Arbeiten im Hospiz

"Wir begleiten die Menschen bis ans Tor"

Hospize sind der Pflege Schwerkranker bis zu ihrem Tod verschrieben. Würde und Selbstbestimmtheit über die letzte Zeit des Lebens haben hier oberste Priorität. Doch wie ist es, an so einem Ort zu arbeiten?
Der Raum der Stille im Hospiz Villa Auguste
Der Raum der Stille im Hospiz Villa Auguste

In Leipzig gibt es zwei Hospize. Eines davon ist das Hospiz Villa Auguste in Stötteritz. 12 Einzelzimmer gibt es in dem Gebäude im Art-Déco Stil. Obwohl der Gedanke an schwere Krankheiten sich aufdrängt, ist es keineswegs bedrückend hier. Die Dielen knarren leicht und Sommerlicht fällt durch die hohen Fenster auf die dunkle Holztreppe.

Ganz anders als Krankenhaus

Hier treffe ich Hannes. Er arbeitet hier als Krankenpfleger und will nicht mit seinem Nachnamen genannt werden. An seinem Arbeitsalltag schätzt er, dass es keinen festen Tagesablauf für die Bewohner gibt. Alles würde jeden Tag individuell an den jeweiligen Bewohner angepasst. Das sei ganz anders als im Krankenhaus, wo er vorher gearbeitet habe.

Ich wollte vor allem aus dem Krankenhausablauf raus. Wollte was machen ,wo ich dem Bewohner näher bin und mich der Pflege, die ich erlernt habe, auch wirklich widmen kann. Und nicht das Gefühl habe, ständig für eine größere Industrie zu arbeiten, wo alles in einem schnellen, zackigen Ablauf durchgezerrt werden muss. 

Hannes, Krankenpfleger

Begleitung "bis ans Tor"

Im Lindenauer Hospiz Advena treffe ich Christine Ohse. Sie arbeitet hier als Seelsorgerin und steht den Bewohnern und Angehörigen jederzeit für Gespräche zu Verfügung. Oft wollen die Menschen, die das Gespräch mit ihr suchen, über ihr Leben sprechen.

Die ständige Beschäftigung mit dem Tod beeinflusst auch, wie sie ihr Leben gestaltet. Sie gehe auf dem Jakobsweg wandern, lerne Sprachen – Dinge, die ihr gut tun und aus denen sie Kraft zieht. Ohse nennt das "Auftanken".

Und ich arbeite ja eigentlich mit meiner Lebenskraft, meiner Lebensfreude – und die muss ich wieder auftanken. Und da ist es ganz wichtig, zu wissen: Wo sind deine Tankstellen? Jeder hat das anders. Und ich tanke indem ich Dinge tue, die mein Leben breiter, bunter, tiefer machen. Weil ich denke, dass ich dann stark genug bin, dem Ende auch immer wieder zu begegnen.

Christine Ohse, Seelsorgerin

Ohse erzählt auch von der Dankbarkeit, die sie erfährt. Im letzten Lebensabschnitt sei es wichtig, dem Menschen das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein. Im Grunde, sagt sie, "begleiten wir die Menschen bis ans Tor".

Die Pflege in einem Hospiz steht grundsätzlich jedem offen, da dies die Krankenversicherung finanziert. Allerdings nur, wenn die Pflege zu Hause nicht möglich ist. Das sei zum Beispiel dann der Fall, so Cornelia Möllering von der Verwaltung der Villa Auguste, wenn die Wohnung zu klein ist. Oder keine Angehörigen mehr da seien, beziehungsweise es für diese eine zu große Belastung sei. Eine wichtige Rolle spielen im Hosiz auch die Ehrenamtlichen, so Möllering weiter. Die Freiwilligen hätten ein offenes Ohr für die Bewohner und hielten auch mal die Hand.

mephisto 97.6 Redakteurin Lisa Albrecht hat sich die Arbeit im Hospiz genauer angeschaut:

Der Beitrag von Lisa Albrecht über Arbeit im Hospiz

Es sprachen: Hannes, Krankenpfleger, und Christine Ohse, Seelsorgerin.

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