Geflüchtete in Clausnitz und Heidenau

Willkommen in Sachsen

Clausnitz und Heidenau - diese Orte wurden durch gegen Geflüchtete gerichtete Ausschreitungen bekannt. Wie ist die Stimmung dort heute? Wie geht es den Geflüchteten, die damals betroffen waren? Ein Feature über einen Besuch vor Ort.
Zu Besuch in Clausnitz und Heidenau
Zu Besuch in Clausnitz und Heidenau

Hinter der Windschutzscheibe eines Busses steht ein Junge mit Baseballcap und schaut regungslos nach draußen. Über der Scheibe steht in Leuchtschrift „Reisegenuss“. Draußen grölt ein Mob, der den Bus blockiert hat: „Wir sind das Volk!“ Ein Polizist steigt in den Bus und packt den Jungen an den Schultern. Der 15-Jährige weicht zurück. Der Polizist nimmt ihn den Schwitzkasten und trägt ihn nach draußen. Der Mob jubelt.

Ein Video von der Busblockade vor zwei Jahren sorgte für viel Diskussion
Ein Handyvideo von der Busblockade vor zwei Jahren sorgte für viel Diskussion

Die Busblockade von Clausnitz

Diese Szene ist Teil eines Videos, das vor zwei Jahren die andere Seite der Willkommenskultur in Deutschland zeigte: Es zeigt die Busblockade in Clausnitz, einem Dorf mit 870 Einwohnern im Erzgebirge. Dort brachte das Land Sachsen im Februar 2016 gut 20 Geflüchtete unter. Einer von ihnen – der junge aus dem Bus – ist Luai Khatum. Zwei Jahre später wohnt er heute noch immer in dem Ort. Er sagt: „Ich hoffe irgendwie rauszukommen aus Clausnitz.“ Die Geflüchteten leben in dem Ort wie in einer Parallelwelt. Mit den Einwohner*innen haben sie keinen Kontakt, der Weg in die nächste Stadt ist weit. Richtig ankommen konnte Luai in den vergangen zwei Jahren in Deutschland nicht.

Die Ausschreitungen von Heidenau

Clausnitz ist nicht der einzige Ort in Sachsen, der während der sogenannten Flüchtlingskrise auf traurige Weise berühmt geworden ist: Auch Heidenau wurde zum Sinnbild einer anderen "Willkommenskultur". Im August 2015 eröffnete das Land Sachsen dort eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Vor der Eröffnung randalierte ein rechter Mob vor dem Gebäude und ging zwei Nächte lang auf Polizist*innen los. Laut MDR wurden damals 30 Polizist*innen verletzt. Das Bild erinnerte viele an die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen 1992. Es war das klare Gegenteil zu der Willkommenskultur, die vorher in den Medien dominierte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besuchte die Erstaufnahmeeinrichtung nach den Ausschreitungen und auch Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) kam nach Heidenau. In einem Interview sagte er, die Randalierenden seien „Pack“, man müsse sie einsperren.

Wie ist die Situation heute?

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Heidenau gibt es nicht mehr – das Gebäude gehört jetzt dem Möbelwerk Heidenau. Die vorher blaue Fassade hat der neue Besitzer rot streichen lassen. Laut der Heidenauer Pfarrerin Erdmute Gustke, sind die Ausschreitungen heute kein Thema mehr in der Stadt. Die Stimmung gegenüber Geflüchtete sei aber noch immer eher schlecht. So gebe es Geflüchtete, die sich gut eingelebt hätten, einige erlebten aber Ablehnung. So habe eine Iranerin berichtet, dass Menschen die Straßenseite wechseln, wenn sie ihnen entgegenkommt.

mephisto 97.6-Reporter Lennart Banholzer war in Clausnitz und Heidenau um zu erfahren, wie die Lage dort heute ist. Hier hören Sie das Feature.

"Willkommen in Sachsen - zu Besuch in Claunsitz und Heidenau" - Ein Feature von Lennart Banholzer

gesprochen von Lisa Albrecht und Lennart Banholzer

Willkommen in Sachsen - zu Besuch in Claunsitz und Heidenau

 

 

 

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Lennart Banholzer
20.02.2018 - 17:03