Klimacamp in Pödelwitz

Wie entsteht eigentlich Geld?

Auf dem Klimacamp in Pödelwitz vergangene Woche wurde nicht nur gegen Braunkohle protestiert, sondern sich auch weitergebildet. Zum Beispiel zum Thema Geld und den Problemen unseres Finanzsystems.
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Platz mit den Workshopzelten in Pödelwitz

In einem überhitzten Zelt auf einem Acker in Pödelwitz sitzen 26 Menschen und schwitzen. Einige haben sich auf das verdörrte Gras gesetzt. Andere sitzen auf den Bierbänken und fächeln sich Luft zu. Sie alle wollen sich die nächsten vier Tage anhören, wie unser Geldsystem funktioniert, und welche Schwierigkeiten es mit sich bringt. Zum Einstieg erzählen sie sich aber erstmal von ihrem Verhältnis zu Geld.

Ich plane keine krassen Urlaube, dafür habe ich auch einfach nicht genug Geld, aber ich vermisse es auch nicht.

Paula, Teilnehmerin am Workshop
Das sagt Paula. Sie ist 24 und studiert VWL in Potsdam. Sie möchte hier vor allem mehr über Alternativen zum aktuellen Geldsystem erfahren. Denn sie findet, das kommt in ihrem Studium zu wenig vor.

Der Beitrag zum Nachhören:

Rebecca Kelber war für uns beim Workshop dabei.
 

Der Workshopleiter Lino Zeddies erzählt, wie er selbst auf das Thema gekommen ist: Er hat wie Paula VWL studiert und war wie sie von seinem Studium enttäuscht. Deshalb hat er sich neben seinem Studium für alternative Wirtschaft interessiert.

Ich bin dann aber auf das Thema Geld eher zufällig gestoßen, innerhalb von einem Praktikum. Ich musste da viel recherchieren zur Finanzkrise und da habe ich mich irgendwann gefragt, wie entsteht eigentlich Geld oder, wie schafft die Zentralbank Geld, weil ich dachte, nur die macht das und hab dann wirklich so bei Google eingetippt „Wie schafft die Zentralbank Geld?“ und bin dann darauf gestoßen, das Privatbanken das meiste Geld schaffen, nicht die Zentralbank und dann dachte ich mir, das ist ja Quatsch, das wüsste ich doch, hab ja VWL studiert [Gelächter] und das waren aber mehrere Websiten und wirkten auch nicht so unseriös und dann war ich erstmal sehr verwirrt und dachte, entweder die spinnen oder ich spinne und hab dann immer weiter recherchiert… 

Lino Zeddies, Workshopleiter

Was Lino Zeddies dann erzählt, klingt fast nach einer Verschwörungstheorie. Und doch stimmt es tatsächlich: Privatbanken können beliebig Geld erschaffen oder schöpfen. Dazu muss sie nur jemand nach einem Kredit fragen und schon wird in der Bank in einem Computer die entsprechende Zahl eingetippt. Also zum Beispiel: Jemand möchte sich zehntausend Euro leihen und geht zu einer Bank. Dort werden dann genau die zehntausend Euro geschaffen. Das geht so einfach, weil dieses Geld nur virtuell ist. Das heißt, es gibt viel mehr Geld auf Konten als Geld in Scheinen. Lino Zeddies meint, das führe zu jeder Menge Problemen. Zum Beispiel heiße das: Wenn nur wenige Menschen Schulden haben, gibt es auch nur sehr wenig Geld. Und das sei schlecht für die Wirtschaft. Auch Wirtschaftskrisen würden durch unser Finanzsystem verstärkt. Sobald die Menschen nämlich aufhörten, den Banken zu vertrauen, gebe es ein Problem. Unter anderem deshalb hätten in der Finanzkrise 2008 so viele Banken gerettet werden müssen: Damit die Menschen den Banken weiter vertrauen.

Pause zum Wasserholen

Im Zelt wird es immer heißer. Trotzdem kommen viele Nachfragen. Einige haben sich noch nie mit Geld beschäftigt, andere wissen schon ganz gut Bescheid.  Paula hört aufmerksam zu, was Lino Zeddies erzählt. Irgendwann ruft jemand nach einer Pause und alle machen sich auf den Weg quer über die Wiese, um frisches Wasser zu holen. Paula ist bisher mit dem Workshop ganz zufrieden:

 Klar wusste ich jetzt schon ein paar Sachen, nicht durch mein Studium tatsächlich, sondern weil ich mich im Bachelor in meiner Freizeit damit beschäftigt habe und fands aber trotzdem gut, so als Erfrischung und Aufwärmung, ich kann mir aber schon vorstellen, dass das für einige schon eine Herausforderung war, ist ja schon ein komplexes Thema.

Paula, Teilnehmerin am Workshop

Bevor es weitergeht, macht Workshopleiter Lino Zeddies mit der Gruppe eine kleine Meditation, um die Konzentration zu stärken. 

Am nächsten Tag geht es dann mit Alternativen zum Geldsystem weiter. Lino Zeddies engagiert sich selbst in einem Verein namens „Monetative“. Sie setzen sich für eine Vollgeldreform ein. Das heißt: Nur noch die Zentralbank soll Geld schöpfen können. Er meint, dass das einige Probleme unseres Geldsystems lösen würde. Auch hier sind Gründe wieder ziemlich komplex. Und auch, wenn es heute wieder stickig und heiß ist, kommen viele Nachfragen.
Nach einer kurzen Pause (quer über die Wiese zum Wasserhahn) redet Lino Zeddies darüber, warum auch Zinsen schwierig sind. Und er erklärt kurz die Alternativen Freigeld und Kryptowährungen. Viel Zeit bleibt da für die einzelnen Themen nicht.

Verwirrung und Visionen

Hannes ist ein besonnener Typ mit randloser Brille und kurzen, dunklen Haaren. Er arbeitet bei einer Bank, der Umweltbank. Trotzdem ist er nicht ganz mitgekommen.  

Gerade bin ich noch so ein bisschen verwirrt, war jetzt sehr verschiedener Input und waren viele interessante Ideen, was so an unserem Finanzsystem verändert werden könnte.

Hannes, Teilnehmer am Workshop

Es geht aber nicht nur ums Zuhören: Hannes und Paula diskutieren in einer Kleingruppe darüber, wie Geld sein größtes Potential entfalten kann.
Hannes findet, Geld ist nur sinnvoll, wenn man irgendwas damit macht:

An sich ist Geld kein Potential, es ist nur sozusagen, die Option auf irgendwas oder das irgendwas gemacht wird.

Hannes, Teilnehmer am Workshop

Ja, ich finde, das hast du schön gesagt und deshalb ist es auch voll wichtig, dass wir das Finanzsystem, das Wirtschaftssystem als ein gestaltbares, menschengemachtes Ding begreifen, weil es ja uns in erster Linie dienen soll.

Paula, Teilnehmerin am Workshop

Bei Paula hat der Workshop auf jeden Fall etwas angestoßen: Er hat sie daran erinnert, wie wichtig sie das Thema findet.

Das Finanzsystem ist eine Ursache für viele Probleme,. Das liegt einfach ganz tief und hindert die Menschheit daran, sich positiv zu entwickeln. Ich arbeite gerade im umweltökonomischen Bereich und das ist auch ein Herzensanliegen von mir, aber ich habe gerade gemerkt: Der Bereich interessiert mich auch total.

Paula,Teilnehmerin am Workshop

Paula will sich deshalb noch mehr mit dem Finanzsystem auseinandersetzen. Und vielleicht gibt sie irgendwann auch Workshops zu alternativen Geldsystemen.

 

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