Persönlichkeitsentwicklung

Wie schätzt du mich ein?

Über den Charakter von Freunden wird oft und gerne geplaudert. Mit seinen Einschätzungen liegt man aber meist eher daneben. Zumindest bis zum Ende der Pubertät, wie eine Studie des Psychologischen Institutes der Uni Leipzig kürzlich zeigte.
Studienergebnis des Psychologischen Institutes
Emotionale Stabilität von Frauen und Männern im Vergleich

Professor Dr. Stefan Schmukle und Julia Rohrer vom Psychologischen Institut veröffentlichten vor einigen Wochen die Ergebnisse einer Studie zur Persönlichkeitsforschung. Man versuchte herauszufinden, ob sich die Persönlichkeit eines Menschen bis zum Ende der Pubertät wirklich positiv verändere. Dass wir mit zunehmendem Alter erwachsener und reifer werden, ist ja eine allgemein verbreitete Ansicht. Aber falls das nun wirklich so ist, wie äußert es sich dann?

Freiwillige Datenabgabe

 Um das festzustellen wurden Daten der Facebook-App myPersonality analysiert. Diese war von 2007 bis 2012 nutzbar und bot unter anderem ganz typische Persönlichkeitsfragebögen zum ausfüllen. Auf einer Skala von 1 bis 5 konnte man ankreuzen ob man zum Beispiel gerne auf Partys gehe, gesellig sei oder sich oft Sorgen mache und häufig Angst habe. Zusätzlich zu den Fragebögen gaben manche Nutzer der App aber auch freiwillig Zugriff auf ihre Profil. Von Statusmeldungen über Facebookaktivitäten bis hin zur Nutzung von Smileys und dem Blick auf dem eigenen Profilbild wurde alles erfasst. Nachdem die App offline ging, stellte man der Öffentlichkeit Daten von 4 Millionen Nutzern zur Verfügung. Schmukle und Rohrer, so wie weitere Professoren aus Mainz, Stanford und Cambridge, analysierten diese.

Die 5 Dimensionen der Persönlichkeit

Im Gegensatz zu allen anderen Studien bezüglich des Themas hatte diese mehrere Besonderheiten an sich. Normalerweise ist es üblich Fragebögen zu beantworten und im Anschluss eine Auswertung zu erhalten. Bei myPersonality konnte man die Fragebögen aber auch von Freunden ausfüllen lassen um eine Fremdbewertung zu erhalten. Die Professoren wollten feststellen ob sich Selbst- und Fremdbewertung von Freunden ähneln. Dazu wurden Daten von 10.000 Nutzern der App zwischen 14 und 29 Jahren ausgewertet. Julia Rohrer erklärt, dass die Persönlichkeit eines Menschen in 5 Dimensionen aufgeteilt sei. Geselligkeit, Empathie, Gewissenheit, Offenheit und emotionale Stabilität. Während Selbst- und Fremdberichte über diese Facetten bei 14jährigen in der Regel weit auseinander gingen, gab es bei den 29jährigen viel höhere Übereinstimmungen. Das lässt darauf schließen, dass Jugendliche ab dem Ende der Pubertät wirklich reflektierter über sich, aber auch über andere nachdenken.

Das heißt, wir können ausschließen, dass diese Persönlichkeitsreifung jetzt nur komplett eingebildet oder erwünschtes Antwortverhalten ist.

Julia Rohrer vom Psychologischen Institut

Wir halten uns für offen und intellektuell

Die Übereinstimmung im höheren Alter trifft allerdings nicht auf alle Facetten der Persönlichkeit zu. Die größten Abweichungen gibt es, wenn es um Offenheit und emotionale Stabilität geht. Bei letzterer hat dies zwei Gründe. Zum einen muss man, um die emotionale Stabilität eines anderen feststellen zu können, auch mal über negative Gefühle miteinander reden können. Das einfache Beobachten reicht da nicht aus, wie es zum Beispiel bei Gewissenhaftigkeit oder Geselligkeit der Fall ist. Zwar ändert sich das mit dem Alter etwas, aber oft genug scheinen Sätze wie "Hey, ich hab mir letztens Sorgen gemacht." trotzdem nicht zu fallen. Zwischen den Geschlechtern gibt es ebenfalls Unterschiede. So schätzen Frauen sich selbst im Schnitt als labiler ein als ihre Freunde. Bei Männern ist dies nicht der Fall. Geht es um Offenheit überschätzen sich die meisten wiederum. Laut Rohrer neige der Mensch allgemein dazu sich selbst schnell als sehr weltoffen und intellektuell zu bezeichnen, seinem Gegenüber wiederum das Gegenteil zu unterstellen.

mephisto 97.6 Redakteur Hendrik Zimny hat Julia Rohrer interviewt und Leute auf der Straße gefragt, ob die Ergebnisse der Studie für sie plausibel klingen:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Hendrik Zimny.
 
 

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