chimpanzee Foundation, die der Forscher vor 15 Jahren gegründet hat, bedeutet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Schimpansenschutz. Doch die Herausforderung, den Menschenaffen einen Platz zum Leben zu sichern, bleibe langfristig bestehen: 

Wir rennen im Conservation-Bereich überall, weil wir müssen schneller rennen als die anderen, die auch rennen und die Natur zerstören. Und so wird es bleiben.

Prof. Christophe Boesch, Leiter der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Gründer der Wild Chimpanzee Foundation

 

Tobias Schmutzler im Gespräch mit Christophe Boesch, der für ein Schutzprojekt in Guinea ausgezeichnet wurde.
 
 

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Prof. Dr. Christophe Boesch, 1951 im Schweizer St. Gallen geboren, schloss sein Biologie-Studium in Genf mit einer Arbeit über Berggorillas ab.

Von 1979 bis 1991 erforschte Boesch mit seiner Frau im Taï-Nationalpark/Elfenbeinküste frei lebende Schimpansen. Sie zogen ihre zwei Kinder im Urwald auf. 

Seit 1998 leitet Boesch die Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, vor etwa fünfzehn Jahren gründete er die Wild Chimpanzee Foundation.