Die Kolumne

Wie einer auszog, um wieder einzuziehen

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Lukas Raschke über schöne Wohnungen, knackige Wähler und heiße Themen.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Wie einer auszog, um wieder einzuziehen - die Kolumne von Lukas Raschke
Wie einer auszog, um wieder einzuziehen - die Kolumne von Lukas Raschke

Laut einer neuen Studie des Moses Mendelssohn Instituts wird es für Studierende immer schwieriger, eine passende Bleibe zu finden. Wie ist es so in Leipzig, gibt‘s bald nur noch BWLer?

Das hätte mit Sicherheit weder Moses noch Mendelssohn gewollt. Und Moses Mendelssohn erst recht nicht. Die Diskriminierung von Geisteswissenschaftlern darf nicht auch noch vom Wohnungsmarkt gefördert werden. Aber mal ernsthaft, der Hype um Leipzig ist für den Durchschnittsstudenten leider Freund und Feind zugleich. Mittlerweile sollte man sich wirklich zweimal überlegen, ob man seinen Freunden im Westen auf die Nase bindet, wie geil und bezahlbar Leipzig doch ist. Das wird man spätestens merken, wenn die nächste WG-Auflösung und der damit verbundene Umzug anstehen. Drei Stunden Selbstgeißelung und fünf Ave-Maria helfen dann auch nicht mehr. Und währenddessen können sich die Vermieter beim Gedanken an den endlosen Zuzugsstrom genüsslich den Jürgen würgen. Ob die Mietpreisbremse nach der Bundestagswahl am Sonntag kommt, steht in den Sternen. Mein Mitbewohner hat das Problem geschickt umgegangen. Nach zwei Jahren in Leipzig zieht er demnächst zurück aufs Dorf zu seinem Opa ins Obergeschoss. Damit zeigt er steigenden Mieten und Lebenserhaltungskosten nicht nur den symbolischen Mittelfinger. Er wird vermutlich auch in die Geschichte eingehen – als erster Student, der vom BAföG wirklich leben konnte.

Am Wochenende ist Bundestagswahl. Da alle so gespannt sind, gibt es kaum Themen, über die ein Lokalradio berichten kann. Bist du auch aufgeregt vor der Wahl?

Unser Kolumnist und Meinungsmacher Lukas Raschke bei der Arbeit.
So sieht ein starker Meinungsmacher aus: Unser Kolumnist Lukas Raschke bei der Arbeit.

Aufgeregt bin ich auf jeden Fall. Nicht so aufgeregt, dass ich jedem in meinem Umfeld nochmal erklären muss, wie wichtig wählen ist und wie das überhaupt geht. Aber das ist nun mal die Aufgabe eines Mediums. Zu informieren. Man kann natürlich darüber streiten, inwiefern manche Berichterstattungen in kostenlose Parteienwerbung ausarten. Oder wie es sein kann, dass selbst im hundertsten TV-Duell, Bürgerdialog oder Politikerportrait bestimmte Themen einfach nicht angesprochen werden. Aber grundsätzlich hat die Bundestagswahl mit allem Drum und Dran schon ihre Berechtigung in den Medien. Und selbstverständlich findet sich in einem Lokalradio auch noch Platz für andere Themen. Häufig ist die Aufmerksamkeitsspanne des Konsumenten dafür jedoch zu gering. Es muss ja auch noch Zeit bleiben, um als kleiner Mann bei Facebook selbst noch ein bisschen Wahlkampf zu veranstalten. Und während das Hirnschmalz für Folter- und Hinrichtungsmethoden von Politikern verbraucht wird, dropt Burki mal ganz unauffällig seine Expansionspläne für Leipzig. Studenten in Wohnungsnot können also aufatmen. Wir machen die Stadt einfach wieder ein bisschen unattraktiver. So geht Politik.

Zurück zur Wahl. Die U18 Wahl wurde klar von der CDU gewonnen. Aber abgesehen von den Grünen und vielen Stimmen für Sonstige, sieht es erschreckend ähnlich wie bei den Erwachsenen aus. Findest du das gut oder eher traurig?

Bevor mir die Tränen kommen, versuch ich das erstmal richtig einzuordnen. U18 ist schließlich ein sehr dehnbarer Begriff. Und im Gegensatz zur 17-jährigen Sabrina kann mir die 6-jährige Jenny bestimmt nicht erklären, was sie an den wertkonservativen Ansichten der Christdemokraten so toll findet. Die U18-Wahl ist ein sinnvolles Projekt gegen Politikverdrossenheit und eine nette Übung für kommende Erstwähler. Auf die Goldwaage legen sollte man das Ergebnis allerdings nicht. Denn auch das wurde letztendlich von der pathologischen Ü50-CDU-Wählerschaft bestimmt.

Und nächste Woche?

Wird sich Jenny sicherlich sehr für die Mutti freuen.

 

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