Konzertbericht

Winterschlaf im Herbst

Wintersleep hat es leider auf ihrer Tour nicht nach Leipzig verschlagen. Aber dafür in den Privatclub nach Berlin. Das war uns die kleine Reise wert.
Wintersleep live
Lightshow bei Wintersleep

Erwartungen

"Das wird jetzt mein viertes Mal Wintersleep" – "Oh, du magst die Band wohl echt gerne". So ungefähr sah die Unterhaltung beim Abendessen vor dem Konzert aus. Und es stimmt. Ich mag die Indierock- Band echt gerne. Ich weiß ungefähr was mich erwartet. Wintersleep bewiesen sich bisher jedes Mal als eine sehr gute Live- Band, die trotz drückender Stimmung in ihren Songs eine stimmungsvolle Show abliefert. "The Great Detachment", das Album, welches sie dieses Jahr veröffentlicht haben, war sehr viel peppiger und fröhlicher als ihre vorherigen Werke. Daher rechne ich damit, dass auch die Show nochmal an Stimmung und Tanzbarkeit zunehmen wird. Außerdem habe ich in der Zeit seit meinem letzten Wintersleep- Konzert das Album "Hello Hum" nochmal ganz neu für mich entdeckt und hoffe jetzt, dass sie die Songs "Zones" und "Hum" live spielen werden.

 

Erster Eindruck

Der Privatclub ist wirklich ziemlich privat. Und damit meine ich, dass es sehr sehr voll ist. Während der Vorband "Mise En Scene" schaffe ich es leider nicht irgendwas zu sehen. Sie hören sich aber echt cool an. Als Wintersleep dann an der Reihe sind, ergattere ich glücklicherweise noch einen Platz mit Blick auf die Bühne. Ich habe aber auch den Eindruck, dass der komplette Club bis zum Eingang gefüllt ist. Es hat sich wohl rumgesprochen, dass Wintersleep live ziemlich gut sind. Die Band legt los mit einigen Songs vom neuen Album, die vom Publikum sehr fröhlich angenommen werden. 

Paul Murphy auf der Bühne
 

Musik

Schon nach wenigen Songs spielen sie dann auch "Zones". Ich bin also schonmal ganz glücklich. Es folgt "Weighty Ghost", was großen Jubel im Publikum hervorruft. Im Laufe des Konzerts häufen sich zunehmend die Rufe nach zwei Songs. Die Fans wollen vor allem "Amerika" die erste Singleauskopplung von "The Great Detachment" und den Song "Orca" hören. Letzterer ist oft auf der Setliste von Wintersleep zu finden, aber ich habe ihn auch noch nie live gehört. Ich hätte also nichts dagegen, wenn der Publikumswunsch erfüllt werden würde– wird er aber nicht. Dafür spielen sie aber eine gute Mischung aus alten und neuen Songs– im Wechsel zwischen düsteren und bewegten Tracks. Als "Amerika" endlich gespielt wird, zeigt sich das gesamte Publikum sehr textsicher. Auch sonst scheinen sowohl langjährige Fans, als auch solche, die erst das neue Album für sich entdeckt haben dabei zu sein. Da der Club so klein ist, kann die Musik umso besser und schöner wirken und es entsteht eine sehr schöne Dynamik zwischen Band und Publikum. Dazu braucht es auch keine großen Reden. Musikalisch bestätigen Wintersleep wieder einmal den Eindruck, den ich bereits von ihnen hatte und überzeugen durch ein stimmiges Set– Und das obwohl mein zweiter Wunschsong ausbleibt.

Wintersleep auf der Bühne
Wintersleep auf der Bühne

Was in Erinnerung bleibt

Die neuen Songs von Wintersleep funktionieren live auf jeden Fall mindestens genauso gut, wie die alten. Ein besonderes Highlight ist immer wieder der Song "Weighty Ghost". Aber vor allem bleibt die abschließende Zugabe in Erinnerung. Wintersleep beenden ihre Show mit "Miasmal Smoke & the Yellow Bellied Freaks" – ein Song, der besonders durch sein langes Intro hervorsticht und definitiv zu den besten Songs der Band gehört. Das Publikum zeigt seine Begeisterung durch einen etwa zehn Minuten langen Applaus. Erneut wird um weitere Zugaben gebeten. Ein Wunsch, den die Band leider nicht erfüllt.

 

 

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Gesa Koy
04.10.2016 - 15:09
  Kultur