Konzertbericht: The King's Parade

Wie Balsam für die Seele

The King’s Parade fingen als Straßenmusiker an, Geld zu verdienen. Mittlerweile haben sie zwei EPs auf den Markt gebracht und touren fleißig durch Europa. Am Freitag war die Alternative-Soul-Band aus London im So&So zu Gast.
The King's Parade
The King's Parade bringen nächstes Jahr ihr Debutalbum raus.

Wenn das So&So seine Tore einen Tag vor geplantem Saisonstart öffnet, weiß man das etwas ganz Besonderes auf dem Programm steht. The King’s Parade kommen aus London, machen soulige Rockmusik und haben schon so einige Auftritte hinter sich. Angefangen auf der Straße, untermalten sie die hektische Londoner Innenstadt jahrelang mit ihrer Musik. Das gefiel nicht jedem gut. Einmal wurde die Band von einem Polizisten abgeführt – warum wissen sie auch nicht. Von London aus ging es dann auf eine dreimonatige Kreuzfahrt – nicht um Urlaub zu machen, sondern, um vor einer unmotivierten Rentnermeute 40 Stunden pro Woche zu performen.

Mit Rythmus im Blut

Zurück in London hatten The King’s Parade 2015 genug Geld um ihre erste EP aufzunehmen. Die zweite EP „Haze“ folgte ein Jahr später. Damit und mit jeder Menge neuer Songs im Gepäck bespielten sie am Freitag die kleine Bühne des So&So. Ohne Vorband ging es mit ein wenig Verspätung los. Der Raum ist gut gefüllt, das Publikum definitiv jünger als auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Band startet mit „Not Yet“ – eine Rocknummer, die sich immer weiter steigert und verdammt viel Lust auf die nächsten Stunden macht. Von Anfang an kommt Bewegung ins Publikum. Zwei junge Frauen stürmen nach vorn und fangen an sich im Rhythmus zu bewegen. Gut sieht das Ganze zwar aus und anfangs ist es auch ziemlich amüsant. Als eine der beiden nach ein paar Songs auf die Bühne springt und anfängt den Sänger anzutanzen, fragt man sich schon, ob das wirklich sein muss. Sänger Olly Corpe lächelt es höflich weg und irgendwie bringt die spontane Performance auf der Bühne auch das Publikum zum Tanzen.

The King's Parade
The King's Parade im So&So

Soulige Klänge

Dabei hätte es das gar nicht gebraucht. The King’s Parade machen auch so Stimmung. Sie sind wahnsinnig gut eingespielt, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die vier sympathischen Briten seit Jahren in einem Haus leben. Die Stimme von Sänger Olly powert fehlerfrei und entspannt durch jeden Song. Die Band strahlt eine wundervolle Ruhe aus und als beim Song „Mother Tongue“ auch noch das Publikum anfängt zu singen, kann man wohl behaupten, dass The King’s Parade alles richtiggemacht haben. Besonders „Gathering The Pieces of a Broken Heart“ zeigt, was die Band am besten kann: gefühlvollen Soul mit kräftigen Gitarrenklängen. Auch die neuen Songs funktionieren fantastisch. Von Song zu Song steigert sich der Jubel aus dem Publikum und man wird immer mehr von den groovigen Melodien abgeholt. Eine paar Leute sind extra aus Barcelona angereist, bereut haben sie es wohl nicht. 

Fazit

Der Abend im So&So endet nach gut anderthalb Stunden mit zwei Zugaben und jeder Menge Applaus. The King's Parade sind eine dieser Bands, bei denen alles wahnsinnig mühelos erscheint. Auch wenn sie bis jetzt nicht mal das Debütalbum veröffentlicht haben, kennen sie ihren Sound definitiv schon. Die Mischung aus Soul, Pop und Blues funktioniert einfach und es ist der Band zu wünschen, dass sie nicht mehr lange ein Geheimtipp bleiben.  

 

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