Finanzkrise

"Wie die Griechen wählen, ist wurscht!"

Seit vielen Jahren schon forscht Professor Hartmut Elsenhans zu Kapitalismus. Während sich die Krise in Griechenland weiter zuspitzt, rät er zur Ruhe und fordert mehr Solidarität unter den Euro-Ländern - weitere Investitionen seien unvermeidlich.
Prof.Dr. Hartmut Elsenhans zu Gast bei mephisto 97.6

In der Nacht zum Mittwoch ist das Hilfprogramm der Euro-Partner für Griechenland ausgelaufen, Athen hat den Kredit nicht fristgerecht an den Internationalen Währungsfond (IWF) zurückgezahlt. In der Folge sind seit Montag in Griechenland die Banken geschlossen geblieben und an den Geldautomaten gibt es maximal 60 Euro pro Tag. Heute sollen wieder einige Banken öffnen, allerdings ausschließlich für Rentner. Trotz internationaler Kritik hält die griechische Regierung weiterhin an einem Referendum am kommenden Sonntag fest. Dann wollen die Griechen darüber abstimmen, ob die Regierung im Schuldenstreit auf ein Angebot der Gläubiger eingehen soll. Der Ausgang des Referendums gilt weiterhin als unklar.
 

Europäische Solidarität?

Professor Harmut Elsenhans rät trotz der eskalativen Stimmung zur Gelassenheit: "Es ist nicht besorgniserregend über alle Maßen." Als Grund dafür gibt er an, dass die Lage noch nicht unbedingt an den Europäischen Ressourcen zehre. Auch sieht er nicht die Europäische Union in Gefahr, denn unabhängig davon, welchen  Ausgang die Krise nehmen werde, würde die EU weiterhin hinter Griechenland stehen. Das hätten die 18 Länder in der Eurozone mit ihrer Solidarität deutlich gemacht. Elsenhans geht sogar noch weiter: "Ich denke, dass die Europäische Solidarität eher noch gestärkt worden ist." Ein großes Problem sieht er dagegen in der Sparpolitik Deutschlands, die sich andere Ländern nicht in diesem Maße leisten können und die nur auf Kosten anderer möglich sei. "Wir sind auf vielfältige Weise Profiteure, weil wir den Schutz der Schwachen haben." Kritik an der Griechische Regierung übt er vor allem in der Hinsicht, dass die verantwortlichen Politiker in Europa für mehr Allianz und Verständis hätten werben sollen.

Florian Farken im Interview mit Professor Hartmut Elsenhans Teil 1

"Das ist keine verantwortliche Politik"

Das Problem der Eurokrise bestehe darin, dass die Löhne zu niedrig sind. "Die Lösung der Krise wäre, wenn die Bundesrepublik sagen würde, alle Deutschen kriegen mehr Geld." Das sei an der Forderung der EZB ausgerichtet und Elsenhans verweist da auf die Franzosen, die seiner Meinung nach in Hinbilck auf ihre Löhne alles richtig gemacht haben. Er wirft Deutschland vor,  als führendes Land sein Problem dadurch lösen zu wollen, dass es Exportüberschüsse hat, die auf Schulden anderer basieren. Deshalb mahnt er, sich die Solidarität zum Vorbild zu nehmen, die damals nach dem Krieg 1945 verhandelt worden ist.

 

Was die Griechen am Sonntag abstimmen ist völlig wurscht!

 Professor Hartmut Elsenhans

Der Abstimmung am Sonntag schreibt Elsenhans nur geringe Bedeutung zu, da seiner Ansicht nach keine entscheidenden Änderungen eintreten werden, wie etwa gegen den überhöhten Preis der griechischen Waren auf dem Weltmarkt vorzugehen. Eine Lösung sieht er in der Abwertung, die derzeit politisch abgelehnt wird, ökonomisch aber richtig sei. Er ist sich sicher, dass an Investitionen in Griechenland nicht vorbeizukommen sei, schließlich gelte als oberste Priorität, das Wachstum Griechenlands wieder zu fördern.

 

Florian Farken im Interview mit Professor Hartmut Elsenhans Teil 2
Griechenlandinterview 2
 

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Louisa Hutzler
01.07.2015 - 13:03