Konzertbericht: Maeckes

Willkommen in der Partykirche!

Maeckes bewegt sich zwischen den Welten. Mit den Orsons macht er spaßigen HipHop. Solo klingt seine Musik dagegen viel melancholischer. "Die Stunde zwischen Tilt und Gitarre" heißt seine aktuelle Tour, mit der er auch in Leipzig war.
Maeckes im Naumanns
Maeckes im Naumanns

Um halb sieben laufen wir zum ersten Mal am Naumanns vorbei. Davor reihen sich schon ein paar Dutzend Menschen. Eine Stunde später sind wir wieder da – jetzt mit einem Döner im Magen und nur noch ein paar Leuten in der Schlange vor uns. Das Naumanns ist schon gut voll; aber mit ein wenig Ehrgeiz haben wir es schnell vor die Bühne geschafft.
"Hey, mein Name ist Future Franz und ich spiele jetzt drei Songs für euch" – mit diesen Worten betritt der Support um 20 Uhr die Bühne. Er hält sein Versprechen und spielt "Rauchen", "Smartphone" und "Feuerwerksrakete". Future Franz ist eigentlich Äh, Dings, der nicht nur das letzte Maeckes Album produziert hat, sondern auch immer mit dem Rapper auf der Bühne steht. Als Future Franz nimmt er die Musik und sich selbst nicht ganz so ernst, bringt aber dafür das Publikum zum Lachen.

Maeckes lässt nach der kurzen Support-Show nicht lang auf sich warten. Er eröffnet das Konzert mit "Der Misserfolg gibt mir unrecht" im gelben Anzug, macht eine gute Figur; vor allem aber gute Stimmung. Schon beim zweiten Song reißt er den Anzug von sich und steht von diesem Zeitpunkt an in Jeans und schwarzem Shirt auf der Bühne. Im letzten Jahr war Maeckes noch mit seiner Band Die Katastrophen auf Tour. Jetzt bespaßt er das Publikum allein, wenn nicht gerade Äh, Dings als Unterstützung am Schlagzeug sitzt.

Negativ-Positiv

Maeckes ist aber auch allein Unterhalter genug. "Mir wird immer vorgeworfen, dass meine Musik so negativ ist", sagt er nach drei Songs, "Ich wusste gar nicht, was die Leute damit meinen, aber jetzt habe ich mal einen Blick auf die Songs geworfen: Misserfolg, das Schlechteste auf der Welt sind Menschen, Loser... vielleicht ist da doch was dran." Maeckes führt so die Rubrik "Songs positivieren" ein. Aus den eher melancholischen Zeilen macht er "Ich bin perfekt, niemand kann meine Fehler sehen". Dazu kommt ein Sound, der so klingt, als hätten Rihanna und David Guetta ein furchtbares Kind auf die Welt gebracht – bei  Maeckes ist das allerdings ziemlich unterhaltsam und völlig in Ordnung. Denn das Konzert ist vor allem eines: abwechslungsreich. Mal singt Maeckes und begleitet sich nur auf der Gitarre, mal performt er die Songs so, dass man kaum merkt, dass keine Band mit ihm unterwegs ist.

Maeckes im Naumanns
Maeckes im Naumanns                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Ich tanze nicht

Maeckes bringt im Naumanns ordentlich Schwung in die Kiste, unter anderem, indem er den gleichnamigen Hit der Orsons singt. Am meisten getanzt wird aber bei einem Song, den Maeckes zum Josef Hader-Film "Wilde Maus" beigesteuert hat. "Ich tanze nicht" heißt er und passend zum Titel läutet Maeckes damit den Anti-Tanz-Contest ein. Das Publikum bewegt sich, bis ein spezieller Part im Song beginnt. Dann stehen die Leute stumm da, bis die Melodie wieder richtig einsetzt, um tanzen zu können. Klingt vielleicht etwas kompliziert, ist eigentlich aber sehr einfach und macht Spaß.

Ein Mitglied der Partykirche

Als Zugabe spielt Maeckes seine aktuelle Single "Partykirche", zelebriert es wie eine heilige Messe, teilt das Menschenmeer, schreitet über dieses und lässt sich am Ende ganz von der Masse tragen. Zuletzt performt Maeckes "Unperfekt". Nur mit Gitarre sitzt er auf der Bühne und singt das wahrscheinlich romantischste Lied, das er zu bieten hat. Ungefähr fünf Minuten lang singt das Publikum den Refrain allein, klatscht und steigert sich immer mehr hinein, bis es Maeckes mit einem ausgiebigen Applaus feiert. Die lange Reihe vor dem Merch-Stand nach dem Konzert beweist: Die Leute sind begeistert von Maeckes – und wir sind es auch.

 

 

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Lucie Herrmann
26.10.2017 - 14:06
  Kultur

Mehr Infos:

Maeckes aktuelle Platte "Tilt" ist vor einem Jahr erschienen. Eine ausführliche Rezension dazu findet ihr hier.

Keine Ahnung, wie Maeckes klingt? Hier ein paar Videos: