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Die britische Psychdelic-Rock-Band Temples schafft mit ihrem zweiten Album „Volcano" die Weiterentwicklung vom Retro-Act zur modernen Pop-Gruppe.
Band Porträt
Temples

Das Subgenre des Psychedelic Rock ist in den Köpfen der meisten fest mit den 60ern verbunden. In dieser Zeit entdeckten viele Musiker den Konsum der psychedelischen Droge LSD für sich und bauten die Erfahrung in ihre Musik ein. Bands wie Jefferson Airplane, Grateful Dead, The Byrds und auch die Beatles in ihrer Spätphase machten den Sound populär, indem sie ihre eingängigen Popsongs in den typischen ätherischen Sound verpackten. In den folgenden Jahrzehnten verlor das Genre jedoch wieder an Bedeutung, bis es in 90ern 00ern zu einem kleinen Revival kam. Modernen Psychedelic-Rock-Bands wie beispielsweise The Flaming Lips und King Gizzard and the Lizard Wizzard ist jedoch gemein, dass ihr Sound eher schroff und ausufernd als poppig ist, und sie sich damit weit weg vom Mainstream bewegen. Die britische Band Temples scheint eine der wenigen zu sein, die den Sound der 60er noch als Basis für klassische Popsongs verwendet. Ihr Debütalbum „Sun Structures“ von 2014 war eine Kollektion von zwölf Songs, die auch als ein wiederentdecktes Byrds‑Album von 1969 hätten durchgehen können.

Aus alt mach neu

Dieser authentische Retrosound brachte ihnen einerseits zahlreiche Fans ein, unter anderem auch Musikprominenz wie Noel Gallagher und Johnny Marr, andererseits aber auch Kritiker, die das Fehlen neuer Ideen bemängelten. Dass Temples keine reinen Nachahmer oder Nostalgiker sind, bewiesen sie schon kurz darauf, indem sie mit „Sun Restructured“ ein Remixalbum ihres Debüts veröffentlichten, welches die Original-Songs in ein elektronisches Gewand steckte. Der Nachfolger „Volcano“ will nun die beiden Stile miteinander vereinen. Auf analogen Bass, Drums, und 12‑String‑Gitarre wird auf dem neuen Album eine dicke Schicht Synthesizer gelegt. Dadurch wird ein volles, farbenfrohes Klangbild erzeugt. Bei der Single „Certainty“ fühlt man sich gar ein wenig an einen Zeichentrickfilm-Soundtrack erinnert.

 

Fazit

Die Entwicklung, die Temples mit „Volcano“ unternommen haben erinnert ein wenig an Tame Impala, die nach dem Psychedelic-Rock-Album „Lonerism“ auf dem Nachfolger „Currents“ einen Schwenk Richtung Synthie-Pop machten. Ganz so gravierend ist der Unterschied bei Temples jedoch nicht. Mit „Volcano“ erweitern sie lediglich ihren Sound und schaffen so die Weiterentwicklung vom Retro-Act zur modernen Psychedelic-Pop-Band. Ihr Talent für starkes Songwriting mit griffigen Melodien haben sich die Jungs bewahrt. Wer ein Faible für mitsingbare Rocksongs mit leichtem Retroflair hat, für den ist „Volcano“ also auf jeden Fall eine gute Wahl.

 

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Martin Pfingstl
08.03.2017 - 15:02
  Kultur

Temples: Volcano

Tracklist:

1.            Certainty

2.            All Join In

3.            (I Want To Be Your) Mirror

4.            Oh The Saviour

5.            Born Into The Sunset

6.            How Would You Like To Go?

7.            Open Air

8.            In My Pocket

9.            Celebration

10.          Mystery Of Pop

11.          Roman God-Like Man

12.          Strange Or Be Forgotten

Erscheinungsdatum: 03.03.2017
Heavenly Records