Radwege

Wieso existieren sie überhaupt?

Die Anzahl der Fahrradfahrer in Leipzig steigt. 2015 haben Radfahrer in Leipzig 150 Millionen Wege zurückgelegt – fast doppelt so viele wie noch 2003. Normalerweise ist für sie auch genügend Platz. Doch was passiert, wenn die Radwege zugeparkt sind?
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Immer wieder werden Radwege von Autos zugeparkt.

Eigentlich ist Leipzig auch ganz gut aufgestellt, was Fahrradwege in der Stadt betrifft. Aber was, wenn die zugeparkt sind? Diese Diskussion möchte William Rambow, der Sprecher des Jugendparlaments, führen. Das Foto, das Rambow vor einigen Tagen getwittert hat, zeigt dieses alltägliche Bild aus Leipzig. Dass die zugeparkten Fahrradwege zum Straßenbild gehören, kritisiert der Jugendparlament-Sprecher:

Es ist auf jeden Fall verbesserungswürdig. Gerade was Autos betrifft, die auf Radwegen parken. Als Radfahrer muss man ständig ausweichen und bringt sich ständig in Gefahr.

William Rambow, Sprecher des Jugendparlaments

Was sagt der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club dazu?

Christoph Waack, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs in Leipzig, schätzt die Situation für Radfahrer in Leipzig eigentlich positiv ein. Trotzdem sieht er in zugeparkten Radwegen ein Problem. "Das ist ein ganz großes Problem, das Abstellen. Das ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern hier werden Radfahrer massiv gefährdet. Das Ordnungsamt ahndet zu wenig und die Polizei schleppt nicht ab", meint Waack.

Das Ordnungsamt Leipzig streitet dies jedoch ab - sie hätten Falschparker ausreichend geahndet. In einer Stellungnahme gegenüber mephisto 97.6 heißt es:

Im Interesse der Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer werden daher auch die Geh- und Radwege durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verkehrsüberwachung täglich kontrolliert. (…) die gemeindlichen Vollzugsbediensteten treten auch in den direkten Kontakt mit den Betroffenen, um im Gespräch diese auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen und entsprechend zu sensibilisieren.

Allerdings könne das Ordnungsamt nur Verstöße ahnden, dass Radwege zugeparkt werden, könne es nicht verhindern.

Es hagelt Kritik

Auch der Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Jan Rickmeyer, kritisiert das Ordnungsamt. Er versteht nicht, warum Falschparker nicht abgeschleppt werden. Falsch geparkte Autos können für Radfahrer nämlich schnell gefährlich werden.

Das zeigt auch der Fall von Carl Köckert:

Ich bin in der Rosa-Luxemburg-Straße gefahren, und obwohl da Parkverbot ist, parken da regelmäßig Autos. Ein Autofahrer hat die Tür einfach geöffnet und ich bin mit voller Wucht dagegen gefahren.

Carl Köckert

Die Tür geöffnet, ohne zu schauen. Das hätte für Köckert fatale Folgen haben können: "Naja, wenn eine Straßenbahn gekommen wäre, würde mich mir nicht ausmalen wollen, was dann passiert wäre."

Unglück im November

Erst im November ist einer Radfahrerin in der Goethestraße das Gleiche passiert. Sie ist beim Ausweichen unter eine Straßenbahn geraten und konnte nur noch tot geborgen worden. Um solche Situationen zu vermeiden, fordert William Rambow vom Jugendparlament stärkere Kontrollen:

Das kann man auch kurzfristig machen. Mittelfristig würde ich mir auf der Karl-Liebknecht-Straße eine Fahrradstraße wünschen. Ich sehe nicht ein, warum da Autos fahren müssen.

William Rambow

Dass es für das Verkehrschaos eine Lösung geben wird, hält er für wahrscheinlich. Im Stadtrat gebe es schließlich eine fahrradfreundliche Mehrheit, mit deren Hilfe man etwas tun könne. "Man kann mit Argumenten auch Autofahrer überzeugen, aufs Rad umzusteigen oder zumindest den Radverkehr zu unterstützen", sagt William Rambow.

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker können Sie sich hier anhören:

Ein Beitrag von Marisa Becker
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Pia Ebeling
01.06.2017 - 11:07