Langzeitstudie

Wir gestalten die Zukunft

Wie sieht die Zukunft im Jahr 2115 aus? Wie werden wir leben? Wie entwickelt sich Deutschland in den kommenden 100 Jahren? In Leipzig läuft dazu eine der größten Zukunftsstudie Deutschlands.
Kindheitserinnerungen
Kindheitserinnerungen - Wie Seifenblasen im Wind

Unter dem Titel "Die Zukunft deiner Kinder" läuft derzeit eine der größten Studien Deutschlands. Im Mittelpunkt stehen zehn Kinder, deren Lebensweg über 100 Jahre beleuchtet wird. Die Kinder stammen aus verschiedenen Städten und sind zwischen zwei und drei Jahren alt.

Aufbau der Studie

2bAhead lässt sich aus dem Englischen ableiten und bedeutet so viel 'vor jmd. da sein', 'einen Vorsprung haben'.  Ziel der Forschung sei es, die Zukunft nicht abstrakt darzustellen, sondern die Zukunft anhand der unterschiedlichen Lebensmodelle der Kinder greifbarer und verständlicher zu machen. Dazu werden von 500 Fachleuten aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Technologie und Politik Zukunftsszenarien erstellt. Während der Studienlaufzeit können die Fachleute die Studie erneuern und der Zeit anpassen. Später wollen die Forschenden dann die Ergebnisse mit der Realität abgleichen. Laut des Forschungsdirektors Michael Carl könne man keine endgültige Wahrheit über die Zukunft erstellen. Der Zweck der Studie sei es, zukunftssichere Entscheidungen zu treffen. Die Forschenden wollen sich nicht nur ein Bild von der Zukunft machen, sondern anfangen, die Zukunft im Hier und Jetzt aktiv zu gestalten.

Die Zwischenergebnisse werden im Laufe der Zeit der Öffentlichkeit über die Internetseite des 2bAhead-Unternehmens, über Podcasts sowie Bücher zur Verfügung gestellt. Im Februar erschien bereits der erste Band. Bisher lag der Fokus der Forschung vor allem auf der Entwicklung des menschlichen Körpers und des Lernens. Wie nehmen wir Informationen auf? Wie gehen wir mit Informationen um? Und wie kommen wir mit der Informationsüberflutung klar? Dieses Jahr wollen die Forschenden sich intensiv mit Orten beschäftigen: Wo leben wir? Wie bewegen wir uns? Wie führen wir Beziehungen?

Finanziert wird das ganze Projekt durch einen Kreis an Unterstützenden. Darunter zahlreiche Unternehmen wie die AOK, Eon oder die Deutsche Bank.

Kritische Betrachtung

Ungewiss ist jedoch, inwiefern die Studie von den Unternehmen geleitet und beeinflusst werden könnte.
Bezüglich der Kinder stellt sich die Frage, inwiefern die Studie einen Eingriff in die Privatsphäre der Kinder darstellt und ob sie durch die Studie in ihrem Lebensweg beeinflusst werden? Unklar ist auch, ob durch die Studie nur unnötiger psychischer Druck oder Stress auf die Kinder ausgeübt werden könnte. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die Eltern der Kinder aus eigener Motivation und Begeisterung über die Köpfe ihrer Kinder hinweg entschieden haben.

Der Forschungsdirektor Michael Carl sieht dies aber sehr gelassen:

Es wird über einen sehr langen Zeitraum dieser Studie dann möglicherweise nochmal Veränderungen geben, weil ein Kind sagt: "Ich ziehe mich zurück" oder ein anderes  kommt dazu. Das kann schon gut sein.

Während der Forschung werde mit den Versuchspersonen über die Hintergründe des Experiments gesprochen. Man wolle die Kinder begleiten und von ihnen lernen. Ziel sei es nicht, die Kinder zu beeinflussen. Immerhin könne man so keine getreuen Zukunftsbilder erstellen. Mit ersten Ergebnissen sei allerdings erst in vier bis fünf Jahren zu rechnen.

 

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Louisa Grübler
20.02.2018 - 19:43
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