Filmrezension: Greatest Showman

Willkommen in der Oscar-Manege

Mit viel Bombast wird am 4. Januar die Oscar-Saison in den deutschen Kinos eröffnet. Zum Auftakt gibt es mal wieder ein Musical. Statt Emma Stone und Ryan Gosling darf dieses Mal Hugh Jackman als Zirkuspionier zu jeder Menge Tanz und Gesang laden.
Szene aus "Greatest Showman"
In Hugh Jackmans Manege wird gesungen und getanzt

Die Füße des Publikums stampfen auf den Tribünen, Löwen brüllen, Funken sprühen, Akrobaten fliegen durch die Luft, Pferde galoppieren durch die Manege, mittendrin ein singender Hugh Jackman mit Zylinder und rotem Anzug. Der Auftakt zu Greatest Showman hätte kaum bombastischer ausfallen können. Über sieben Jahre hat sich die Produktion gezogen, 84 Millionen Dollar wurden in den Film investiert und das sieht man Greatest Showman besonders in den Musicalszenen an. Unter der funkelnden Oberfläche ist von dem Potential, das das historische Vorbild der Hauptfigur mit sich bringt, aber leider wenig zu merken.

Der Beginn des Showbusiness

Die Geschichte von Greatest Showman orientiert sich lose am Leben des P.T. Burnam. Der amerikanische Zirkuspionier (gespielt von Hugh Jackman) stammt aus armen Verhältnissen und träumt davon, seiner Familie ein prunkvolles Leben zu ermöglichen. Aus seiner Leidenschaft, die Menschen zu begeistern und zu unterhalten, eröffnet er ein skurriles Wachsfigurenkabinett. Der Besucherandrang bleibt jedoch aus und das Geld wird immer knapper. Burnams Töchtern fällt schnell auf: Im Museum fehlt das Leben! Kurzerhand beginnt Burnam, "andersartige" Menschen um sich zu scharen, die von der Gesellschaft verstoßen wurden, und stellt mit ihnen eine große Show auf die Beine. Burnam gelingt ein Publikumshit, doch das aufblühende Showbusiness wird alle nach und nach auf harte Proben stellen.

Szene aus "Greatest Showman"
Mange frei!

Wirft man einen Blick auf die Lebensgeschichte des echten P.T. Burnam, wird man etwas ernüchtert sein, wenn man sie mit dem Film vergleicht, denn der wird der extremen Ambivalenz dieser historischen Gestalt nur selten gerecht. Dass es in Greatest Showman weder um eine tiefgreifende Charakterstudie noch um historische Genauigkeit geht, wird jedoch schnell klar und sollte keinesfalls erwartet werden.

Unterforderte Stars in schicken Kostümen

Der hochkarätige Cast um Hugh Jackman, Rebecca Ferguson, Michelle Williams und Zac Efron meistert die gesanglichen und tänzerischen Anforderungen großartig, auch wenn hier und da per Nachsynchronisation etwas getrickst wurde und ihnen schauspielerisch ansonsten nicht viel abverlangt wird. Jackman und Efron geben als spätere Geschäftspartner ein dynamisches Duo ab, während Michelle Williams hingegen etwas untergeht.

Szene aus Greatest Showman
Hugh Jackman und Zac Efron betrinken sich singend

Sie spielt die Frau Burnams, die eigentlich aus einem reichen Hause stammt und mit ihrem Geliebten fortgezogen ist. Nach ihrer Nominierung für Manchester by the Sea, wird es also wohl auch in diesem Jahr nichts mit dem Oscar für Frau Williams. Zumindest nicht mit diesem Film. Auch Rebecca Ferguson als Opernstar Jenny Lind wird etwas stiefmütterlich behandelt, was vielleicht daran liegt, dass ihre Rolle eigentlich für Anne Hathaway angedacht war, die mit ihrer Musicalperformance in Les Miserables (2012) den Oscar gewann. Wie bereits erwähnt, sollte man aber sowieso keine komplexe Auseinandersetzung mit den Charakteren erwarten, denn Greatest Showman ist in erster Linie Familienunterhaltung mit klarer Botschaft, die einem mehrfach, nicht selten mit ordentlich Kitsch, eingetrichtert wird. Immerhin ist dieses Zirkus-Musical ein klares Statement für Toleranz, was natürlich den Zahn der Zeit trifft. Der Song This Is Me ist mit dieser Aussage ein fast sicherer Oscar-Gewinner in diesem Jahr.

Den Beitrag können Sie hier Nachhören:

Janick Nolting im Gespräch mit Moderatorin Lisa Tuttlies über "Greatest Showman"
Janick Nolting im Gespräch mit Moderatorin Lisa Tuttlies über "Greatest Showman"

Pop in der Zirkuswelt

Am wichtigsten für so ein Musical ist selbstverständlich die Musik und die ist tatsächlich überraschend eindringlich ausgefallen. Beigesteuert wurde sie teilweise von dem Komponisten-Duo, das schon die Musik zu La La Land komponiert hat. War die Musik in La La Land noch eher ruhig und mit etwas Jazz gewürzt, gibt es in Greatest Showman laute Popmusik und dramatische Balladen. Zugegebenermaßen klingen viele Songs gleich, aber sie fügen sich trotz ihres modernen Klangs erstaunlich gut in die Zirkuswelt des 19. Jahrhunderts ein und sorgen an einigen Stellen für Gänsehaut. Der ein oder andere Ohrwurm ist auf jeden Fall dabei!

Szene aus Greatest Showman
nächtlicher Musical-Herzschmerz

Ein neues La La Land für das Jahr 2018 ist Greatest Showman dennoch nicht. Von Damien Chazelles virtuosen filmischen Inszenierung ist Greatest Showman weit entfernt. Am Ende bleibt ein Film übrig, der keinesfalls ein Meisterwerk geworden ist, denn dafür hat das Drehbuch einfach zu viele Schwächen. Vieles wird zu oberflächlich behandelt. Das geht schon damit los, dass mal eben unzählige Jahre im Leben Burnams mit einer einzigen Tanzszene überflogen werden. Michelle Williams Kleid flattert dabei zwar schön im Wind, pustet aber auch jegliche Charaktertiefe davon. Wenn es für die Figuren mal eng wird, lässt sich jeder Konflikt in kürzester Zeit lösen, kritisch hinterfragt wird nur wenig. Dennoch ist Greatest Showman ein sehenswerter Film geworden. Für alle Musicalfans ist das Manegenspektakel ein Muss und mit seinen familiengerecht aufbereiteten Themen ein perfekter Film für die kalte Jahreszeit. Wer nicht unbedingt eine filmische Offenbarung erwartet, wird eine wunderschöne und bis zuletzt unterhaltsame Zeit im Kinosaal haben. Greatest Showman ist ein kraftvolles, buntes, lautes und in den besten Momenten herzerweichendes Fest.  

 

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Greatest Showman

Regie: Michael Gracey

FSK 6

Laufzeit: 105 Minuten

Cast: Hugh Jackman, Michelle Williams, Zac Efron, Rebecca Ferguson, Keala Settle, Zendaya und viele mehr

Der Film ist 2018 für drei Golden Globes nominiert (Bester Film: Musical oder Comedy, Bester Hauptdarsteller: Musical oder Comedy und Bester Song)